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Sportpolitik:Doping-Verdacht in England: "69 Namen und einige Berühmtheiten".

Vancouver 2010

Ist die britische Anti-Doping-Agentur Hinweisen nicht nachgegangen?

(Foto: dpa)

Die britische Anti-Doping-Agentur Ukad hat ein Problem: Sie bekam Infos von einem Whistleblower - und tat nichts. Insider spekulieren über weitere Enthüllungen.

Sie kann auch dienlich sein, die dunkle Wolke über den Dachorganen der Branche. Die Fußball-Verbände Fifa und Uefa liefern sich ein packendes Rennen zur Frage, wer schlimmere Schlag- zeilen produziert; in Hinblick auf Polizeirazzien hat die Europa-Union am Mittwoch auf 1:3 verkürzt. Auch die Geschäftsproblematik, um die sich alles dreht, verteilt sich nun auf beide Organisationen; dafür steht Gianni Infantino, der fast eine Dekade Uefa-Generalsekretär war und seit einigen Wochen Präsident der Fifa ist.

Viel Rauch und manch neues Feuer. Trotzdem muss der Fußballbetrieb die Entwicklung nicht beklagen. Sie lässt ja ein anderes heikles Thema, das zu Wochenbeginn den Weltsport erschütterte, völlig untergehen: Die Frage, wen der mutmaßliche britische Dopingarzt Mark Bonar behandelt haben könnte, der laut Undercover-Recherchen von ARD und Sunday Times unter rund 150 Klienten auch Fußballprofis behandelt haben soll. Die Frage, ob das stimmt, träfe die Branche viel markanter als das dubiose Treiben ihrer Anzugträger: Die Dopingfrage tangiert die letzten Wahrheiten auf dem Spielfeld.

Die Anti-Doping-Agentur blieb untätig, also ging Stevens zur Zeitung

Bonar hatte unter anderem den englischen Rad-Amateur Dan Stevens behandelt, berichten britische Medien. Stevens wurde positiv getestet und bot sich der britischen Anti-Doping-Agentur Ukad als Informant an, um seine Strafe zu reduzieren. Ukad blieb untätig, und Stevens ging zur Times, deren Reporter ab 2015, als Manager getarnt und mit einem Sportler als Lockvogel, dem Londoner Arzt nachspürten. Tatsächlich berichtet Bonar vor versteckter Kamera, dass er Athleten dope und etwa wegen Testosteronmangels behandele. Stevens erhielt das neben Epo und Wachstumshormon verschrieben, der Lockvogel der Reporter ebenso. Im Video erklärte Bonar: Wir behaupten einfach, sein Testosteron-Spiegel sei zu niedrig.

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Läuft es so? Im Fall Stevens und auch des Lockvogels ist belegt: Sie erhielten Rezepte, die in einer an Bonars Praxis angedockten Apotheke eingelöst werden konnten; wobei Bonar am Erlös der Dopingmittel beteiligt sei. Ist der Mann trotzdem nur ein Wichtigtuer, der beste Dopingkenntnisse und -systeme hat, aber nur diese zwei Klienten? Wofür dann sein Aufwand? Hoffte er, ein gesperrter Radamateur werde ihm scharenweise Athleten zuführen, darunter Helden der Kickerbranche?