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Sportgerichtshof gegen Radsport-Profi:Cas spricht Jan Ullrich wegen Dopings schuldig

Der Internationale Sportgerichtshof Cas urteilt gegen Jan Ullrich: Die Richter erachten eine Verstrickung des früheren Radsport-Profis in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes für erwiesen. Sie sperren Ullrich für zwei Jahre und erkennen ihm alle seine Ergebnisse seit Mai 2005 ab. Darunter ein dritter Platz bei der Tour de France. Sein Manager kündigt nun eine Stellungnahme an.

Jan Ullrich kam am Mittwoch zu einem Sponsorentermin nach Bielefeld. Er trat eine Verbindung mit der Pharma- und Kosmetikunternehmensgruppe Dr. Wolff (Alpecin) ein, die Firma aus Ostwestfalen engagiert sich im Amateur-Radsport und veranstaltet in Bielefeld auch ein Rennen. Dass der Konzern seine bekannten Shampoos nun ausgerechnet mit dem Slogan "Doping für die Haare" bewirbt, wirkt in diesen Tagen fast grotesk.

Das Thema Doping verfolgt Jan Ullrich seit Jahren hartnäckig. So hartnäckig, dass der frühere Radsport-Profi in Bielefeld diesen Donnerstag einen "Glückstag" nannte. Da kündigte der Internationale Sportgerichtshof Cas das Urteil in seinem Fall an. "Ich bin froh, dass das Urteil nun endlich kommt", sagte er in Bielefeld.

Gegen 11.15 Uhr kam die Meldung aus Lausanne: Der Cas spricht Jan Ullrich schuldig, gegen die Dopingregeln verstoßen zu haben. Daraus folgt, dass Ullrich eine Zweijahres-Sperre erhält, rückwirkend vom 22. August 2011 an und dass all seine Ergebnisse seit Mai 2005 gelöscht werden. Darunter sein dritter Platz bei der Tour de France 2005, ebenso den Sieg bei der Tour de Suisse 2006.

Wie die Richter am Donnerstag in Lausanne mitteilten, sei eine Verstrickung Ullrichs in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes bewiesen. Einen Antrag des Rad-Weltverbands UCI, Ullrich lebenslang für alle Aktivitäten im Radsport zu sperren, wies der CAS ab.

"Ich hoffe auf ein faires Urteil"

2006 waren bei Fuentes unter anderem Blutbeutel sichergestellt worden, die per DNA-Abgleich Ullrich zugeordnet wurden. Das Bundeskriminalamt hatte außerdem wegen Geldzahlungen in Höhe von 80.000 Euro ermittelt. Im zivilrechtlichen Verfahren hatte Ullrich mit der Staatsanwaltschaft Bonn gegen Zahlung von 250.000 Euro eine Einstellung der Ermittlungen erwirkt.

Sportjuristisch war es nie zu einem Urteil gekommen, nachdem die Disziplinarkammer des Olympischen Komitees der Schweiz die Angelegenheit wegen fehlender Zuständigkeit im Februar 2010 zu den Akten gelegt hatte. Dagegen klagte unter anderem der Rad-Weltverband UCI. "Egal, wie es ausgeht: Ich hoffe auf ein faires Urteil", hatte Ullrich am Mittwoch in Bielefeld gesagt.

Jan Ullrich gehört zu den populästen Sportlern des Landes. Als bislang einziger Deutscher gewann er 1997 die Tour de France, der Rummel um den Rostocker danach ist höchstens vergleichbar mit der Wirkung des ersten Wimbledon-Sieges eines Deutschen 1985 durch Boris Becker.

Anschließend kam er noch fünfmal auf den zweiten Platz beim wichtigsten Radrennen der Welt, meist geschlagen von Lance Armstrong, mit dem er sich jedoch teilweise packende Duelle in den Bergen Frankreichs lieferte. Er hatte zu jener Zeit wohl mehr Fans als jeder andere deutsche Sportler.

Den ersten Kratzer erhielt das glänzende Image im Mai 2002. Mit einem Porsche lieferte er eine Irrfahrt, als er vor dem Freiburger Bahnhof einen Fahrradständer rammte und danach Fahrerflucht beging. Es folgte ein positiver Doping-Test auf Amphetamine, der mit einer auf sechs Monate reduzierten Sperre endete.

Suspendierung einen Tag vor der Tour 2006

Am 30. Juni 2006 allerdings zerbrach die Ullrich-Welt endgültig. Einen Tag vor seiner neunten Tour-Teilnahme wurde der Rad-Profi zusammen mit einigen anderen Profis von seinem T-Mobile-Team suspendiert. Grund: Mögliche Verwicklungen in den spanischen Doping-Skandal um den Gynäkologen und mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes.

Mit der Formulierung "Ich habe nie jemanden betrogen" bestritt Ullrich Doping stets. Selbst als bekannt wurde, dass ein DNA-Abgleich bewies, dass sein Blut beim Mediziner Fuentes in Spanien lagerte, äußerte er sich nicht mehr. Stattdessen führt er etwa einen jahrelangen Prozess gegen den Molekular-Biologen und Doping-Forscher Werner Franke, weil dieser behauptete, Ullrich habe an Fuentes Geld für Doping bezahlt.

Jetzt berichtete Ullrich von einer schweren Zeit. "Ich habe sechs Jahre auf das Urteil gewartet", sagte er. "Ich habe sehr viel leiden müssen, bis hin zum Burnout. Das ist eine langwierige Geschichte, die mit dem Urteil für mich abgeschlossen ist. Der Urteilsspruch wird nichts an meiner Zukunft ändern."

Der 38-Jährige kündigte zudem eine Erklärung an. Nach dem Urteil könne er "noch einmal Stellung nehmen. Und dann hak' ich das Thema ein für allemal ab." Er gab auch Fehler in der Vergangenheit zu: "Mit Fehler meine ich, dass ich vielleicht früher hätte etwas sagen müssen", unterstrich er. "Das wird sich alles aufklären." Sein Manager Falk Nier kündigte eine Stellungnahme für Donnerstagabend oder Freitagmorgen an.

Reaktionen zum Ullrich-Urteil

"Ich lache mich kaputt"