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Sport kompakt:Löw ermahnt Podolski

Bundestrainer will Kölner Stürmer "täglich antreiben", Aufruhr nach Fehlentscheidung in Salzburg, Inter kann sich nicht ausruhen, Kohler sagt 1860 ab. Sport kompakt

Bundestrainer Joachim Löw hat Lukas Podolski unmittelbar vor dem Start der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die WM-Vorbereitung eindringlich ermahnt. "Er muss jetzt wirklich in allen Bereichen was tun, um innerhalb kürzester Zeit auf ein hohes Niveau zu kommen", sagte Löw am Montag in einem kicker-Interview. Nach einer enttäuschenden Saison beim 1. FC Köln werde der Stürmer ein "spezielles Programm" erhalten und "von uns täglich angetrieben". Allerdings sagte Löw auch, dass Podolski der Spieler sei "mit dem größten Potenzial in der Offensive". Dem Sport-Informations-Dienst (SID) erklärte Löw, es sei geplant, "dass alle sechs Stürmer mit zur WM fahren". Damit haben neben Podolski auch die formschwachen Münchner Mario Gomez und Miroslav Klose sowie deren Klubkollege Thomas Müller, Cacau (VfB Stuttgart) und Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) ihre WM-Tickets sicher. "Wir wollen flexibel sein. Mit Podolski, Müller und Cacau haben wir drei Angreifer, die auch aus der Tiefe und über die Außen kommen können. Klose, Gomez und Kießling sind eher zentrale Stürmer. Und in der Offensive möchte ich ausreichend Möglichkeiten haben, um zu reagieren", sagte Löw. Er legte sich auch fest auf Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld und betonte nochmals die wichtige Rolle des Bayern-Ersatz-Stürmers Miroslav Klose. Für die brisante Entscheidung über die Nummer 1 im Tor gebe es "keinen Fahrplan", betonte Löw: "Da warten wir mal ab." Der zunächst noch arg dezimierte WM-Kader trifft sich am Mittwoch in Düsseldorf.

Lukas Podolski Getty

Lukas Podolski.

(Foto: Foto: Getty)

Torhüter André Lenz vom VfL Wolfsburg geht es nach seiner schweren Verletzung den Umständen entsprechend gut. Das berichtete am Montag ein Sprecher der Polizei Wolfsburg auf Anfrage. Der 36 Jahre alte Ersatzkeeper des Fußball-Bundesligaclubs hatte in der Nacht zum Sonntag bei einem blutigen Streit in einer Wolfsburger Diskothek Stichverletzungen erlitten. Er musste sofort im Klinikum Wolfsburg operiert werden, befindet sich aber außer Lebensgefahr. Der Hintergrund des Zwischenfalls ist weiterhin unklar.

Für Schiedsrichter Wolfgang Stark war die von massiven Ausschreitungen begleitete Zweitliga-Partie Fortuna Düsseldorf gegen Hansa Rostock "eines der schwierigsten Spiele". "Man ist irgendwie machtlos", sagte der FIFA-Referee aus Ergolding am Montag. "Es war uns im Vorfeld klar, dass es nicht so einfach wird. Wir mussten dann alle Register ziehen, um das Spiel durchzubekommen." Die Partie stand bereits nach sechs Minuten am Rande eines Abbruchs, weil aus dem Rostocker Fanblock Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen wurden. Hansa-Torwart Alexander Walke musste behandelt werden. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung entschieden Schiedsrichter Stark und DFL-Vertreter, das Spiel fortzusetzen. Auch kurz vor Ende unterbrach Stark das Spiel erneut, weil in unmittelbarer Nähe seins Assistenten Mike Pickel ein Feuerwerkskörper explodierte. "Er hatte nach dem Spiel ein leises Pfeifen im Ohr", sagte Stark. Inzwischen hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Ermittlungen aufgenommen, wie ein DFB-Sprecher bestätigte. Nach der 1:3-Niederlage müssen die Rostocker den Gang in die Relegation antreten und treffen dort auf den FC Ingolstadt.

Der Meisterteller stand schon bereit, doch die Feier musste überraschend vertagt werden - und die "Bullen" sahen rot: Als Tabellenführer Red Bull Salzburg den vorzeitigen Titelgewinn in Österreichs Fußball-Bundesliga verpasst hatte, gingen Trainer Huub Stevens und Manager Dietmer Beiersdorfer auf den Schiedsrichter los. "Man will nicht, dass wir Meister werden", sagte der frühere Hamburger Sportdirektor Beiersdorfer, und Stevens ließ sich mit den Worten zitieren: "So raubt man uns den Titel!" Salzburg hatte schon zur Meisterfeier gerüstet, als es am vorletzten Spieltag gegen Austria Wien mit 0:0 in die Nachspielzeit ging. Das Unentschieden hätte dem Klub von Dosen-Millionär Dietrich Mateschitz zum dritten Titel gereicht. In der 91. Minute traf aber Zlatko Junuzovic für den Zweiten aus Wien zum 0:1 und brachte die Austria (72 Punkte) bis auf einen Zähler an Salzburg (73) heran. Doch es war nicht dieser Treffer, der Salzburg erzürnte: Ein Tor von Bullen-Verteidiger Rabiu Afolabi in der 94. Minute zum 1:1 wurde wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt. Schiedsrichter Dietmar Drabek musste unter Polizeischutz aus dem Stadion geleitet werden. "Es ging um Zentimeter. Da hätte selbst der TV-Beweis nicht geholfen", sagte er über seine Entscheidung. Das brachte Beiersdorfer erst recht auf die Palme. "Ich kann das nicht fassen, dass er keine Einsicht zeigt. Dieses Tor war niemals Abseits - das hat man bis zum Gaisberg gesehen. Nur er will das nicht sehen. Wie zur Hölle kann man so falsch liegen? Ein Skandal!" Doch Salzburg hat die erfolgreiche Titelverteidigung noch immer in der eigenen Hand. Die Stevens-Elf kann die Schale mit einem Sieg beim Tabellenvierten Sturm Graz zum sechsten Mal nach Salzburg holen - Vorgängerklub Austria war bereits 1994, 1995, 1997 Meister geworden.

Michael Ballack und der FC Chelsea sind englischer Fußball-Meister. Die West-Londoner machten am Sonntag mit einem 8:0 (2:0)-Torefestival gegen Wigan Athletic nach 1955, 2005 und 2006 die vierte Meisterschaft perfekt. Der 33 Jahre alte deutsche Nationalmannschaftskapitän feierte gar schon seinen fünften nationalen Meistertitel: Mit dem 1. FC Kaiserslautern 1998, mit dem FC Bayern München 2003, 2005 und 2006 - und nun zum ersten Mal auch auf der Insel. "Ich bin sehr froh - im vierten Jahr hat es endlich geklappt", sagte Ballack dem Sender BBC. Mit 103 Saisontoren knackten seine "Blues" zudem die 100er-Marke und stellten einen neuen Premier- League-Rekord auf. Bei solch einer Fülle von Toren kam der Nationalelf-Kapitän schon mal beim Zählen der Treffer durcheinander. "Es ist fantastisch, dass wir so viele Tore geschossen haben und die Saison mit einem 7:0 abschlossen haben - oder war es 8:0?", fragte Ballack nach dem Match. "Ich denke, die großen Spiele haben die Saison entschieden, und wir haben alle Spiele gegen die Top Four gewonnen."

Inter Mailand kann sich vor dem Champions-League-Finale gegen Bayern München keine Verschnaufpause leisten. Vier Tage nach dem Gewinn des nationalen Pokals sah das Team von Star-Trainer Jose Mourinho am vorletzten Spieltag der Serie A lange wie der vorzeitige Meister aus, ehe ein Doppelpack von Francesco Totti für den AS Rom die Entscheidung vertagte. Die Roma besiegte so noch den Tabellen-13. Cagliari Calcio mit 2:1 (0:0) und hielt den Rückstand bei zwei Zählern. Inter erledigte seine Pflichtaufgabe gegen Chievo Verona mit einem 4:3 (3:1). Beim bereits als Absteiger feststehenden AC Siena muss Inter nun gewinnen, um sicher den fünften Meistertitel in Folge zu feiern. Denn sollte die Roma bei Chievo Verona gewinnen, und Inter nur einen Punkt holen, spräche bei anschließender Punktgleichheit der direkte Vergleich für den AS Rom. Im Falle des 18. Meistertitels dürfte Inter weiter vom Triple träumen und würde auch den Stadtrivalen AC Mailand überflügeln, der bisher 17-mal Meister wurde. Rekordchampion ist Juventus Turin mit 27 Trophäen.

Neuseelands Fußball-Nationaltrainer Ricki Herbert hat am Montag sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Südafrika nominiert. Im 23-Mann-Kader für das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli steht auch der in Göppingen geborene Stürmer Shane Smeltz. Der 28-Jährige spielt für Gold Coast United in Australien. Coach Herbert nominierte sieben Spieler, die bei Vereinen in Europa unter Vertrag stehen. Dazu zählen auch Ryan Nelsen (Blackburn Rovers), Chris Killen (FC Middlesbrough) und Chris Wood (West Bromwich Albion) aus England sowie Winston Reid (FC Midtjylland/Dänemark). Neuseeland trifft bei der WM in der Gruppe F auf Italien, Paraguay und die Slowakei.

Fußballprofi Makoto Hasebe vom VfL Wolfsburg hat das Ticket für die Weltmeisterschaft in Südafrika sicher. Der japanische Mittelfeldspieler zählt zum 23er-Kader, den Japans Nationaltrainer Takeshi Okada am Montag bekanntgab. Insgesamt nominierte der Coach nur vier Profis, die für europäische Vereine spielen. Neben Hasebe sind dies Keisuke Honda (ZSKA Moskau), Daisuke Matsui (Grenoble Foot 38) und Takayuki Morimoto (Catania Calcio). Die Japaner treffen bei der WM in der Gruppe E auf die Niederlande, Dänemark und Kamerun.

Jürgen Kohler hat in letzter Minute einen Rückzieher gemacht und wird jetzt doch nicht Trainer der zweiten Mannschaft von Fußball-Zweitligist 1860 München in der Regionalliga Süd. "Das ist sehr schade. Aber wir haben Verständnis dafür und respektieren Jürgens Entscheidung", sagte Sportdirektor Miroslav Stevic über den geplatzten Coup. Kohler und die Löwen hatten sich grundsätzlich schon geeinigt, der Weltmeister von 1990 sagte aber aus familiären Gründen ab. Er will sich offenbar intensiver um seine Frau und seine drei Kinder in Bonn kümmern. Kohler war bis Mai 2009 Sportdirektor beim damaligen Drittligisten VfR Aalen und ist seitdem ohne Job. Die Löwen dagegen sind nun ihrerseits bereits mit anderen Kandidaten in Kontakt und wollen in Kürze einen Nachfolger für Dieter Märkle präsentieren.

Bundesliga: Elf des Spieltags

Starnberg, Moskau, Löschpapier