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Corona-Maßnahmen:Der Sport darf nicht den ganzen Winter über dicht machen

Coronavirus - kein Freizeitsport

Auch dieser Sportplatz bleibt wegen der Ausbreitung des Coronavirus vorübergehend gesperrt.

(Foto: dpa)

Schulen bleiben geöffnet, Sportanlagen müssen schließen. Das schmerzt, denn ist der Sport nicht genau das: Lebensschule?

Kommentar von Claudio Catuogno

Zum Beispiel das Papier "Return to play", das der Bayerische Fußball-Verband (BFV) seinen Jugendtrainern im Frühsommer an die Hand gegeben hatte - als es galt, die Kinder aus der Isolation auf den Sportplatz zurückzuholen, dort aber die vorgegebenen Corona-Abstände einzuhalten. 19 Seiten sind das mit verschiedenen "Übungsformen zur Gestaltung eines eingeschränkten Trainingsbetriebs". Da lassen sich "Freilauf- und Deckungsverhalten" in sogenannten "Tabuzonen" schulen, da signalisieren Hütchen und Steckstangen auch den Kleinsten: So nahe dürft ihr euch kommen, wenn ihr euch zum Torschuss oder zur "Steil-Klatsch-Steil"-Übung bereitmacht, näher aber nicht.

Die 19 Seiten sind jetzt erst mal nichts mehr wert; ebenso wenig wie das dazugehörige Musterhygienekonzept: Maske tragen bis zum Trainingsplatz, Bälle nur mit den Füßen berühren, Torwarthandschuhe nicht an Mitspieler weitergeben, Trainingsutensilien desinfizieren - und zum Pieseln geht's zur Not in die Büsche, weil Umkleiden und Sanitärbereiche geschlossen bleiben müssen. Statt "Return to play", trotz Corona, lautet die Devise jetzt wieder: Don't play, wegen Corona. Der Sport wird dichtgemacht - zwar nicht der Sport in den Bundesligen, wo man sich mit Geisterspielen behilft, aber jener Sport, den in Deutschland zirka 90 000 Vereine anbieten, und der vielen Millionen Mitgliedern offenbar wichtig ist, darunter in großer Zahl Kinder und Jugendliche.

Den Vereinen geht es ab Montag nicht anders als vielen weiteren Begegnungsorten in Zeiten der Begegnungsgefahr: Theatern, Konzerthäusern, Opern, Kinos, Museen, Gaststätten, Hotels. Sie alle hatten ihre Hygienekonzepte, sie alle glaubten, sich verantwortungsvoll an die Pandemie angepasst zu haben - Return to Arts, Return to Schweinebraten -, sie alle müssen nun aber feststellen, dass die oft klugen Detail-Lösungen jetzt nicht mehr gefragt sind. Und so richtig übel nehmen können sie das der Politik noch nicht mal: Wenn alle ein Hygienekonzept haben, aber die Infektionszahlen trotzdem explodieren - dann muss man wohl mal für eine Weile die Strategie ändern.

Der Sport ist für viele eine wichtige Stütze

Trotzdem schmerzt es, und es darf nicht den ganzen langen Winter so undifferenziert weitergehen. Das beginnt schon damit, dass die Bund-Länder-Runde aus Kanzlerin und Ministerpräsidenten den Sport als Teil des Lebensbereichs "Freizeitangebote" zusperrt: So, wie man Spielhöllen und Bordelle dicht macht, so schließt man halt auch die Bezirkssportanlage. Als sei der Sport eine Art Eskapismus in kurzen Hosen.

Das ist er nicht, und darauf muss er genauso hinweisen, wie der Museumsleiter oder die Theaterchefin, die sich nun ebenfalls einer Art Freizeit-Industrie zugerechnet sehen. Dabei sind Museen Bildungseinrichtungen! Und wie kann man pauschal den Sport verbieten, wo man doch diesmal erkannt hat, dass Schulen offen bleiben müssen? Ist Sport nicht genau das: Lebensschule?

Der Sport, auch das zeigt sich gerade, mag in vielen Bereichen des Profigeschäfts auf kranke Weise finanziert sein. Aber das ändert nichts an seiner Bedeutung: Sport ist gesund. Natürlich muss jetzt vieles pausieren: Fahrgemeinschaften zum Wettkampf, Spielbetrieb mit Zweikämpfen, Mannschaftsansprachen in der Kabine. Und das Aerobic- oder Yoga-Angebot funktioniert auch noch mal eine Zeitlang digital statt in der Turnhalle. Aber acht 13-Jährige auf dem Dorfsportplatz, die sich aus der Distanz die Bälle zupassen? Zwei Seniorinnen, die sich in einer gut gelüfteten Tennishalle an der Grundlinie gegenüberstehen? Nach allem, was man weiß, ist das nicht der Treiber der Pandemie. Es ist für viele die wichtigste Stütze, um halbwegs unbeschadet durch sie hindurch zu kommen.

© SZ vom 31.10.2020

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