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Sportpolitik:Mehr Geld für die Nada

Lars Mortsiefer

Es geht um die Finanzierung seiner Agentur: Nada-Vorstand Lars Mortsiefer.

(Foto: Alexander Heinl/dpa)

Die deutschen Verbände müssen für Dopingtests 1,5 Millionen Euro bezahlen. Der höchste Anteil kommt auf die Leichtathletik zu. Nach dem neuerlichen Anstieg der Summe verschärfen sich das Problem und die Proteste noch einmal.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Es ist für viele Spitzenverbände ein unangenehmer Brief, den sie dieser Tage von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) bekommen. Die Bonner Kontrollorganisation verschickt die Rechnungen für das Jahr 2019, und viele olympische Fachsparten sehen sich mit Rekordforderungen konfrontiert. Alle Spitzenverbände zusammen sollen im kommenden Jahr 1,5 Millionen Euro beisteuern. Auf die höchsten einzelnen Forderungen müssen sich dabei nach SZ-Informationen die Leichtathletik (zirka 245 000 Euro), Kanu (105 000 Euro) und Rudern (100 000 Euro) einstellen. Manche Verbände befürchten daher finanzielle Mehrbelastungen, die sie nicht stemmen können.

Die Finanzierung der Nada ist schon lange ein Streitpunkt zwischen Sport und Politik sowie innerhalb des Sports. Der Gesamtetat beträgt zirka zehn Millionen Euro, etwa zwei Drittel davon kommen vom Bundesinnenministerium. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Sporthilfe-Stiftung zahlen zirka 600 000 Euro, der Fußball erhält eine separate Rechnung, die zuletzt zirka 800 000 Euro betrug - und 1,5 Millionen Euro sollen nun die anderen 64 Spitzenverbände beisteuern.

Formal betrachtet ist dies gar keine neue Forderung. Schon vor vier Jahren beschloss der Nada-Aufsichtsrat, dass die Spitzenverbände 1,5 Millionen Euro bezahlen sollen. Doch seitdem wurde dieser Beschluss nie realisiert. Bis 2017 betrug der Beitrag der Verbände jährlich eine Million Euro, die Differenz kam aus Bundesmitteln beziehungsweise aus Überschüssen der Lotterie "Siegerchance". Im Vorjahr stieg der Anteil der Verbände auf 1,247 Millionen Euro an, und nun wird die Nada erstmals Verträge über einen Gesamtbeitrag von 1,5 Millionen Euro pro Jahr abschließen, wie sie auf Anfrage bestätigt.

"Das kann nicht die Lösung sein, sonst gibt es eine Revolution der Freizeitsportler."

Die Aufteilung der Summe unter den Verbänden ergibt sich aus einem komplizierten Schlüssel. Vereinfacht gesagt, ist die Zahl der Trainings- und Wettkampfkontrollen innerhalb eines Vierjahreszyklus (2013 - 2016) entscheidend. Der Schlüssel wurde von den Spitzenverbänden im Sommer nach heftigen Debatten abgesegnet; zuvor galt ein anderer Verteilmechanismus. Von daher gab es bei einigen Verbänden schon im Vorjahr erhebliche Veränderungen, die sich nun verschärfen.

Die Leichtathleten etwa sollten für 2017 noch einen Beitrag von zirka 140 000 Euro begleichen und liegen für 2019 bei zirka 245 000 Euro. Einige wenige Verbände stehen jetzt auch besser da als noch 2017, etwa die Radsportler, die statt fast 110 000 Euro nur noch zirka 90 000 Euro übernehmen sollen. Der Grund: Bei ihnen gab es in dem Zeitraum, der dem früheren Verteilungsschlüssel zugrunde lag, viel mehr Dopingtests als in den zurückliegenden Jahren.

Die Frage ist, wie die Verbände mit den neuen Forderungen umgehen. Schon im Vorjahr gab es nach der Erhöhung der Gesamtsumme auf 1,247 Millionen Euro viele Klagen. Bei den Kanuten führte das zwischendurch gar zu dem Gedanken, die Athleten selbst an den Kosten zu beteiligen. Der DOSB legte einen Härtefallfonds in Höhe von 50 000 Euro auf. Die Nada teilt mit, dass die Zahlungsmoral der Verbände "insgesamt sehr gut" gewesen sei. Aber: "Einzelne Verbände haben bislang ihren (erhöhten) Anteil nicht geleistet." Nur durch zusätzliche außerordentliche Mittel des Bundestags-Haushaltsausschusses sowie den DOSB-Fonds könnten Defizite "aller Voraussicht nach ausgeglichen werden".

Nach dem neuerlichen Anstieg der Summe auf nun 1,5 Millionen Euro verschärfen sich das Problem und die Proteste noch einmal. Der DOSB stellt nun einen Fonds in Höhe von 150 000 Euro in Aussicht. Wer davon wie profitieren kann, ist noch unklar. Zugleich fordern manche Verbände grundlegende Veränderungen bei der Finanzierung, weil sie den Nada-Anteil unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen erbringen müssen. "Das kann nicht die Lösung sein, denn sonst gibt es eine Revolution der Freizeitsportler in unserem Verband", sagt etwa Kanu-Präsident Thomas Konietzko. Er will die Summe zahlen, auch wenn es Mühe bereite. Aber er würde das Geld gern den Eigenmitteln zurechnen; das heißt, der Summe, die der Verband selbst aufbringen muss, um Zuschüsse vom Bund zu bekommen. So könnte es an anderer Stelle einen größeren finanziellen Spielraum geben.

© SZ vom 21.12.2018
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