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Spitzentalent Martin Ødegaard:Trumpfkarte Guardiola

Sie wollen nicht zu triumphierend klingen, einerseits. Andererseits können sie sich auch wirklich noch nicht sicher sein.

Vor allem Real Madrid sei "ein aggressiver Mitbewerber", heißt es bei den Bayern, die Spanier haben den jungen Norweger kürzlich im Learjet einfliegen lassen. Natürlich wirbt auch der FC Barcelona mit der Neuauflage einer Messi-Story, der einst als viel zu klein gewachsener 13-Jähriger zu den Katalanen wechselte und dort ein bisschen größer, vor allem aber ein Großer wurde. Natürlich scheuen auch Chelsea, Liverpool, sämtliche Manchesters sowie diverse andere Klubs weder Mühen noch Reise- oder sonstige Kosten, um den jungen Mann und seinen Vater davon zu überzeugen, dass sie und nur sie der richtige Klub für die seriöse Weiterentwicklung eines in Kürze 16-jährigen Fußballers sind. Die nicht ganz so großen Klubs sagen dem jungen Mann, wie wichtig ein Zwischenschritt in einer Karriere sein kann; die ganz großen Klubs sagen, dass ein Zwischenschritt Quatsch ist (oder, auf Bayerisch: Schmarrn). Die Münchner haben aber noch ein weiteres wuchtiges Argument zu bieten, eines, das am Ende "die Trumpfkarte" sein könnte, wie es im Verein heißt.

Dieses Argument lautet: Pep Guardiola.

Guardiola sei sehr angetan gewesen, heißt es, vom taktischen Verständnis, vom Spielinstinkt und von den Passlösungen dieses jungen Spielers, den Experten als eine Nummer achteinhalb bezeichnen, also als einen Spieler, der sich nicht entscheiden kann, ob er lieber ein offensiver Achter oder ein defensiver Zehner ist. Guardiola soll nun der Standortvorteil der Bayern werden, auch der Trainer hat ja mit dem Spieler und dessen Vater gesprochen, und die Ødegaards haben offenbar deutlich zu erkennen gegeben, wie sehr sie Guardiolas grünen Daumen für Talente schätzen.

Bis Ende Januar wird eine Entscheidung der Familie Ødegaard erwartet, die Bayern fühlen sich mindestens als Mitfavorit. Käme der Spieler, könnten sie in Ruhe seine Perspektiven inklusive einer möglichen Ausleihe besprechen, außerdem hätte der frühe Transfer einen weiteren Vorteil. Vier sogenannte local players muss jeder Verein inzwischen in seiner Kaderliste nachweisen, diesen Stempel erwerben Talente nach drei Jahren Klubzugehörigkeit. Ab 2018 wäre Martin Ødegaard aus Drammen in Norwegen also ein Spieler, den der FC Bayern selbst ausgebildet hat.

© SZ vom 15.12.2014
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