Sportler des Jahres Doppelter Hambüchen

Der Reck-Olympiasieger von Rio hat in seiner Karriere Titel und Rekorde gesammelt und dabei seiner Sportart zum Aufschwung verholfen.

Von Volker Kreisl

In dem Jahr, als Fabian Hambüchen zum ersten Mal Sportler des Jahres wurde, war er in Stuttgart Reck-Weltmeister geworden. Dieser Turnhallensport war an jenem Sonntagnachmittag im September 2007 für einen Moment wieder richtig im Zentrum des deutschen Sportinteresses gestanden, auch weil Hambüchen als letzter von acht Turnern ans Reck trat, was die Zuschauer - seit langem mal wieder live dabei - auf die Folter spannte. 2016, in dem Jahr, in dem er zum zweiten Mal Sportler des Jahres wurde, wurde Hambüchen Olympiasieger. Sportlerehrungen verkürzen Sportlerleistungen oft auf einen einzigen Triumph, die Geschichte Hambüchens ist aber vielfältiger.

Im Grunde gab es zwei Versionen dieses Athleten. Der Sport-Hambüchen war über das Herumturnen im Apfelbaum zu Hause in Wetzlar, über das Zuschauen und Mitmachen bei seinem Vater, dem Landestrainer Wolfgang Hambüchen, über erste europäische Jugendsiege, den Kraftaufbau nach dem Erwachsenwerden und die Lust am Fliegen, zum 40-maligen deutschen Meister, siebenmaligen Europameister, neunmaligen WM- und dreimaligen Olympia-Medaillengewinner geworden. Der Verbands-Hambüchen hat viel vom Deutschen Turnerbund profitiert, aber umgekehrt seinem Sport hierzulande erst die Olympia-Teilnahme 2004, dann Aufmerksamkeit, Zuschauer, Fördergelder und Planungssicherheit verschafft. Ohne ihn hätte das Turnen den Aufschwung der vergangenen zehn Jahre nicht genommen.

August, Rio de Janeiro: Turner Fabian Hambüchen wird am Reck Olympiasieger.

(Foto: Mike Blake/Reuters)

Es kam dabei auch zu Reibereien, weil Hambüchen irgendwann Alleingänge machte, auf eigenes Üben in Wetzlar Wert legte, und nach seinem Bänderriss 2009 mehr im Training und weniger auf der Bühne stand. Und je länger die Karriere dauerte, desto mehr wurde das Turnen zur Einteilung von Zeit und am Ende zum Wettlauf mit dieser. Studium, Training, Wettkämpfe, Regeneration mussten abgeglichen werden.

Sechs Monate vor dem internationalen Karriereende, im März 2016, verletzte sich Hambüchen bei einem Hangelement im Training an der Schulter, erst acht Wochen vor seinem letzten großen Reckauftritt konnte er wieder vernünftig trainieren. Fabian Hambüchen und sein Verband brachten viel Geduld auf. Die hat sich gelohnt.