Sportpolitik Schwarzer Tag für Olympia

Graubündens Bürger stimmen klar gegen eine Bewerbung für die Winterspiele 2026. FDP-Chef Christian Lindner wirbt derweil für eine Austragung der Sommerspiele in Nordrhein-Westfalen - mit alten Argumenten.

Von Thomas Kistner

Es hätte ein Jubeltag werden sollen für das Internationale Olympische Komitee. Bei der Volksabstimmung am Sonntag im Schweizer Kanton Graubünden über eine Winterspiel-Bewerbung für 2026 war ein Plus an Befürwortern erwartet worden. Und im Nachbarland machte sich FDP-Chef Christian Lindner für die nächste deutsche Bewerbung stark, mit Nordrhein- Westfalen für den Sommer 2028.

Aber dann verweigerten gut 60 Prozent der Wähler in der Region um Davos und St. Moritz der Kantonsregierung das Okay zu einem 25-Millionen-Franken-Kredit für das Bewerbungsdossier: Aus der Traum von Bündnern Spielen. Zumal die Bevölkerung schon einmal, für den Winter 2022, Nein gesagt hatte. Damals mit 52,6 Prozent, die Ablehnung ist als gewachsen.

Lindner findet nur alte Argumente für einen neuen Versuch mit NRW

Da wirkt unpassend, dass FDP-Chef Lindner in einem Sonntagabend ausgestrahlten Interview kräftig für NRW-Spiele trommelte. Sollte eine Machbarkeitsstudie grünes Licht signalisieren, so Lindner im Deutschlandfunk, stehe er voll hinter dem Projekt: "Olympische Spiele müssen nicht immer nur ein Problem sein, sondern können auch eine große Chance darstellen." Trotz solcher wolkigen Standardformulierungen hätte der FDP-Vorsitzende und Parteifreund von IOC-Chef Thomas Bach in eine günstige Stimmungslage stoßen können, wären die Schweizer nun Feuer und Flamme für Olympia gewesen. Stattdessen verfestigt ihr Votum den Trend in westlichen Ländern: eine trotz aller Frömmeleien aus Sport, Wirtschaft und Politik unverblendete Sicht auf das gigantischste Kommerzspektakel des Globus neben der Fußball-WM: Olympia? Aber nicht bei uns.

Auch die Schweizer Winterbewerbung kam aus Wirtschaftskreisen, gepuscht von Regierung und regionalen Medien. Dass die Bürger trotzdem den Daumen senkten, war hierzulande schon wiederholt der Fall, in München 2013 und Hamburg 2015 stoppten ihre Voten eine Bewerbung.

In Nordrhein-Westfalen läuft es nicht anders. Wie Lindner, der patinierte Weckrufe auffrischt - "was sagt das über unser Land, wenn wir voller Pessimismus an eine so großartige Idee wie Olympische Spiele herangehen?" -, wirbt die NRW-Initiative mit allem, was keine Relevanz hat bei Spielevergaben des IOC. Dass es der Region gut täte? Ja. Anderen auch. Dass Spiele dort technisch machbar sind? Klar. Das hat sogar das kollabierende Rio de Janeiro 2016 noch hingekriegt; ebenso Athen 2004.

Sie bleibt fruchtlos, die Suche nach neuen Argumenten für eine Sportsause, die entgegen ihrer Ursprungsidee für endlose Schlagzeilen über Korruption, weitflächige Dopingstrategien und die überwölbende Machtpolitik von Autokraten wie Wladimir Putin sorgt. Man dürfe nicht den "Dagegen-Gruppen" das Feld überlassen, sagte Lindner nun mit Blick auf die Absagen in München und Hamburg. Dabei hat das IOC, falls es im Herbst Los Angeles den Zuschlag für Sommerspiele 2024 gibt, auch noch Donald-Trump-Spiele im Portfolio.

Einem nutzt das Trommeln des FDP-Mannes. Das IOC braucht wieder mehr Bewerber aus Westeuropa, viele Sponsoren machen dort Großumsatz. Da wäre es hilfreich, mal wieder einen globalen Run auf die Spiele zu inszenieren. Am Ende entscheidet der Ringe-Clan wie üblich so, wie es ihm sportpolitisch am opportunsten ist.

"Wir können Spiele besser machen als Brasilien", sagte Lindner noch im DLF, "wir sind eine andere Gesellschaft." Ein wenig Trumpismus hat der FDP-Chef offenbar schon parat. Das muss ja im Sport der Zukunft nicht schaden.