Sportpolitik:Kritik im Kaisersaal

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DOSB-Präsident Alfons Hörmann attackiert die Unterstützer von eSport - und die Welt-Anti-Doping-Agentur, die wegen des Umgangs mit Russlands Doping-Causa tief in der Kritik steht. Bei anderen Organisationen hält Hörmann sich aber zurück.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Ab und an wehte gar ein bisschen Kritik am deutschen Sport durch den Kaisersaal im Frankfurter Römer, in den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Montag zum Neujahrsempfang geladen hatte. Aber wirklich nur ein bisschen. Etwa als der frühere Bundesinnenminister und jetzige DOSB-Ethikchef Thomas de Maizière warnte, der Sport dürfe "sich nicht selbst überhöhen"; der DOSB sage ja immer, er vertrete 27 Millionen Mitglieder, aber viele von denen wüssten das gar nicht. Oder auch, als die frühere Para-Schwimmerin Kirsten Bruhn darlegen sollte, was sie in ihrem Amt als persönliches DOSB-Mitglied so tue - und sie anmerkte, manchmal sei bei den Verbänden "etwas Staub auf die Dinge gefallen".

Die kritischsten Worte aber fielen, als DOSB-Chef Alfons Hörmann selbst am Pult stand. Nur waren die nicht nach innen adressiert, obwohl es dazu allerhand Ansätze gegeben hätte; sondern nach außen. Also monierte er etwa die schwankende Zuneigung mit den Handballern. Im Halbfinale hätte das deutsche Team noch so viele Unterstützer gehabt, aber im Moment der Trauer in Herning, nach dem verlorenen Bronze-Kampf, habe er jedem Tröster einzeln die Hand geben können und sei er in zwei Minuten fertig gewesen. Auch die Digital-Experten der Berliner Koalitionsparteien kamen dran. Deren Ziel ist es, den sogenannten eSport zu fördern und ihm eine olympische Perspektive zu verschaffen. Der DOSB lehnt das ab und hält ein eigenes Konzept dagegen. Es gebe halt die Autonomie des Sports, so Hörmann trotzig: "Die Digitalbeauftragte (Dorothee Bär) kann immer wieder festhalten: eSport ist Sport, Punkt. Wir formulieren: eSport existiert in dieser Form nicht, Ausrufezeichen!"

Am schärfsten aber formulierte er, als es um die Welt-Anti-Doping-Agentur ging, die aufgrund ihres Verhaltens in Russlands Staatsdoping-Causa stark in der Kritik steht. Bald wird ein Nachfolger für deren Präsidenten Craig Reedie gewählt. Und da wünscht Hörmann sich jemandem, "der im Laden Wada endlich sauber und klar aufräumt". Vieles von dem, "was in internationalen Sphären an fragwürdigen Entscheidungen" getroffen werde, sei "immer schwerer intern im DOSB zu erklären und zu verkaufen". Später bezeichnete er auf Nachfrage die norwegische Politikerin Linda Helleland, die zuletzt im Wada-Vorstand als eines von nur zwei Mitgliedern gegen die Wiederzulassung der russischen Anti-Doping-Agentur votierte, als "vielversprechende Kandidatin".

So viel Wada-Kritik klang gut. Zugleich lässt sich bei Hörmann schon seit einigen Jahren feststellen, dass die Wada die Organisation ist, bei der er markig formuliert - während er sich bei anderen zurückhält, etwa bei dem von Thomas Bach geführten Internationalen Olympischen Komitee. Obwohl dessen Verhalten in Russlands Doping-Affäre und im Anti-Doping-Kampf generell noch mehr Fragen aufwirft als das der Wada.

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