Sport kompakt:Wieder Unruhe um Ullrich

Neue Doping-Indizien gegen den früheren Rad-Profi, Anni Friesinger-Postma verpatzt Saisonstart, Hooligans verbreiten Schrecken in Gütersloh.

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Für Jan Ullrichs Verbindung zu den spanischen Dopingärzten Eufemiano Fuentes und Merino Batres gibt es offenbar weitere Hinweise. Das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, dass das Bundeskriminalamt (BKA) 2006 eine CD mit Telefonnummern im Schweizer Haus von Ullrich gefunden habe. Fuentes firmiert dort unter dem Pseudonym Asterix, Batres unter Obelix. Der ehemalige Radprofi Jörg Jaksche hatte laut dem Focus-Bericht beim BKA ausgesagt, dass die beiden Ärzte als Gallier-Duo tituliert wurden. Jaksche hatte 2007 ein umfassendes Geständnis über seine eigene Dopingvergangenheit abgelegt. Bereits Mitte Oktober hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet, dass nach BKA-Ermittlungen Ullrich zwischen 2003 und 2006 24-mal zur Behandlung bei Fuentes war. Ullrich, der Doping stets bestritten hat, schwieg gegenüber der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen.

Sport kompakt: Ob um den früheren Rad-Helden Jan Ullrich einmal Ruhe einkehren wird?

Ob um den früheren Rad-Helden Jan Ullrich einmal Ruhe einkehren wird?

(Foto: Foto: dpa)

"Schlecht gespielt, raus, neuer Mann." (Frankfurts Trainer Michael Skibbe nach dem 0:4 bei Bayer Leverkusen auf die Frage, was er sich bei der Auswechslung von Caio in der 22. Minute gedacht habe.)

Der Weltcup-Auftakt in Berlin geriet für die zweimalige Eisschnelllauf Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma zur Enttäuschung. Mit Platz 15 über 1000 m (1:17,84 Minuten) erzielte die 32-Jährige ihr bislang schlechtestes Weltcup-Ergebnis über 1000 m und verpasste beim Sieg der Kanadierin Christine Nesbitt (1:15,41) die vorzeitige Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Vancouver (12. bis 28. Februar). Monique Angermüller (1:16,84) hingegen löste mit Platz sieben das Olympia-Ticket. Auch Sprint-Weltmeisterin Jenny Wolf musste einen Dämpfer hinnehmen. Die Lokalmatadorin musste sich über 500 in 38,04 Sekunden ihrer Dauer-Rivalin Wang Beixing (China) geschlagen geben, die in 37,85 knapp über Wolfs Bahnrekord (37,75) geblieben war.

Nach dem Ausfall von Nationaltorhüter Rene Adler wird Bundestrainer Joachim Löw keinen Schlussmann für die Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste nachnominieren. Damit ist auch eine Rückkehr des zuletzt wegen einer Erkrankung pausierenden Robert Enke vom Tisch. Der Leverkusener Adler sagte seine Teilnahme an den Länderspielen am 14. November in Köln und vier Tage später in Gelsenkirchen wegen einer Hornhautentzündung im Auge ab.

186 Tage nach dem WM-Debakel von Bern hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft einen ersten Schritt aus der Krise gemacht. Mit einer Energieleistung holte das Team von Bundestrainer Uwe Krupp zum Auftakt des 20. Deutschland-Cups in München gegen die USA einen 0:2-Rückstand auf, verpasste dann aber nach Penaltyschießen mit 2:3 knapp einen erfolgreichen Start in die Olympia-Saison. Kai Hospelt vom Pokalsieger EHC Wolfsburg und Travis Mulock vom deutschen Meister Eisbären Berlin erzielten die Tore.

Portugal hat den Streit mit Real Madrid um den verletzten Weltklasse-Fußballer Cristiano Ronaldo verschärft. Nationaltrainer Carlos Queiroz kündigte an, dass er den Profi des spanischen Rekordmeisters trotz einer Knöchelverletzung in das Aufgebot der "Selecção" für die Spiele um die WM-Relegation berufen werde. "Ich werde Ronaldo nominieren und hoffe darauf, dass er uns helfen kann, und wenn es nur für ein paar Minuten sein wird", sagte der Coach nach Medienberichten. Portugal spielt am 14. und 18. November gegen Bosnien-Herzegowina um das Ticket zur WM 2010 in Südafrika. Der Coach war 2004 als Trainer bei Real Madrid gescheitert und nach zehnmonatiger Amtszeit entlassen worden. Die "Königlichen" bestehen darauf, dass der teuerste Fußballer der Welt unter keinen Umständen in der Relegation eingesetzt werden könne. Sie verweisen auf ein Gutachten des renommierten Mediziners Nicolaas van Dijk. Der Niederländer hatte dem Stürmer empfohlen, wenigstens für weitere zwei Wochen zu pausieren.

Vor einem Fußballspiel in Gütersloh ist es am Freitagabend zu Ausschreitungen gekommen. Vor dem Aufeinandertreffen der Westfalenliga-Mannschaften FC Gütersloh und SV Lippstadt 08 randalierte eine Gruppe maskierter Hooligans in der Stadt, teilte die Polizei am Samstag mit. Sie zerschlugen die Scheiben eines Busses und zündeten bengalische Feuer in Vorgärten. Bei einer Schlägerei mit anderen Fans wurden fünf Menschen leicht verletzt. Um weitere Krawalle zu verhindern, zog die Polizei zusätzliche Einsatzkräfte aus angrenzenden Landkreisen zusammen. Nach dem Spiel, das nach Polizeiangaben ruhig verlief, nahmen die Beamten fünf Menschen in Gewahrsam.

Basketball-Profi Kobe Bryant hat als jüngster Spieler in der Geschichte der nordamerikanischen Profiliga NBA den Meilenstein von 24 000 Punkten erreicht. Der 31-Jährige führte Titelverteidiger Los Angeles Lakers am Freitagabend (Ortszeit) mit 41 Punkten zu einem ungefährdeten 114:98 über die Memphis Grizzlies. Bryant löste in der Rekordliste damit den legendären Wilt Chamberlain ab, der 38 Tage älter war, als ihm dieses Kunststück gelungen war.

Die deutsche Shorttrack-Staffel der Herren steuert auf Olympia-Kurs, die Chancen der Damen sind stark gesunken. Beim ersten von zwei für die Olympia-Qualifikation entscheidenden Weltcups in Montreal erreichten die Herren am Freitag (Ortszeit) das Halbfinale und damit ihr Minimalziel. Dagegen erhielten die Hoffnungen der Damen auf einen Start in Vancouver durch eine Disqualifikation einen argen Dämpfer. Sie bekommen damit null Punkte und müssen nun in einer Woche in Marquette in den USA sehr weit vorn landen, um noch ein Vancouver-Ticket lösen zu können. Die Dresdner Paul Herrmann, Tyson Heung und Robert Seifert sowie der Mainzer Sebastian Praus lieferten nach anfänglicher Nervosität den USA und Frankreich einen großen Kampf. Das entscheidende Überholmanöver im Kampf um den Halbfinal-Einzug gelang Tyson Heung drei Runden vor Schluss. Die deutschen Damen und auch Bundestrainer Éric Bédard haderten indes mit dem Kampfgericht. "Bianca Walter lag in Führung, die Koreanerin wollte innen überholen und kam bis zur Kurve nicht vorbei, so dass Bianca auflief", sagte Bédard, "aus meiner Sicht hätte Südkorea diqualifiziert werden müssen."

Auch am zweiten Tag des Kurzbahn-Weltcups in Moskau haben die Schwimmer ihre Weltrekordjagd fortgesetzt. Über 50 Meter Brust verbesserte Jessica Hardy aus den USA in 29,36 Sekunden ihre vor drei Wochen aufgestellte Bestzeit um 9/100 Sekunden. Auf Rang zwei kam Leisel Jones (30,30). Die Australierin absolvierte ihr Comeback, nachdem sie seit Olympia in Peking pausiert hatte. Für eine Überraschung sorgte Lokalmatador Jewgeni Korotyschkin über 100 Meter Schmetterling. Der Russe jagte in 48,99 Sekunden Ian Crocker (USA) dessen über fünf Jahre alten Weltrekord (49,07) ab. Ebenfalls unerwartet war die Bestmarke durch George du Rand. Der Südafrikaner unterbot über 200 Meter Rücken in 1:47,08 Minuten die Zeit des Österreichers Markus Rogan (1:47,84) vom April 2008.

Der deutsche Handball-Meister THW Kiel bleibt in der Champions League trotz eines 31:31 (13:13) beim dänischen Vertreter KIF Kolding Spitzenreiter der Gruppe D. Vor 2800 Zuschauern feierten die Dänen nach zehn Niederlagen gegen deutsche Klubs im Europapokal ihren ersten Punktgewinn lautstark. Der deutsche Bundesliga-Spitzenreiter konnte sich gegen den in dieser Saison in eigener Halle noch unbesiegten zwölffachen dänischen Meister nie deutlich absetzen. Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason hatte ihre besten Werfer bei dem hart umkämpfen Spiel in Nationalspieler Christian Zeitz (8), Filip Jicha (7) und Igor Anic (6). Kiel hatte die Führung in der Tabelle am Spieltag zuvor durch einen Sieg bei HC Vardar Skopje übernommen.

Der Franzose Jean-Baptiste Grange und Veronika Zuzulova aus der Slowakei sind die ersten Europameister im Ski alpin. Lokalmatador Grange gewann bei der Premiere der kontinentalen Titelkämpfe in der Skihalle von Amnéville in Frankreich das Finale des K.o.-Slaloms in der Zeit von 34,54 Sekunden. Damit sicherte sich der Slalom-Weltcupsieger den Sieg auf der 436 Meter langen Kunstschnee-Piste vor dem unterlegenen Christof Innerhofer (Italien/34,78). Dritter wurde Manfred Mölgg. Der Italiener entschied das "kleine Finale" in 35,31 Sekunden gegen Marc Gini (Schweiz/35,37) knapp für sich. Im Finale der Frauen sicherte sich Zuzulova (37,20) den EM-Titel mit mehr als einer Sekunde Vorsprung auf Nastasia Noens (Frankreich/38,21). Deutsche Ski-Rennläufer waren wegen der sportpolitischen Brisanz nicht am Start. Der neue Europäische Skiverband ESF veranstaltete die erste EM gegen den Willen des Weltverbands FIS.

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