Sport und Justiz:Absetzung droht

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Sport und Justiz: Muss sein Amt aufgeben: Bundesanwalt Michael Lauber.

Muss sein Amt aufgeben: Bundesanwalt Michael Lauber.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Wegen seiner geheimen Treffen mit dem Fifa-Chef Infantino ist der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber umstritten. Nun will ihn eine Kommission seines Amtes entheben.

Von Thomas Kistner, Bern/München

Showdown in der Schweizer Justiz-Affäre um den Chefankläger Michael Lauber: Am Mittwoch wurde der Berner Bundesanwalt von der parlamentarischen Gerichtskommission einvernommen. Zu überzeugen wusste er dabei nicht, am Ende der Sitzung wurde beschlossen, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Es ist das erste überhaupt gegen einen amtierenden Bundesanwalt.

Die Entscheidung fiel deutlich aus, mit 13:4 Stimmen, obwohl Kommissionschef Andrea Caroni von der freiheitlichen FDP noch zu Laubers letzten Parteigängern gezählt wird. Pikant: Just die FDP, die im Herbst wesentlich zu Laubers knapper, höchst umstrittener Wiederwahl beigetragen hatte, fordert den Bundesanwalt nun unverblümt zum Rücktritt auf. Am Mittwochabend teilte sie mit, Lauber solle "zum Schutze der Institutionen entsprechende Konsequenzen" ziehen - am Chefstuhl festkleben war damit nicht gemeint.

Das aber dürfte der Mann tun, der mit Gianni Infantino, dem Boss des Fußball-Weltverbandes Fifa, so geheime Treffen abgehalten hatte, dass sich an eines davon, im Juni 2017, kein Beteiligter mehr erinnern mag. Vielleicht könnte sich da eine Anfrage bei den Informationsbeschaffern in der Botschaft von Katar lohnen - die grenzt zufällig an die Wand jenes Sitzungsraums, den Laubers Bundesanwaltschaft (BA) für das Treffen mit Infantino gewählt hatte.

Derlei Vertrauensbrüche führten schon zu Laubers Suspendierung von Fußballverfahren der eigenen Behörde; zu befürchten ist, dass diese bald reihenweise platzen werden. Den Anfang machte Ende April bereits der Sommermärchen-Prozess gegen frühere deutsche Fußball-Funktionäre wegen dubioser Zahlungen im Rahmen der WM 2006. Lauber bestreitet sämtliche Vorwürfe, dass er seine Amtspflichten verletzt und Unwahrheiten gesagt habe.

Auch andere Bundesfraktionen stehen Lauber kritisch gegenüber, die Fallhöhe geben aber die nun abrückenden Unterstützer von einst vor. Ausdrücklich begrüßt die FDP das Amtsenthebungsverfahren: Alles sei "rechtsstaatlich einwandfrei" zu prüfen; die Glaubwürdigkeit der BA habe ja sehr gelitten. Das führt zu einem neuen Kuriosum: dass der schwer angezählte Lauber vorerst weiter im Amt bleibt. Experten wie der Basler Strafrechtler Mark Pieth fordern längst dessen Beurlaubung und die Einsetzung eines externen Interims-Bundesanwalts: Der solle "den ganzen Laden aufräumen".

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