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Sportmedizin:Schwere Herzprobleme

Ein neuer, massiver Dopingverdacht: In Zypern sollen mysteriöse Substanzen an Spieler verabreicht worden sein, teils intravenös, die in Zusammenhang mit einer Häufung von schweren Herzproblemen stehen könnten.

Ein neuer, massiver Dopingverdacht überschattet den internationalen Fußball. Die Spielergewerkschaft Fifpro schlägt Alarm, sie fordert offiziell Ermittlungen zur medizinischen Behandlung von Kickern, die bei mindestens vier Erstliga-Klubs in Zypern spielten. Dort seien, so heißt es in einem Fifpro-Statement, seit Beginn der Saison 2017/2018 mysteriöse Substanzen an Spieler verabreicht worden, teils intravenös, die in Zusammenhang mit einer Häufung von schweren Herzproblemen bei mindestens drei Profis stehen könnten. Der Appell erging an Zyperns Sportdachverbände sowie an den Europa-Verband Uefa.

Fifpro fordert die Fußballbehörden auf, zu ermitteln, was genau den drei Spielern verabreicht wurde, und herauszufinden, ob auch deren entsprechend behandelte Mitspieler in Gefahr sind. Eine in der Causa bewanderte Quelle sagte der SZ, es gehe womöglich um "Dutzende weitere Spieler". Auch Fifpro weist offiziell darauf hin, dass "einige der Spieler, die in der vergangenen Saison bei den vier Fußballklubs spielten, Zypern inzwischen verlassen haben, um ihre Karriere anderswo fortzusetzen".

Nach SZ-Recherchen war im Juli 2018 erstmals ein schwerwiegendes Herzproblem bei einem Erstliga-Spieler festgestellt worden. Da die diagnostizierte Kardiomyopathie (Funktionsstörungen des Herzmuskels) erblich bedingt sein kann, wurden auch die Familienangehörigen des Profis untersucht. Tatsächlich soll sich die Herzerkrankung bei einem Bruder des Spielers gefunden haben - der ebenfalls als Erstliga-Profi tätig ist, jedoch bei einem anderen Verein. Zudem fand sich im Klub des ersten Erkrankten ein weiterer Kollege mit diesen Problemen. Alle drei dürfen auf ärztliche Order hin nicht spielen. Die Fifpro, die rund 60 000 Profis weltweit vertritt, und Zyperns Spielervereinigung PASP unterstützen das Trio medizinisch und finanziell.

Die Staatsanwaltschaft Larnaka ermittelt. In den Blickpunkt rückt ein sportmedizinisches Institut, erfuhr die SZ aus mit den Untersuchungen vertrauten Kreisen. Ein Sportwissenschaftler der Einrichtung soll bei diversen Erstligaklubs die mysteriöse Substanz verabreicht haben. Laut Aussage betroffener Profis soll die Applikationen aber nicht auf ihre Nachfragen hin, sondern auf Anweisung der Klubs erfolgt sein: zu Erholungszwecken.

In jüngerer Vergangenheit gab es einigen Wirbel um die Aktivitäten eines Sportwissenschaftlers, der mittlerweile auch in Griechenland tätig sein und sogar Drähte in Frankreichs Top-Liga haben soll. Ob der Mann eine ärztliche Berechtigung besitzt, um Sportlern bestimmte Substanzen zu injizieren, ist ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Sollte die Untersuchung eine Verbindung zwischen den angeblich mit Druck erfolgten medikamentösen Applikationen und den schweren Herzerkrankungen ergeben, müsste eine weitere Merkwürdigkeit in den Fokus rücken. Einer der Klubs, bei dem nach SZ-Informationen zwei Erkrankungen vorliegen sollen, hat in den vergangenen Jahren einen Durchmarsch aus den unteren Divisionen bis in Zyperns erste Liga hingelegt.

Zyperns Fußballbetrieb zählt zu den hartnäckigen Problemfällen unter Europas kleineren Ligen. Erst kürzlich war aufgeflogen, wie sich Schiedsrichter und als Referees getarnte Spieler in den Jahren 2016 bis 2018 bei Test-Partien außerhalb des Saisonbetriebs ein Zubrot verdient hatten: über manipulierte Spielergebnisse, die ihnen nach Untersuchungsstand von der Agentur eines chinesischen Fußballinvestors vorgegeben worden waren.

© SZ vom 01.12.2018
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