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Sport kompakt:Pechstein dachte ans Aufhören

Wegen ihrer Dopingsperre wollte Claudia Pechstein zurücktreten, Autopsie des verstorbenen Radfahrers Vandenbroucke belegt Tod durch Lungenembolie, deutsche Turner ohne WM-Medaille. Sport kompakt

Der Dauerstreit um ihre zweijährige Dopingsperre hat bei Claudia Pechstein sogar Rücktrittsgedanken ausgelöst. "Natürlich ist mir zwischendurch mal der Gedanke gekommen, alles hinzuschmeißen", erklärte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin der Bild am Sonntag, "weil ich nervlich nicht mehr konnte, weil ich mich rechtfertigen musste, obwohl ich nichts getan habe. Aufgeben wäre allerdings für viele ein Schuldeingeständnis gewesen", sagte die 37 Jahre alte Berlinerin, die vom Weltverband ISU wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt wurde. Am kommenden Donnerstag und Freitag wird der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in einer Berufungsverhandlung entscheiden, ob es bei der zweijährigen Sperre bleibt.

Eisschnelläuferin Claudia Pechstein hatte wegen ihrer zweijährigen Dopingsperre Rücktrittsgedanken.

(Foto: Foto: ddp)

Der frühere Radprofi Frank Vandenbroucke ist an einer beidseitigen Lungenembolie gestorben. "Beide Seiten waren betroffen. Wir haben zudem festgestellt, dass er Herzprobleme hatte", sagte der Arzt Isidor Boye, der die Autopsie durchgeführt hatte. Bereits am Freitag war bekanntgegeben worden, dass der 34-Jährige keines gewaltsamen Todes gestorben sei. Boye sagte, er habe am Unterarm Vandenbrouckes Einstichstellen gefunden. Allerdings könne nur eine toxikologische Untersuchung endgültig feststellen, ob der Tod mit Drogenmissbrauch in Verbindung stehe. Der Leichnam soll in den nächsten Tagen vom Senegal nach Belgien überführt werden. Dort sind genauere Untersuchungen geplant. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP sind im Hotelzimmer des Belgiers eine Spritze, Alkohol und Drogen gefunden worden. Dennoch sei es medizinisch nicht erwiesen, dass Vandenbroucke drogenabhängig gewesen sei.

Medaille verpasst, aber vom Champion geadelt und die Bilanz gerettet: Der einstige "böse Bube" Matthias Fahrig ist bei den Turn-Weltmeisterschaften in London erstmals aus dem langen Schatten von Fabian Hambüchen getreten. In den Finals begeisterte er die 10 000 Fans in der O2-Arena nicht nur mit seiner "Flugshow", sondern auch mit einem lässigen Tänzchen nach der Boden-Übung, für das er kräftig gefeiert wurde. Die erste WM ohne deutsche Medaille seit 2005 konnte Fahrig jedoch nicht verhindern. "So sehen wir aus, wenn wir nackig sind", unterstrich Cheftrainer Andreas Hirsch und spielte auf Hambüchens Verletzung an, lobte aber Fahrig. Beim Sprung, den er zuvor als "Russisch Roulette" betitelt hatte, schrammte Fahrig am Sonntag mit 15,875 Punkten als Vierter nur haarscharf am Podest vorbei, nachdem er tags zuvor am Boden Rang sechs (15,40) belegt hatte. Die Krone in hochklassigen Finals eroberte der Rumäne Marian Dragulescu. Am Boden krönte der 28-Jährige mit 15,70 Zählern sein Comeback mit Gold, um am Sonntag beim Sprung mit Traumnote 16,575 gleich seinen insgesamt achten WM-Titel nachzulegen.

Michael Schumacher will sich auch in Zukunft "verrückte Dinge" nicht verbieten lassen und lehnt eine endgültige Absage an eine Formel-1-Rückkehr weiter ab. "Ich plane kein Comeback, aber wer weiß, was alles passiert", sagte der 40-Jährige in einer Titelstory dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel (Montag). "Bis Ende des Jahres wird meine Verletzung im Nacken so weit ausgeheilt sein, dass ich wieder fahren könnte", erklärte der Rekord-Weltmeister. Ein Halswirbelbruch nach einem Motorrad-Crash hatte im August seinen Einsatz als Vertreter für den verunglückten Ferrari-Piloten Felipe Massa verhindert. "Ja, ich beiße mir schon in den Hintern, dass mir das widerfahren ist", bekannte Schumacher.

Der deutsche Handball-Meister THW Kiel hat auch im Hexenkessel von Skopje die Nerven bewahrt und hält in der Champions League Kurs auf das Achtelfinale. Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason feierte in der Vorrundengruppe D beim am Ende souveränen 33:23 (14:12)-Erfolg beim mazedonischen Champion HC Vardar Skopje den dritten Sieg im dritten Spiel und eroberte damit die Tabellenführung. "Teilweise haben wir uns das Leben selber schwer gemacht, schließlich hatten wir die Halle schon beruhigt. Am Ende war für uns nur das Ergebnis wichtig", sagte der schwedische Kreisläufer Marcus Ahlm. Nach den Gala-Auftritten in der Königsklasse beim FC Barcelona (30:27) und in der Bundesliga beim Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt (41:33) gönnte Gislason einigen seiner Stars eine Pause und ließ kräftig rotieren. So blieb Welthandballer Thierry Omeyer 60 Minuten auf der Bank, seinen Platz im Tor nahm Peter Gentzel ein. Der Schwede überzeugte mit 15 Paraden.

Die drei Mannschafts-Bundestrainer Heiner Brand (Handball), Uwe Krupp (Eishockey) und Dirk Bauermann (Basketball) haben die mangelnde Nachwuchsförderung in ihren Sportarten beklagt. "Im letzten Jahr gab es in der BBL einen Anteil deutscher Spieler von knapp 20, eher 15 Prozent. Damit verringert sich der Anreiz, den ein junger Spieler braucht, um die hohen Trainingsumfänge und Entbehrungen auf sich zu nehmen. Das Risiko gehen viele unserer Talente nicht ein, wenn die Chance, Profi zu werden, nicht groß genug ist", sagte Bauermann dem kicker. Auch Weltmeister-Coach Brand kritisierte erneut die fehlenden Einsatzzeiten von deutschen Spielern bei Spitzenklubs. "Ich hatte 2007/2008 bei den vier deutschen Champions-League-Teilnehmern Hamburg, Kiel, Flensburg und Gummersbach weniger als zehn Prozent deutsche Spieler. Die Forderung nach deutschen Spielern heißt doch auch, dass wir diese Jungs in Kiel oder Hamburg brauchen", sagte Brand. Krupp stieß ins gleiche Horn: "Wo sind unsere U-20-Spieler? Wo entwickeln sie sich?. Die sind schon da. Die sind schon oben, fahren ihr schönes DEL-Vereinsauto, sammeln aber nur die Pucks ein. Das ist die Realität."

Die Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy haben einen denkbar schlechten Start in die Grand-Prix-Serie erwischt: Nach einer Katastrophen-Kür landeten die Chemnitzer in Paris bei der Trophée Bompard nur auf Rang drei. Es ging fast alles schief, was nur schief gehen konnte. Ein Ausrutscher von Savchenko bei der Spiralschrittfolge brachte die Sachsen total aus dem Konzept und sie verpatzten auch noch den dreifachen Salchow, die Todesspirale und den Wurfsalchow. Fassungslos schüttelte Savchenko nach dieser Vorstellung den Kopf, und Szolkowy verharrte mit versteinerter Miene in der Schlusspose. Nun wollen beide sogar überdenken, ob sie die schwere Kür zu einer von André Rieu eingespielten Version des Ohrwurms "You'll never walk alone" ad acta legen sollen.

Die 16-jährige Australierin Jessica Watson ist am Sonntagmorgen auf den Tag genau sieben Monate vor ihrem 17. Geburtstag zu ihrer Solo-Weltumseglung aufgebrochen. Um 09.49 Uhr Ortszeit (00.49 Uhr MESZ) verließ das Mädchen an Bord der Ellas Pink Lady die Andrew Short Marina im weltberühmten Sydney Harbour. Die Reise, die nach acht Monaten und 23.000 Seemeilen (rund 38.000 Kilometer) wieder in Sydney enden soll, führt Watson zunächst an der Westküste Neuseelands entlang Richtung Norden. Von dort geht es an den Fidschi-Inseln und Samoa vorbei über den Pazifik. Umrundet werden müssen laut Reglement die Südspitze Südamerikas und das südafrikanische Kap Horn, das Jessica Watson den "Mount Everest des Hochseesegelns" nennt. Das Mädchen muss auf seiner Reise an Bord seiner Zehn-Meter-Yacht alle Längengrade kreuzen und wenigstens einmal den Äquator überqueren.

Rafael Nadal hat beim ATP-Turnier in Shanghai den ersten Turniersieg seit seinem Comeback im Anschluss an eine Verletzungspause verpasst. Der Weltranglistenzweite aus Spanien unterlag im Endspiel des mit 3,24 Millionen Dollar dotierten Wettbewerbs dem Russen Nikolai Dawydenko (Nr. 6) nach gut zwei Stunden mit 6:7 (3:7), 3:6. Nadal, der den bis dato letzten seiner fünf Turniersiege 2009 Ende April in Rom gefeiert hatte, hätte sich mit einem Sieg zum bislang einzigen Profi mit sechs Titeln in diesem Jahr aufgeschwungen. Der 23-Jährige hatte nach seinem Aus im Achtelfinale der French Open im Juni wegen Sehnenreizungen in beiden Knien zweieinhalb Monate pausiert. Der 28 Jahre alte Dawydenko erhält für seinen vierten Turniersieg der Saison 616.500 Dollar, Nadal immerhin noch 302.000 Dollar.

Der frühere Chef des Formel-1-Teams von Renault, Flavio Briatore, will gegen seine lebenslange Sperre klagen. Der italienische Milliardär werde an diesem Montag in Paris vor Gericht ziehen, berichtet das Pariser Sonntagsblatt Le Journal du Dimanche (JDD). Briatore wolle nicht nur, dass der Internationale Automobilverband FIA die Sperre zurücknehme, sondern verlange auch 500.000 bis eine Million Euro Schadenersatz. Er bedauere, nicht die angelsächsische Justiz anrufen zu können, die viel großzügiger Schadenersatz zuspreche. Briatore war gesperrt worden, weil Renault-Pilot Nelson Piquet Jr. beim Großen Preis von Singapur 2008 einen Unfall provoziert hatte, um einem Teamkollegen zum Sieg zu verhelfen. Der Renault-Teamchef soll Piquet zu dem Unfall überredet haben. Briatores Anwälte erklären dem Sonntagsblatt zufolge, die Sperre widerspreche europäischem Recht und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, weil sie unbefristet sei.

Robert Bartko hat zum Auftakt der Europameisterschaften der Bahnradsportler am Samstag in Gent wie schon 2008 die Silbermedaille im Omnium gewonnen. Der Potsdamer kam nach dem Mehrkampf aus Scratch, Ausscheidungsfahren, Punktefahren und Einerverfolgung auf 35 Punkte und musste sich nur dem Polen Rafal Ratajczyk (49 Punkte) geschlagen geben. Platz drei belegte Unai Elorriaga (Spanien/34) vor dem Berliner Andreas Müller (33), der seit zwei Jahren für Österreich startet.

Mylene Diederichsmeier hat beim internationalen Turnier in Kiel das Championat gewonnen. Die Springreiterin aus Steinhagen blieb am Samstagabend auf ihrem zehnjährigen Hengst Quartz im Stechen ohne Abwurf und schaffte in 35,87 Sekunden die schnellste Zeit aller neun qualifizierten Reiter. Zweiter wurde der Niederländer Willem Greve auf Ukato (0/37,06) vor dem Iren Cameron Hanley mit Southwind (0/37,73). Der ebenfalls fehlerfreie Borkener Markus Ehning im Sattel von Anka verpasste als Vierter das Siegerpodest um 4/100 Sekunden. Zuvor war Franz-Josef Dahlmann (Sendenhorst) am Sieg in der Qualifikation zum Großen Preis knapp vorbei geschrammt. Mit Lifou kam der Angestellte von Bundestrainer Otto Becker auf Platz zwei mit einem Rückstand von 8/100 Sekunden auf Greve. Greve siegte auf Ude fehlerfrei in 34,08 Sekunden.

Fußball-Bundesliga, 9. Spieltag

Die mit dem Ball tanzen