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Sportler in mehreren Disziplinen:Abenteuer in fremden Sportarten

Der bestbezahlte NBA-Profi spielt plötzlich Golf, Milan-Ikone Maldini ist nun Tennisspieler und Tim Wiese verkloppt seine Gegner: Diese Sportler haben mehr als nur ein Talent.

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Paolo Maldini: Fußballer beim Tennis

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Quelle: AFP

Paolo Maldini gehörte schon als Teenager zu den besten Fußballern seiner Zeit, später verhalf sein eleganter Verteidigungsstil dem AC Mailand zu fünf Champions-League-Titeln. Doch wie trist wäre es um den Sportsgeist der Milan-Ikone bestellt, wenn sein Durst nach sportlichem Erfolg damit bereits gestillt wäre? Mit 49 Jahren hat der Italiener deswegen zum Tennisspieler umgeschult - und trat Ende Juni beim ATP-Challenger-Turnier von Mailand an.

Vor seinem Auftritt auf dem Tennisplatz hatte Maldini mehr Bammel als er vor irgendeinem seiner unzähligen Kicks: "Ich freue mich auf dieses neue Abenteuer, ich bin aber auch richtig aufgeregt", sagte Maldini, der gemeinsam mit seinem Trainer Stefano Landonio im Doppelwettbewerb aufgeschlagen hat. Das Duo, das es gemeinsam auf stolze 95 Lebensjahre bringt, hatte sich den Start bei den Milan Open redlich verdient, mit einem Sieg bei einem Qualifikationsturnier. Und es passt zu Maldini und seinem unbändigen Ehrgeiz, dass dieses Abenteuer keineswegs zu einer Witz-Veranstaltung werden sollte. Naja: Nach einem sang- und klanglosen 1:6, 1:6-Erstrundenaus war das Turnier für ihn nach nur einer Stunde wieder beendet.

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Stephen Curry: Basketballer beim Golf

Stephen Curry

Quelle: AP

Geldsorgen dürften Stephen Curry nicht aufs Putting Green getrieben haben: Der zweimalige NBA-Champion von den Golden State Warriors unterschrieb jüngst einen 201 Millionen US-Dollar schweren Vertrag - und wird somit der erste Basketballspieler, der mehr als 40 Millionen an reinem Jahresgehalt kassiert.

Dass beim Golf auch viel Geld zu holen ist, dürfte ihm also herzlich egal sein. Aus rein sportlichen Gründen ist Curry selbst ein passionierter Golfer, verbringt viele Stunden des freien Sommers auf den weitläufigen Anlagen Kaliforniens und feilt an seinem Lochspiel. Sogar so gut, dass man in der Profiszene auf ihn - oder seine PR-Strahlkraft - aufmerksam wurde: Der Basketballer tritt auf Einladung der Veranstalter Anfang August beim Elli Mae Classic in Haywardan an. Es sei eine Ehre dort zu spielen, twitterte Curry, obwohl das Turnier nur zur zweitklassigen web.com-Tour angehört. Mit einem Handicap von 1,2 sollte Curry zumindest einen allzu blamablen Auftritt auf dem Grün verhindern können.

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Sven Hannawald: Skispringer beim Motorsport

Hannawald freut sich auf erste Motorsport-Saison

Quelle: dpa

Vielleicht hat Sven Hannawald die Lust am Risiko vermisst: Nach seinem Karriereende als Skispringer im Jahr 2005 begann Hannawald, erste Gastspiele als Rennfahrer zu bestreiten - bei der Seat Leon Supercopa 2005 etwa, oder dem Porsche GT3 Cup 2009. Und weil er sich dabei gar nicht mal ungeschickt anstellte, bekam der Sieger der Vier-Schanzen-Tourne 2002 im Folgejahr seine erste Festanstellung als Rennfahrer beim ADAC GT Masters. Weil er offenbar nicht nur das Risiko vermisste, sondern offenbar auch die Siegerehrungen, fuhr er an den ersten drei Rennwochenenden gleich zweimal aufs Treppchen. Ein Trend ließ sich jedoch nicht erkennen: In seiner zweiten Saison reichte es nur noch zu Platz 30 der Gesamtwertung, 2015 zog sich der heute 42-Jährige vollkommen aus dem Motorsport zurück.

Dem Hang zur beruflichen Veränderungen blieb Hannawald auch nach Ende seiner Motorsportkarriere treu und gründete eine Unternehmensberatung. Im vergangenen Winter kehrte er schließlich zurück auf die Skisprung-Tournee - diesmal saß er jedoch hinter der Scheibe der Kommentatorenkabine.

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Adam Malysz: Skispringer beim Motorsport

Adam Malysz

Quelle: dpa

Adam Malysz verfügt über ein beneidenswertes Selbstvertrauen: "Ich bin eine polnische Skisprung-Legende", schreibt der 39-Jährige auf seiner Webseite und hat damit gar nicht unrecht. Genau wie Sven Hannawald konnte er einmal die Vier-Schanzen-Tournee gewinnen, und auch das Interesse am Motorsport scheint er sich von seinem damaligen Widersacher aus Deutschland abgeschaut zu haben. Nach seinem Skisprung-Karriereende 2010 schulte er zum Rallye-Fahrer um und ging 2012 erstmals bei der berühmten Rallye Dakar an den Start. Und tatsächlich: An Position 38 schleppte er sich über die Ziellinie.

Für den viermaligen Skisprung-Weltcup-Gesamtsieger war das natürlich viel zu wenig: 2013 erreichte er bereits einen sehr respektablen 15. Platz, 2014 folgte eine erneute Verbesserung auf Rang 13. 2015 schließlich sollte endlich die ersehnte Podestplatzierung folgen, und Malysz tat alles Menschenmögliche dafür, bis sein Auto 30 Kilometer vor der Ziellinie in Flammen aufging. Eine kaputte Kupplung bei der Rallye Dakar 2016 beendete schließlich die Motorsportkarriere des Polen. Heute sitzt er in der Kommentatorenkabine beim Skisprung-Weltcup. Genau wie Hannawald eben.

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Michael Jordan: Basketballer beim Baseball

NBA CHICAGO BULLS GEGEN UTAH JAZZ

Quelle: DPA

Dass sich ein Sportler das Karriereende mit anderweitigen Auftritten versüßt, ist wenig schockierend - dass sich eine Legende am Zenit ihres Schaffens verabschiedet, um die Sportart zu wechseln, hingegen schon. Als Michael Jordan den Chicago Bulls 1993 den dritten NBA-Meistertitel in Serie sicherte, war er mit 30 Jahren im besten Dunking-Alter und weit entfernt vom Karriereende. Warum auch? Der Turnschuh-Botschafter war für Millionen von Fans Grund genug, den Fernseher einzuschalten, und trotzdem ist das Privatleben eines Sportlers manchmal wichtiger als das kommerzielle Interesse seines Arbeitgebers: Als sein Vater James Jordan 1993 ermordet wurde, erklärte Michael sein Karriereende.

Weil es der Wunsch seines Vaters gewesen sei, beschloss Michael Jordan daraufhin, Profi-Baseballspieler zu werden. Ein paar Jahre lang spielte er mit überschaubarem Erfolg bei den Birmingham Barons, einem unterklassigen Team, bis der Spielbetrieb 1995 wegen eines Spielerstreiks zum Erliegen kam. Die perfekte Gelegenheit für eine Rückkehr zum Basketball: Mit den Chicago Bulls gewann er drei weitere NBA-Titel. In Serie, versteht sich.

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Fabien Barthez: Fußballer beim Motorsport

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Quelle: AFP

Fabien Barthez (rechts) ist so etwas wie der Oliver Kahn Frankreichs: Torwart mit übermenschlichen Reflexen, Champions-League-Sieger, Gesicht der Nationalmannschaft, angsteinflößender Strafraumbeherrscher - eine echte Type eben. Während Kahn den Bayern jedoch in 429 Spielen über 14 Jahre lang die Treue hielt, machte sich Barthez als wandernder Tormann einen Namen: 142 Spiele für Marseille, dann 143 für Monaco und 92 für Manchester United. Sein fahrerisches Talent ist deshalb wohl der Laufleistung seines Umzugswagens geschuldet - die Karriere als Rennfahrer ist da nur die logische Konsequenz.

Seit seinem Debüt beim Porsche Carrera Cup fährt Barthez regelmäßig in Autorennen mit und sicherte sich sogar einen Startplatz im berühmten 24-Stunden-Rennen von Le Mans: 2014 wurde er dort 27., 2016 belegte er immerhin Rang 12. 2017 schied sein Auto nach einem Unfall aus. Der Coupé-Prototyp ist aber auch schwerer zu handlen als der Umzugswagen.

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Manfred Burgsmüller: Fußballer beim Football

MANFRED BURGSMÜLLER

Quelle: DPA/DPAWEB

Beim American Football müssen die Sportler - wie beim Fußball - ab und an kicken. Und weil das Kicken von Bällen bei Borussia Dortmund zu Burgsmüllers Expertise zählte, war es also gar nicht so abwegig, dass der Bundesliga-Profi sich nach seinem Karriereende noch sechs Jahre lang beim Team der Rhein Fire in der NFL Europe versuchte. Zweimal gewann er den World Bowl, zwei weitere Male erreichte er das Finale. Statt mit Typen in kurzen Hosen stritt er sich nun also mit gut gepolsterten Muskelmännern um den Ball. Der war nun allerdings eiförmig.

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Ivan Lendl: Tennisspieler beim Golf

Previews: The Championships - Wimbledon 2017

Quelle: Getty Images

Ivan Lendl gilt nicht umsonst als einer der besten Tennisspieler aller Zeiten: 270 Wochen lang prangte er an Rang eins der Weltrangliste, seine 94 Turniersiege toppen noch immer die 92 von Roger Federer. Mit seinem harten, vorhandlastigen Spiel revolutionierte er zudem das moderne Tennis und sezierte seine Gegner von der Grundlinie wie ein Gentlemankiller. Vielleicht ist Lendl auch deshalb für eine weitere präzisionsbasierte Sportart prädestiniert: Mit einem Handicap von null ist der Amerikaner ein ebenso exzellenter Golfspieler.

Gebrauch davon macht er beispielsweise auf der Celebrity-Golf-Tour, auf der ihm bereits ein Sieg gelang, Teilnahmen bei mehreren Halbprofi-Turnieren untermauerten sein Können auf dem Putting Green. Dass er jetzt im Alter von 57 auf einmal auf Rasen brilliert, ist auch irgendwie erstaunlich: Ausgerechnet das Rasenturnier von Wimbledon ist der einzige Grand Slam, den er nie für sich entscheiden konnte.

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Tim Wiese: Fußballer beim Wrestling

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Quelle: Christof Stache/AFP

Tim Wiese ist zurück in der Champions League - auch, wenn es diesmal die "Champions League des Wrestlings" ist. So nannte Wiese den Wrestling-Konzern WWE, der neben Nahkampf-Ikonen wie Dwayne "The Rock" Johnson und John Cena nun auch den ehemaligen Bundesliga-Torwart unter Vertrag hat. In einer Muckibude in Florida bereitete sich der 35-Jährige akribisch auf sein Debüt im Ring vor, das im Dezember 2016 in der Münchner Olympiahalle tatsächlich stattfand.

Da es sich beim WWE-Wrestling weniger um Sport im herkömmlichen Sinne, als viel mehr um gescriptete Unterhaltung handelt, spendierten die Verantwortlichen dem deutschen Lokalmatador einen Sieg zum Einstand. Beim Kampf gegen seine etablierten Widersacher verschonte "The Machine" auch den Schiedsrichter nicht und stand nach dem Triumph mit erhobenen Fäusten auf den Seilen. War das nur ein kurzes Intermezzo oder der Beginn einer zweiten Karriere? "Ich habe richtig Lust darauf", sagte Wiese nach der Show. "Die Maschine ist da, um zu zerstören."

© Süddeutsche.de/dti

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