Pokalfinale im spanischen Fußball:Pfeif drauf

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Im spanischen Pokalfinale treffen Basken auf Katalanen - da geht es nicht nur um Sport: Als der FC Barcelona und Athletic Bilbao zuletzt ein Endspiel bestritten, gab es ein Pfeifkonzert und Stinkefinger gegen die spanische Hymne. Zudem sitzt Trainer Pep Guardiola am Freitagabend zum letzten Mal auf der Barça-Bank.

Javier Cáceres, Madrid

Vorbeugende Politiker halten immer ein As im Ärmel. Oder eine Nebelkerze, wie immer man es nennen will. In Spanien, in Deutschland, in Timbuktu. In Madrid raunte ein an relevanter Stelle tätiger Mann einmal, dass er immer gewusst habe, wie er auch die schlimmste aller Affären aus den Schlagzeilen bekommen hätte. Er hätte einfach ein Interview gegeben und gesagt: "Wir müssen das Bernabéu-Stadion abreißen." Die Arena, in der Real Madrid spielt.

Lionel Messi, Urko Vera

Brisantes Duell: Lionel Messi vom FC Barcelona und Urko Vera von Athletic Bilbao.

(Foto: AP)

In ähnlicher Manier agierte nun die Regionalregierungschefin von Madrid, die überaus konservative Landesmutter Esperanza Aguirre. Beim Haushaltsdefizit für 2011 hatte sie sich um etwa 100 Prozent vertan; Mitte der Woche gingen Lehrer, Schüler und Studenten wegen der Kürzungen im Bildungssektor auf die Straße; die regionale Sparkasse muss mit mehr als neun Milliarden Euro saniert werden. Doch ein Interview von Aguirre - und schwups war die Rede von etwas völlig anderem.

An diesem Freitag steht nämlich in Madrid das Finale um den spanischen Königspokal zwischen dem FC Barcelona und Athletic Bilbao an, in deren Anhängerschaften sich auch katalanische und baskische Separatisten tummeln. Deren vornehmste Übung besteht darin, bei solchen Gelegenheiten die spanische Hymne auszupfeifen und Stinkefinger in die Höhe zu recken; so geschehen beim letzten Finale zwischen Athletic und Barça, es fand im Sommer 2009 in Valencia statt und endete mit einem 4:1-Sieg für Barcelona.

"Sollte es wieder ein Pfeifkonzert geben und nationale Symbole geschändet werden, würde ich das Finale abbrechen und unter Ausschluss des Publikums aus-tragen", sagte Aguirre - und hatte mindestens eines erreicht: Die Empörung in Katalonien und dem Baskenland war, wie auch das Rauschen der Blätter im ganzen Land, so enorm, dass für diverse Dinge von sozioökonomischer Bedeutung kaum noch Aufmerksamkeit vorhanden war.

Sie möge ihre Worte zurücknehmen, forderte der baskische Regierungschef Patxi López, während Barcelonas Vereinspräsident Sandro Rossell das Recht auf freie Meinungsäußerung reklamierte. Der Sprecher einer Initiative, die jetzt erst recht auf die Hymne pfeifen will, blätterte lange im Geschichtsbuch: Das einzige Mal, dass ein Stadion gesperrt wurde, war im Jahre 1925, als der Militärdiktator Miguel Primo de Rivera die Arena "Les Corts" nach einem Pfeifkonzert schloss. Vorsorglich erklärte das Innenministerium, dass eine Spielabsage nicht zur Debatte stehe.

In dem Ministerium war man ob des nationalistischen Öls, das Aguirre ins Feuer goss, einigermaßen alarmiert, immerhin wird die Polizei auch so genug zu tun haben. In Madrid wurde für Freitag eine Demonstration der antikatalanischen und antibaskischen Ultrarechten erlaubt. Zudem sollen sich schätzungsweise 50.000 Fans aus Bilbao und Barcelona auf dem Weg nach Madrid befinden, nicht wenige davon haben keine Eintrittskarte für das Estadio Vicente Calderón erwerben können.

Zwei erschütterte Mannschaften

Dort wird es ein Spiel zweier Mannschaften geben, die in ihren Grundfesten erschüttert sind; beide Teams sind mit Trainerfragen beschäftigt. Bei Bilbao ist zudem noch nicht verwunden, dass vor wenigen Wochen das Europa-League- Finale verloren ging. Nun steht zur Debatte, ob der rätselhafte Trainer Marcelo Bielsa den Vertrag verlängern wird.

Er selbst hatte gesagt, dass er darüber erst am letzten Tag der Saison reden wolle, also nach dem Pokalfinale. Der Klub und die Mannschaft liegen Bielsa zu Füßen: "Er wollte elf Soldaten, nun hat er ein ganzes Heer, das bereit ist, sein Leben für ihn zu geben, denn nur so kann man ihm alles danken, was er für uns getan hat", sagt Iker Muniain, einer der jüngsten Spieler.

Beim FC Barcelona wiederum kommt man nicht darüber hinweg, dass Trainer Pep Guardiola geht; seit der Ankündigung des Wechsels zu Tito Vilanova, seinem bisherigen Assistenten, hat sich das Ambiente seltsam eingetrübt, aus Gründen, die von außen kaum einsehbar sind.

Johan Cruyff sagte der Zeitung El Periódico, dass absolut klar sei, dass nicht bloß eine Ära zu Ende gehe. Den ersten von bislang 13 Titeln holte Guardiola beim Pfeifkonzert von Valencia gegen Athletic, nun kann der Pokal auch der letzte Titel seiner Trainerzeit werden.

"Der Fußball bietet diese Dinge. Es ist Schicksal. Es wäre schön, den Kreis mit einem Sieg zu schließen", sagt er. In jedem Fall würde König Juan Carlos den Pokal nicht überreichen. Weil er sich noch von den Folgen seines Sturzes bei der Elefantenjagd erholt, wird er von seinem Sohn Felipe vertreten. Und das bedeutet, das Pfeifkonzert wird kürzer, denn protokollarisch steht nur dem Monarchen die Langfassung der Nationalhymne zu. Die Kurzversion dauert lediglich 27 Sekunden.

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