Sport und Moral:Geschäfte machen mit der Illusion

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FC Bayern München  - Trainingslager

Freundschaftsspiel mit Folgen: FC-Bayern-Trainer Pep Guardiola im Trainingslager

(Foto: dpa)

Muss sich der Sport moralischer verhalten als Unternehmen und die Politik? Juristisch darf der FC Bayern natürlich gegen einen Klub aus Saudi-Arabien auflaufen - doch Sport ist mehr als das Verkaufen von Produkten. Er ist mit dem Guten verbunden.

Ein Kommentar von René Hofmann

Der FC Bayern hat in seiner Geschichte schon viele Freundschaftsspiele bestritten. Aber kaum eines blieb tagelang in den Nachrichten und lieferte dann immer noch neue Schlagzeilen - nicht nur in Deutschland. Am vergangenen Samstag lief der deutsche Rekordmeister auf dem Heimweg von seinem Trainingslager in Katar in Riad zu einem Testspiel gegen den saudi-arabischen Rekordmeister Al-Hilal auf. Kurt Landauer, der einstige Präsident des Vereins, der 2013 posthum zum Ehrenpräsident erhoben wurde, hätte das Spiel nicht verfolgen dürfen. Saudi-Arabien verweigert Juden die Einreise. Frauen - egal welcher Religion - dürfen dort gar keine Sportveranstaltung besuchen. In der absoluten Monarchie sind die Menschenrechte generell stark eingeschränkt, um es so abstrakt und nüchtern wie möglich zu sagen. Von den Bayern war zu all dem zunächst nichts Kritisches zu vernehmen. Erst Mitte der Woche räumte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge schriftlich ein, dies sei ein Fehler gewesen.

Der FC Bayern wird für etwas kritisiert, was viele Firmen tun

Der Auftritt bot so den Anlass zu einer tief greifenden Debatte, mit der sich der Sport immer wieder konfrontiert sieht: Wie hält er es eigentlich mit der Moral? Die Ankläger waren schnell zur Stelle. Geht gar nicht!, hieß es in Internet-Foren, Zeitungs-Kommentaren und sogar in sozialen Netzwerken, in denen sich Bayern-Fans bewegen. Die Widerrede aber folgte ebenso: Wieso soll man ein paar Fußballer für etwas kritisieren, was Unternehmen selbstverständlich zugestanden wird und was Politiker genauso tun - enge Beziehungen pflegen und versuchen, daraus Vorteile zu ziehen?

Juristisch ist der Fall eindeutig. Natürlich durften die Bayern in Riad auflaufen. Aber beim Sport geht es eben um mehr als nur das Einhalten von Regeln. Im Sport schwingt immer auch viel Symbolisches mit. Das Prinzip der Fairness. Der Gedanke, dass er im Grunde ein Spiel ist. Und dass bei einem Spiel keiner ausgeschlossen bleiben sollte. In Deutschland ist das Vereinswesen besonders stark ausgeprägt, in ihm schwingt der Gedanke des Mit- und Zusammentuns mit. Die Klubs waren lange eben keine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Organisationen. Im Gegenteil. Sie waren explizit der Gemeinnützigkeit verpflichtet, sie mussten Gutes tun.

IOC-Chef Thomas Bach will die Rechte der Frauen stärken

Seit der Professionalisierung des Sportbetriebes hat sich daran vieles geändert. Heute sind Fußballvereine tatsächlich wie Firmen organisiert, tragen die Kürzel GmbH oder AG hinter dem Namen. Beim Betrachter aber hallt die Tradition nach. Es bleibt der Wunsch, die Farben seiner Mannschaft mögen für mehr stehen als bloß für Werbung für irgendein Produkt. Die Anbieter kennen diese Sehnsucht, sie bedienen sich ihrer ja bei jeder Gelegenheit - weil sie wissen, dass genau darin das Besondere ihres Geschäftsmodells liegt. Bei jeder Eintrittskarte und jedem Trikot wird die Illusion, einen Ausschnitt aus einer Gemeinschaft stiftenden Welt zu bieten, als saftiger Aufschlag eingepreist.

Das beste Beispiel dafür ist das Internationale Olympische Komitee (IOC). Es hat die Vorgabe, ein Spielplatz frei von jeglicher Diskriminierung zu sein, sogar explizit in seiner Charta stehen. Und das ist keineswegs als Ziel formuliert, das irgendwann einmal erreicht werden soll, sondern als Wert, mit dem geworben wird. Erst in dieser Woche hat IOC-Präsident Thomas Bach beim Weltwirtschaftsforum explizit klargestellt, dass Länder, in denen Frauen der Zugang zum Sport verwehrt wird, keine Chance mit einer Olympiabewerbung hätten.

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