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Clásico Real gegen Barça:Ein bisschen Kunst und solide Arbeit

Real Madrid's Ozil fights for the ball with Barcelona's Busquets during their Spanish King's Cup semi final first leg soccer match in Madrid

Mesut Özil (links) kämpft gegen Sergio Busquets um den Ball. 

(Foto: REUTERS)

Wieder einmal kann Real Madrid gegen Barcelona nicht gewinnen: Beim 1:1 im Halbfinal-Hinspiel des Copa del Rey verhindert erst ein später Treffer von Abwehrmann Varane eine Pleite gegen Barça. Die Katalanen zeigen sich als das stärkere der beiden Teams - und ärgern sich über den vergebenen Sieg.

Den spanischen Fußball-Aficionados hatten die Madrider Schlagzeilenmacher der Sportzeitung Marca in diesen Tagen Erstaunliches zu berichten. Über 2000 Karten seien für das erste Pokal-Halbfinale noch zu haben, stand in einem Artikel auf ihrer Homepage. Überraschend war diese Erkenntnis deswegen, weil nicht etwa irgendwelche Dorfklubs aus der andalusischen Prärie aufeinander trafen, sondern die "Galaktischen" von Real Madrid und die Künstlervereinigung aus Barcelona. Dieses ruhmreiche Duell ist nicht nur für Liebhaber das größtmögliche Spektakel auf Europas Fußballplätzen.

Doch weil El Clásico nun schon zum 15. Mal binnen 26 Monaten aufgeführt wurde, schienen selbst die Treuesten ein wenig träge beim Ticketkauf. Ronaldo gegen Messi, Königliche gegen Katalanen, Einzelkönner gegen Kollektiv - es existieren gewiss eine Menge Gründe, dieses Riesenereignis live mitzuerleben und so pilgerten zum Anpfiff dann doch genügend Kurzentschlossene in die Madrider Fußball-Kathedrale Santiago Bernabéu. Ganz Spanien und über 500 Millionen TV-Zuschauer (und ganz bestimmt auch der Rest der Welt) durften also einmal mehr gespannt sein, wer sich im Hinspiel der Copa del Rey noch einen Tick überirdischer präsentieren würde.

Nach 90 kurzweiligen, ansehnlichen Minuten reifte schließlich die Gewissheit, dass Barcelona derzeit nicht umsonst in der Liga weit vor den strauchelnden Madrilenen liegt. 1:1 (0:0) endete die Partie nach einer streckenweise überzeugenden Darbietung Barças, während Real im Rückspiel nun unter Druck steht. Die Treffer erzielten Cesc Fàbregas (50. Minute) und Rafael Varane (81.) - dabei hätte Barcelona durchaus gewinnen können.

In ganzem galaktischen Glanz war Real dieses Mal gar nicht angetreten, denn mit Torhüter Iker Casillas und Defensiv-Griesgram Pepe fehlten gleich zwei wichtige Stützen verletzt. Dazu gesellten sich die gesperrten Sergio Ramos, Ángel Di María und Fabio Coentrão - zumindest die ersten drei gehören sonst zum Stammpersonal von Trainer José Mourinho, das in solch bedeutenden Spielen stets auch Mesut Özil und Sami Khedira umfasst. Zum Protagonisten der Anfangsphase avancierte dann aber Ronaldo, dessen tückischen Freistoß Barcelonas Ersatzkeeper José Manuel Pinto gerade noch abwehren konnte (2.).

Der Portugiese und sein kleiner Widersacher Messi waren an diesem Abend natürlich als Ober-Überirdische vorgesehen, findige Rechercheure hatten jede noch so absurde Statistik der beiden errechnet und es hätte wohl nicht viel gefehlt, ehe die beiden einfach alleine gegeneinander angetreten wären. Dass aber noch andere Akteure mitspielten, offenbarte die 13. Minute, als Iniesta (noch so ein Extraterrestrischer) den Ball zu Jordi Alba lupfte und der überhastet vorbeischoss. Interessant war das alles anzuschauen, auch wenn längst noch nicht jede Aktion musealem Kunstanspruch genügte wie etwa Xavis ruhendes Zirkelgemälde an die Latte des Real-Tores (21.).

Das Bernabéu erstarrt in Stille

Wie beim Schlendern durch den Prado agierte dann auch Madrids Verteidiger Carvalho, dessen zu kurz geratenen Rückpass Cesc Fàbregas abfing und nach hinten legte - den folgenden Gewaltschuss von Xavi wehrte Varane auf der Linie mit der Hacke ab (24.). Noch ehe die "Königlichen" allzu zittrig werden konnten, rollte schon der Gegenangriff, den Karim Benzema mit einem Volleyversuch an den Pfosten abschloss (27.). An Unterhaltungswert mangelte es diesem flotten Kick trotz fehlender Tore in der Folge nicht, pingeliges Abwarten ist eben keine prägende Tugend eines Clásicos.

Daran änderte sich auch nach der Pause nichts. Real ärgerte sich gerade noch über eine vergebene Chance durch Benzema, als plötzlich Fàbregas durch einen Direktpass von Messi frei vor dem Real-Gehäuse auftauchte und überlegt zum 0:1 verwandelte (50.). Wie so oft in der näheren Vergangenheit führte Barcelona im Bernabéu, das nun in erschrockener Stille erstarrte. Das Ergebnis war keine ausgemachte Ungerechtigkeit des Fußballs - schließlich agierten die Katalanen gewohnt ballsicher und konzentriert, während Reals Einzelartisten Ronaldo oder Özil sich immer öfter verzettelten.

Einzig bei einer Kopfballmöglichkeit (60.) und einer Konterchance (abgegrätscht von Gerard Piqué, 67.) des Portugiesen brandete kurz Gefahr für die Gäste auf. Barcelona musste keine außergewöhnliche Kunstfertigkeit beweisen, es reichte nun reines Handwerk. Flache Pässe kreiselten zwischen den blauroten Beinen hin und her, Iniesta und Xavi mutierten zu wandelnden Billardbanden und alles sah so aus wie immer: Barcelona bei der Arbeit sozusagen.

Dass zum Repertoire der wohl besten Mannschaft der Welt auch gepflegtes Konterspiel gehört, offenbarte die Schlussphase: Erst zielte Fàbregas nach Pass von Alves knapp drüber (70.), dann sauste Außenstürmer Pedro auf und davon, ehe sein eleganter Chip um Zentimeter am Tor vorbeizischte (73.). Irgendwie deutete wenig auf ein Comeback der Hausherren hin, weshalb der Ausgleich dann recht überraschend kam: Özil schlug eine weite Flanke von der rechten Seite, die der starke Abwehrmann Varane vom Elfmeterpunkt zum 1:1 einköpfelte (81.).

Barça war zu lässig mit seinen Chancen umgegangen, Real bewies nun zumindest seine Effizienz, denn recht viel Königlich-Erhabenes hatte Madrid nicht gezeigt. Es blieb beim Remis, weil auch Messi noch einmal eine Gelegenheit vergab (89.) - somit darf Barcelona beim nächsten Klassiker im Rückspiel in vier Wochen als leichter Favorit gelten.

© SZ.de/jbe/fran
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