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Sport kompakt:Jan Ullrich will nicht mehr schweigen

Der frühere Radprofi will sich zum Dopingverdacht äußern, Kenia droht ein Leichathletik-Skandal, Henrik Larsson hört auf. Sport kompakt

"Alte Vorwürfe neu aufgewärmt": Mit dieser Reaktion kommentierte Jan Ullrich die jüngsten Doping-Anschuldigungen. Nach den jüngsten gegen ihn erhobenen Doping-Verdächtigungen hat Jan Ullrich angekündigt, "zu gegebener Zeit" seine Sicht der Dinge erläutern zu wollen. Dies ließ der frühere Radprofi am Dienstag auf seiner Internetseite verlauten. Nach der "Wiederholung von bereits bekannten Vorwürfen" und "gezielten Provokationen" wolle er die Diskussion nicht zusätzlich befeuern. Zu eventuellen strafrechtlichen Konsequenzen sagte sein Anwalt Marcus Hotze: "Die geäußerte Vermutung, unserem Mandanten drohe eine Freiheitsstrafe ist ebenso unsinnig wie die Behauptung, er habe eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben. Dem ist tatsächlich nicht so." Nach einem Bericht des Spiegel hat das Bundeskriminalamt ermittelt, dass sich der Ex-Tour-de-France-Sieger von 2003 bis 2006 insgesamt 24 Mal zu Behandlungen beim mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes in Madrid aufgehalten hat. Bislang hat Ullrich Doping stets bestritten.

Nun also gegen Drogba: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestreitet ihr letztes Länderspiel des Jahres am 18. November in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste. Die Afrikaner, die wie die DFB-Elf schon qualifiziert sind für die WM 2010 in Südafrika, ersetzen den ursprünglichen Gegner Ägypten, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag mit. Der Tausch war nötig geworden, weil Afrikameister Ägypten erst am 14. November sein entscheidendes WM-Qualifikationsspiel gegen Algerien bestreitet und - falls diese Partie mit zwei Toren Vorsprung gewonnen wird - am 18. November gegen die Algerier zum Entscheidungsspiel antreten müsste. "Aufgrund dieser Sachlage gab es einfach zu viele Unsicherheiten bei der Planung der Partie in Gelsenkirchen, so dass wir in freundschaftlicher Absprache mit dem ägyptischen Verband entschieden haben, einen anderen Gegner für dieses Datum zu suchen", begründete DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach den Tausch. Auch Bundestrainer Joachim Löw ist froh: "Wir haben für den Termin im November gezielt einen afrikanischen Gegner gesucht, da für uns auf dem Weg zur WM in Südafrika ein Test gegen eine Mannschaft von diesem Kontinent wichtig ist."

Fünf Tage nach seinem Gewinn der Bronzemedaille im Mehrkampf bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in London ist der Russe Juri Rijasanow tödlich mit dem Auto verunglückt. Der 22 Jahre alte Rivale des deutschen Turnstars Fabian Hambüchen war am Dienstag nach Angaben eines Verbandssprechers auf der Autobahn unterwegs in seine Heimatstadt Wladimir, als er frontal mit einem anderen Wagen zusammenstieß. Rijasanow war auf der Stelle tot. Juri Rijasanow war die große Hoffnung unter den russischen Kunstturnern. Er hatte in London die erste Mehrkampf-Medaille für sein Land nach rund zehn Jahren gewonnen.

Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs in zahlreichen Leichtathletik-Trainingscamps sorgt im Läuferland Kenia für große Aufregung. So wurde unlängst ein Camp in Kericho geschlossen, nachdem mehrere jugendliche Athletinnen schwanger geworden waren. Immer wieder werden junge Läufer und Läuferinnen in dem ostafrikanischen Land mit falschen finanziellen Versprechungen in die Camps gelockt. "Den Eltern von drei jungen Mädchen wurde für ihren Wechsel vom Trainingscamp in Nyahururu in Zentral-Kenia nach Eldoret beispielsweise jeweils 26.670 Dollar pro Jahr versprochen. Dies war eine Lüge", sagte der französische Trainer Francis Kamau. Die Zustände in den über 20 kritisierten Camps im Lande seien besorgniserregend, meist gebe es keinen Strom und kein fließendes Wasser. Oft gebe es nur eine Person, die für alle Belange zuständig sei. Der kenianische Leichtathletik-Verband distanziert sich von den Praktiken, beklagt zugleich fehlenden Einfluss. "Wir haben aber gerade ein neues Regelwerk erstellt und sind dabei, die Klubs daraufhin zu überprüfen. Unsere Position ist klar: Athleten sollten in einem freundlichen und gesunden Umfeld trainieren. Die Klubs müssen Manager, Trainer und getrennte Unterkünfte für Jungen und Mädchen haben", sagte FA-Chef Isaiah Kiplagat.

Der schwedische Nationalstürmer Henrik Larsson wird nach dem Saisonfinale in der nationalen Meisterschaft Anfang November seine Karriere beenden. "Ich bin mir jetzt hundertprozentig sicher. Ich bin 38, jetzt ist es genug. Dann werde ich nachdenken, was ich nach dem Fußball machen werde", teilte er mit. Larsson bestritt sein letztes Länderspiel für Schweden am 10. Oktober bei der 0:1-Niederlage in der WM-Qualifikation in Dänemark. Henrik Larsson hat in seiner Karriere bereits für Feyenoord Rotterdam, Celtic Glasgow, den FC Barcelona und Manchester United gespielt. Mit Barcelona gewann Larsson 2006 die Champions League, 1994 belegte er mit der Nationalmannschaft bei der WM in den USA Rang drei. 2001 sicherte sich Larsson den "Goldenen Ball" für den erfolgreichsten europäischen Torjäger.

FIFA-Präsident Joseph Blatter strebt eine vierte Amtszeit beim Fußball-Weltverband an. "Ich habe meine Mission noch nicht erfüllt. Ich hoffe, dass mir der Kongress 2011 wieder das Vertrauen aussprechen wird. Ansonsten werde ich in mein Heimatdorf Visp zurückgehen und Boccia spielen", sagte der Schweizer der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport. Blatter ist seit 1998 FIFA-Präsident. Damals hatte der 73-Jährige die Nachfolge von Joao Havelange angetreten. In der Vergangenheit war auch Franz Beckenbauer als möglicher neuer FIFA-Präsident ins Gespräch gebracht worden. Der Walliser möchte noch einige Projekte vorantreiben, wie die 6+5-Quotenregelung für ausländische Spieler in den Ligen oder die Einführung des Torrichters. Zugleich wehrte sich Blatter gegen die Kritik, kurzfristig eine Setzliste für die Play-off-Spiele zur Fußball-WM eingeführt zu haben: "Das hätten wir früher mitteilen sollen. Bei der WM werden die besten Mannschaften der Welt spielen. Wer nicht dabei ist, hat es auch nicht verdient." Die Regelung, dass sich der amtierende Weltmeister auch in der Zukunft qualifizieren muss, werde auch weiterhin Bestand haben.

Der Vorgänger wird wahrscheinlich auch der Nachfolger: Nach der Entlassung von Fußball-Nationaltrainer Joel Santana beim WM-Gastgeber Südafrika deutet vieles darauf hin, dass Santanas brasilianischer Landsmann und Vorgänger Carlos Alberto Parreira den Posten übernehmen wird. "Es gibt starke Anzeichen, dass sie die brasilianische Schule halten wollen, die sich perfekt an den südafrikanischen Fußball angepasst hat. Es gibt die Möglichkeit, dass ich eine Einladung erhalte. Ich wäre dazu geneigt, diese zu analysieren, falls es zutrifft", erklärte Parreira: "Der Trainer, der das Amt übernimmt, muss die Sperre in den Köpfen der Spieler lösen." Santana hatte im April 2008 Parreira abgelöst, der Brasilien 1994 zum WM-Titel geführt hatte. Parreira verzichtete aus privaten Gründen auf ein weiteres Engagement, nachdem seine Ehefrau schwer erkrankt war.

Nach einer hinter den eigenen Ansprüchen zurückliegenden Saison rüstet der Milram-Radrennstall weiter auf. Das einzige deutsche ProTour-Team hat nun den Bahn-Olympiazweiten Roger Kluge verpflichtet. Der 23-Jährige unterzeichnete am Rande des Sechstagerennens von Amsterdam einen Vertrag über ein Jahr. "Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen. Ziel bleibt zunächst die Bahn-WM Ende März, anschließend die Klassiker", sagte Kluge der Lausitzer Rundschau. Kluge, an dem auch der Columbia-Rennstall um Rolf Aldag Interesse gezeigt hatte, ist nach Dominik Nerz, dem Australier Luke Roberts sowie den Belgiern Roy Sentjens und Wim De Vocht bereits der fünfte Neuzugang. Milram hatte in diesem Jahr 25 Siege angestrebt, am Ende waren es lediglich acht.

Die Sorgen um den Rekordsturm der Fußball-Bundesliga werden immer größer. Vor dem Champions-League-Heimspiel am Mittwoch gegen Besiktas Istanbul hat sich das Problem des VfL Wolfsburg verschärft, denn keiner der drei Angreifer ist derzeit in Topform. Grafite schwächelt ohnehin schon seit Wochen und war zuletzt nur Joker, doch nun ist auch noch Edin Dzeko angeschlagen. Alternativen hat Trainer Armin Veh gegen das Team des ehemaligen Nationalspielers Fabian Ernst kaum, denn Ersatzstürmer Obafemi Martins spielte zuletzt ebenfalls mäßig und noch dazu unter Schmerzen. "Wir haben drei sehr gute Stürmer", sagte Veh - und hat damit prinzipiell recht. Dass er im dritten Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte gegen den türkischen Meister und Pokalsieger wieder einen Drei-Mann-Sturm aufbietet wie beim Auftaktsieg gegen ZSKA Moskau, ist jedoch unwahrscheinlich. Bangen muss der VfL vor allem um Edin Dzeko, den derzeit besten Offensivmann. Der bosnische Nationalspieler klagt über eine Oberschenkelprellung. "Es tut sehr weh", sagte Dzeko. "Ich kann nur hoffen, dass es bis Mittwoch wieder besser ist."