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Sport kompakt:Kahn und Kaiser kritisieren FC Bayern

Franz Beckenbauer und Oliver Kahn sind mit manchen Dingen beim FC Bayern nicht einverstanden. Oliver Bierhoff kann sich einen Besuch der DFB-Elf in Auschwitz vorstellen, Nuri Sahin soll in Madrid "moralisch am Ende" sein. Arnautovic verletzt sich beim Spielen mit dem Hund, Frings kann Beckham nicht bezwingen. Sport kompakt.

Fußball, FC Bayern: FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer hält die jüngste Medienschelte der Vereinsführung für überzogen. "Man weiß beim FC Bayern schon seit 40 Jahren: Wenn du ein paar Spiele hintereinander verlierst, wird spekuliert, dann brodelt die Gerüchteküche. Das ist so! Es wäre vielleicht besser gewesen, man hätte das ignoriert", sagte Beckenbauer beim TV-Sender Sat.1. Am Mittwoch hatte der Vorstand des deutschen Fußball-Rekordmeisters sich gegen die anhaltenden Spekulationen um Trainer Jupp Heynckes gewehrt und den "Gerüchte-Journalismus aufs Schärfste" verurteilt. Das hitzige Wortgefecht beim 0:2 der Bayern in Leverkusen zwischen den Nationalspielern Thomas Müller und Jerome Boateng wertete er als "Zeichen der Unzufriedenheit". Derartige Probleme sollte man "besser in der Kabine behandeln".

Dass die Bayern derzeit wieder einmal in aller Öffentlichkeit streiten, sieht auch Ex-Kapitän Oliver Kahn im Duell mit Tabellenführer Borussia Dortmund als Nachteil. Es werde "äußerst problematisch, wenn aus der Mannschaft Interna aus der Kabine an die Öffentlichkeit gelangen. Ich will Borussia Dortmund nicht als Nonplus-Ultra bezeichnen, aber dort werden Probleme größtenteils intern gelöst. Und das sehe ich als vorteilhaft an", sagte Kahn der Bild-Zeitung. Im Gegensatz zu Beckenbauer, der die Meisterschaft schon entschieden sieht ("ich fürchte ja"), forderte Kahn, "den Glauben an den Titel" nicht aufzugeben. "Irgendwann ist auch die Serie von Dortmund vorbei. Was sind denn sieben Punkte bei noch zehn Spielen?"

Fußball, Randale: Bundesligist 1. FC Köln hat auf die gewaltsamen Übergriffe einzelner Fans reagiert und der Ultra-Fangruppierung "Wilde Horde 1996" alle Privilegien bei Heimspielen entzogen. Damit verbunden sind das Verbot der Nutzung eines Arbeitsraums, eines Verkaufsstandes sowie der Entzug von Arbeitsausweisen. Darüber hinaus wird dem Fanklub für das Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC untersagt, sein Banner im Stadion aufzuhängen. "Wir fordern von allen Fanklubs des 1. FC Köln, dass sie Gewalttaten nicht tolerieren und gewalttätige Mitglieder in ihren Reihen nicht dulden. Einzelne Wilde Horde-Mitglieder sind leider trotz zahlreicher Gespräche in der Vergangenheit immer wieder durch Gewalttaten auffällig geworden. Deswegen haben wir uns zum Entzug der Privilegien anlässlich des neuen Vorfalls gezwungen gesehen", sagte FC-Geschäftsführer Claus Horstmann. Der Klub habe damit alle Möglichkeiten "in der Sanktionierung der Tatverdächtigen und ihres Umfeldes ausgeschöpft". Am Sonntagabend hatten zunächst mehrere Fahrzeuge mit gewaltbereiten Kölner Anhängern versucht, einen Bus mit Fans von Borussia Mönchengladbach auf der Autobahn auszubremsen.

Skispringen, Trondheim: Trotz eines Schanzenrekordes im ersten Durchgang hat Richard Freitag den zweiten Weltcupsieg seiner Karriere verpasst. Der 20-Jährige aus Aue hatte im ersten Durchgang auf der Granasen-Schanze die Konkurrenz mit einem Satz auf 140,5 Meter düpiert, fiel aber mit einem Sprung auf 133 Meter und der Gesamtnote 287,9 auf Platz zwei hinter Daiki Ito zurück (295,1). Der Japaner entriss Freitag nicht nur den Triumph, sondern mit einem Sprung auf 141,0 Meter auch noch den gerade erst eroberten Schanzenrekord. Auch Severin Freund hatte das Podest im Blick. Trotz einer Magen-Darm-Grippe war der Rastbüchler im ersten Durchgang auf Platz drei gesprungen (136), doch mit einem Sturz nach der Landung seines 133,5-m-Sprunges fiel Freund mit 266,2 Punkten auf den neunten Platz zurück.

Fußball, Doppelspieltag: Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff begrüßen die von der Fifa angekündigte Reform des internationalen Spielkalenders. "Wir finden diese Regelung gut. Denn während der Doppelspieltage kann man besser mit den Spielern arbeiten, als wenn man sie nur drei Tage zusammen hat", sagte Bierhoff dem kicker. Die Fifa hatte nach längerem Streit den Forderungen der europäischen Top-Clubs und der Europäischen Fußball-Union Uefa nachgegeben, die August-Länderspiele abzuschaffen. Künftig soll es im März, September, Oktober und November nur noch Doppel-Spieltage der Nationalmannschaften geben. In den ungeraden Jahren ohne Turniere könnten auch jeweils im Juni solche Veranstaltungen verabredet werden.

Zudem reagierte Bierhoff auf die Aussagen von Dieter Graumann, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, und stellte einen Besuch der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Holocaust-Gedenkstätte in Auschwitz während der EM in Aussicht. "Natürlich greifen wir die Holocaust-Thematik mit den Spielern auf. In welcher Form, haben wir noch nicht abschließend entschieden", wird Bierhoff in der Frankfurter Rundschau zitiert. Laut Bierhoff ziehe man während der EM vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine neben "einem Kamingespräch mit den Profis" auch einen Besuch in Auschwitz in Erwägung.

Fußball, Spanien: Nuri Sahin erlebt bei Real Madrid nach Angaben des Sportblattes Marca einen Alptraum. Er könne nicht verstehen, warum er von Trainer José Mourinho "geächtet" werde, schrieb die Real-nähe Sportzeitung am Donnerstag. Der Türke sei "moralisch völlig am Ende". Sahin, der im Mai 2011 für zehn Millionen Euro von Dortmund nach Madrid wechselte, ist der einzige Spieler, der in diesem Jahr bei seinem neuen Verein noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Seit dem Pokal-Rückspiel der "Königlichen" gegen Ponferradina am 20. Dezember hat er nicht mehr gespielt. "Er hat es satt", glaubt Marca. Der beste Bundesliga-Spieler der vergangenen Saison musste beim spanischen Rekordmeister wegen einer hartnäckigen Knieverletzung mehrere Monate pausieren. Erst am 6. November hatte er im Spiel gegen CA Osasuna sein Debüt gegeben. Doch nicht einmal während der jüngsten Verletzungspause des deutschen Nationalspielers Sami Khedira war Sahin zum Zuge gekommen. Marca will wissen, dass der portugiesische Coach seinem Verein niemals die Verpflichtung des Ex-Dortmunders vorgeschlagen habe. Als er den Türken dann erstmals spielen gesehen habe, sei er von ihm enttäuscht gewesen.

Wintersport, Biathlon: Doppel-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle flirtet anscheinend mit einem Wechsel vom Skilanglauf zum Biathlon. Die 31-Jährige scheint fest entschlossen, bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi für die Skijäger an den Start zu gehen und damit eine der potenziellen Nachfolgerinnen von Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner zu werden. "Warum sollte man ihr nicht die Möglichkeit einräumen, sich im Biathlon zu versuchen, wenn sie Lust dazu hat?", sagte Biathlon-Bundestrainer Uwe Müssiggang dem sid. Aus Sicht der Biathleten gebe es keine konkrete Zielsetzung für das Vorhaben, Sachenbacher-Stehle müsse "vor allem massiv Schießtraining absolvieren", betonte Müssiggang. Erste Versuche habe sie mithilfe von Frauentrainer Ricco Groß bereits vor mehreren Monaten unternommen und dabei Gefallen daran gefunden.

Fußball, England: Manchester City ist offenbar an einer Verpflichtung von Arsenals Torjäger Robin van Persie interessiert. Der Trainer des Premier-League-Spitzenreiters, Roberto Mancini, wird in mehreren englischen Zeitungen mit den Worten zitiert: "Wir haben immer Interesse an guten Spielern. Ich denke, alle guten Klubs sind an van Persie interessiert." Der Vertrag des 28-jährigen Niederländers, der in dieser Saison bereits 25 Tore in 27 Ligaspielen für Arsenal erzielt hat, läuft im Sommer 2013 aus. Van Persie hat aber bereits angekündigt, erst nach Saisonende über seine Zukunft zu entscheiden. City hat in den vergangenen drei Jahren schon Samir Nasri, Gael Clichy, Emmanuel Adebayor und Kolo Touré vom FC Arsenal geholt und für diese vier Spieler mehr als 80 Millionen Euro gezahlt.

Fußball, Trainergehälter: Jupp Heynckes vom FC Bayern München ist der bestbezahlte deutsche Fußball-Trainer und gehört selbst im internationalen Vergleich zu den Top Ten. Laut einer Studie des Fachmagazins Futbol Finance liegt Heynckes mit einem Jahresgehalt von fünf Millionen Euro auf Rang sechs. Weitere deutsche Trainer im 30 Namen umfassenden Ranking sind Ottmar Hitzfeld auf Rang 19 (2,6 Millionen) vor Bundestrainer Joachim Löw (2,4 Millionen, Rang 21) und Dortmunds Cheftrainer Jürgen Klopp, der mit einem Gehalt von 2,1 Millionen Euro den 25. Platz einnimmt. Angeführt wird die Liste von José Mourinho, dem Real Madrid 10 Millionen Euro überweist. Auf Rang zwei und drei folgen Barcelonas Trainer Josep Guardiola (7,5 Millionen) und der Niederländer Guus Hiddink (ebenfalls 7,5 Millionen) vom russischen Erstligisten Anschi Machatschkala. Dennoch scheint die Liste nicht vollständig. So fehlen aus der Bundesliga die ebenso gut verdienenden Felix Magath (VfL Wolfsburg), Robin Dutt (Bayer Leverkusen) oder Thomas Schaaf (Werder Bremen).

Fußball, Werder Bremen: Der Wechsel des brasilianischen Mittelfeldspielers Wesley von Bremen zurück in seine Heimat zu Palmeiras Sao Paulo perfekt. "Nachdem wir uns bereits vor einiger Zeit mit den Verantwortlichen von Palmeiras geeinigt hatten, sind nun auch alle Bankgarantien eingetroffen, die für die Absicherung des Transfers nötig waren", sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs. Die Ablösesumme soll bei etwa sechs Millionen Euro liegen. Wesley war im August 2010 für 7,5 Millionen Euro vom FC Santos nach Bremen gewechselt, konnte die Erwartungen aber nie erfüllen. Auch aufgrund von Verletzungen kam der 24-Jährige nur zu 26 Bundesliga-Einsätzen und erzielte dabei zwei Tore. Derweil fällt Marko Arnautovic mit einem Innenbandriss im rechten Knie aus. Der Österreicher hatte sich die Verletzung am Donnerstagnachmittag zugezogen, als er beim Spiel mit seinem Hund im Rasen hängenblieb und das Knie verdrehte. "Marko hat uns von diesem Vorfall berichtet. Natürlich ist das ärgerlich, weil uns damit eine wichtige Option in den kommenden Wochen fehlt", sagte Cheftrainer Thomas Schaaf kurz vor dem Mannschaftstraining. Marko Arnautovic befindet sich in Behandlung bei Mannschaftsarzt Dr. Götz Dimanski. "Wir werden alles versuchen, um ihn so schnell wie möglich wieder gesund und einsatzbereit zu bekommen. Das wird aber mindestens sechs Wochen dauern", so der Mediziner.

Handball, DHB-Diskussion: Die Kritik am Deutschen Handballbund (DHB) wächst, nun hat auch Bayer Leverkusens Trainerin Renate Wolf Missstände im Verband angeprangert. "Mir fehlt nach wie vor ein erkennbar ernstzunehmendes Interesse seitens der Verbands-Obrigkeit, engagierte Frauen in Führungsgremien des DHB zu integrieren. Wenn man es genau nimmt, geschieht punktuell sogar das Gegenteil", sagte Wolf im Gespräch mit den Internetportalen handball-world.com und handball-queen.de. Die ehemalige Nationalspielerin, die ihr Traineramt in Leverkusen am Ende der Saison nach 16 Jahren an Heike Ahlgrimm übergibt, kritisiert vor allem den Umgang mit verdienten Spielerinnen innerhalb des Verbandes. Wolf steht mit ihrer Kritik am DHB nicht alleine da. In den letzten Wochen hatte unter anderem Manager Bob Hanning von den Füchsen Berlin gravierende strukturelle Änderungen im Verband angemahnt. Berlins Nationaltorhüter Silvio Heinevetter hatte sogar mehrfach öffentlich den Rücktritt von DHB-Präsident Ulrich Strombach gefordert.

Fußball, 1. FC Kaiserslautern: Stefan Kuntz will die Zukunft von Trainer Marco Kurz beim 1. FC Kaiserslautern nicht unbedingt von der Begegnung in Stuttgart abhängig machen. "Wir versuchen ja hinter den Kulissen alles rauszuholen, damit's doch noch die Wende gibt. Man muss uns als Verein zugestehen, dass wir eine Entscheidung treffen dürfen losgelöst von der Emotionalität eines Spieltags", sagte der Vorstandsvorsitzende des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. "Ich gehe nicht von einer Entscheidung am Wochenende aus." Der FCK tritt an diesem Freitag (20.30 Uhr beim VfB Stuttgart an. Nach 14 Spielen ohne Sieg sowie nur drei Punkten und 16 Toren in 24 Spielen stehen die Lauterer massiv unter Druck. Kuntz erinnerte daran, dass Kurz für den siebten Platz in der ersten Saison nach dem Aufstieg noch als "der nächste Jürgen Klopp" gefeiert worden war. "Acht Monate später ist er angeblich die größte Wurst", meinte der Europameister von 1996. "Von diesen Sachen darf man sich nicht beeinflussen lassen."

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