FC Bayern und 1. FC Nürnberg Amtlich zertifizierte Leasingexperten

Verschwörungstheorien sind vor dem 184. Derby zwischen München und Nürnberg kein Thema mehr. Einst war ein Spielerwechsel zwischen den Nachbarn eine heikle Angelegenheit - dieser Tage sind die Bayern mit diversen Ausleihgeschäften gar eine Art Entwicklungshelfer für den fränkischen Rivalen. Wird Nils Petersen der nächste Münchner im Club-Trikot?

Von Christof Kneer

Manfred Schwabl ist ganz schön froh, dass es damals noch keine Fan-Foren gab. Dass sich also niemand im Internet hinter einem Pseudonym verschanzen konnte, um ihn, Schwabl, zu beschimpfen. Ihm haben sie wenigstens noch Briefe geschrieben damals, so richtig mit Absender, manchmal haben ihm die Leute auf der Straße auch offen ins Gesicht gebrüllt. Schwabl kann nicht behaupten, dass ihm das gefallen hat, aber er kannte wenigstens den Feind. Der Feind, das waren jene Zuschauer, die ihm kurz zuvor noch zugejubelt hatten.

1978 trug Uli Hoeneß (links) das Trikot des FCN - und spielte sogar gegen seinen geliebten FC Bayern mit Karl-Heinz Rummenigge (rechts). Mit dem Wechsel des heutigen Bayern-Präsidenten nach Franken veränderte sich das Verhältnis der beiden Vereine.

(Foto: imago sportfotodienst)

Manni Schwabl hat am 23. April 1994 einen Elfmeter verschossen, er steckte dabei im Trikot des 1. FC Nürnberg. Der Torwart, der den Elfmeter abwehrte, hieß Raimond Aumann und steckte im Trikot des FC Bayern. Im selben Spiel hat der Münchner Helmer das sogenannte Phantomtor erzielt, es war das nichtgeschossenste Tor, das jemals gezählt wurde. Dieses Tor, das nicht drin war, spielt keine große Rolle mehr in seinem Leben, anders als der Elfmeter, der auch nicht drin war.

"Weil ich von den Bayern kam, haben die Club-Fans mir vorgeworfen, ich hätt' absichtlich vorbei geschossen oder gar, die Bayern hätten mir Geld bezahlt." Tief drin in seinem Schwablherz trifft ihn das immer noch, "kompletter Nonsens", sagt er, und es wisse doch jeder, "dass das total gegen mein Naturell wäre". Aber nun, es ging um Bayern und den Club, um den Freistaat und um Franken. Es gibt schlechtere Böden, um Verschwörungstheorien blühen zu lassen.

Am Wochenende wird nun das 184. Derby ausgetragen, wie die Chronisten tapfer errechnet haben, für die Hardcore-Fans ist das immer noch Anlass für strenge Rivalität, aber unter den Verantwortlichen findet sich keiner, der dem anderen niedere Motive unterstellt. Club-Trainer Dieter Hecking hat zwar demonstrativ auf Dortmund als Meister getippt, er sagt aber auch: "Wenn Sie die Leute auf dem Hauptmarkt in Nürnberg fragen, wer gewinnt, dann finden Sie nicht so viele, die uns nennen."

Heute schäumt keiner mehr

Der Sport beim 1. FC Nürnberg wird inzwischen von Typen verantwortet, die so trocken sein können, dass manchmal fast der Rasensprenger angeht. Manager Martin Bader, ein Schwabe mit Migrationshintergrund bei Hertha BSC, ist ein nüchterner Mann, der mit den Bayern nüchterne Geschäfte macht. Von der wilden Zeit, in der populismusbegabte Präsidenten wie Schmelzer und Roth die Bühne enterten, ist der Club so weit entfernt wie Manni Schwabl von einem absichtlich verschossenen Elfmeter. Schmelzer hat vernehmbar geschäumt, als ihm die Bayern in den achtziger Jahren Spieler Eder, Reuter oder Grahammer entwendeten. Heute? Schäumt keiner mehr.

Zwar herrscht immer noch hohes Verkehrsaufkommen auf der Autobahn zwischen München und Nürnberg, aber in letzter Zeit ist die A9 vor allem in der Gegenrichtung befahren worden. Es waren die Nürnberger, die Bayern-Profis wie Andreas Ottl, Breno und Mehmet Ekici leihweise in die Stadt gelockt haben, und alle drei haben dieselbe Erfahrung gemacht. Sie wurden nicht misstrauisch empfangen wie Spieler, die vom bösen Rivalen kommen. Sie wurden so gut aufgenommen, dass bei Manager Bader noch heute Mails eingehen, die ihn auffordern, Breno zurückzuholen.

Breno hat nur sieben Spiele gemacht für den Club, bevor ihm das Kreuzband riss. Aber das war genug, um ihm den Nachnamen "Fußballgott" einzubringen. "Unsere Fans haben ein gutes Gespür ", sagt Bader, "wenn einer seriöse Leistung bringt, darf er auch aus München sein." Ohnehin gebe es zwischen Bayern und dem Club "nicht dieselbe Augenhöhe wie bei Schalke und Dortmund, deshalb können hier alle froh sein, wenn ein Bayern-Profi zu uns kommt".

Duelle Nürnberg vs FC Bayern

Allmächd, ein Phantomtor!