Spanische Teams in Europa Triumph auf Pump

Es ist wirklich eine starke Bilanz: Fünf der acht Halbfinalisten in Champions League und Europa League kommen aus Spanien. Doch das Land ist hochverschuldet, Spaniens Profi-Klubs stehen offiziell mit 752 Millionen Euro bei den Finanzämtern in der Kreide. Die Steuerschuld wird angesichts des historischen Triumphes flugs umgedeutet: in eine Art Vergnügungssteuer.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

"Wir dominieren den Kontinent!", lautet die Schlagzeile, und sie kommt aus Spanien. Was hätten sie sich in Brüssel gefreut, wenn diese Jubelzeile nur der Politik und dem Euro gegolten hätte. Doch formuliert hat sie Marca, ein Fachblatt, das sich auf Sport, vornehmlich Fußball begrenzt. Und es ist ja wirklich eine starke Bilanz, fünf der acht Halbfinalisten in Champions League (Real Madrid, FC Barcelona) und Europa League (Atlético Madrid, Athletic Bilbao, FC Valencia) kommen aus Spanien, das sich gerade mächtig anstrengt, den Euro tiefer in die Knie zu zwingen.

Teure Tore: Cristiano Ronaldo (Mitte) trifft für Real Madrid.

(Foto: REUTERS)

Denn darum kreisen die übrigen Schlagzeilen zum Oster-Wochenende: dass Griechenland längst nicht das Ende war, dass der Haushalt in Madrid von Tag zu Tag mehr in Schieflage gerät, und dass der Staat die Zinsen kaum zahlen kann, zu denen er weltweit verschuldet ist.

Der Fußball wird dabei nicht helfen. Zwar stehen Spaniens Profi-Klubs mit 752 Millionen Euro bei ihren Finanzämtern in der Kreide, doch ein Rückzahlungsplan existiert nicht. Im Gegenteil, die Steuerschuld wird angesichts des historischen Triumphes, der auf Pump geschah, flugs umgedeutet: in eine Art Vergnügungssteuer.

Doch nur kein Neid, die Spanier wissen selbst, dass sie im Brot-und-Spiele-Modus leben: "Der Fußball bringt zwar keinen Ausweg aus der Krise, aber er bereitet uns ein paar Freuden, die wir dringender nötig haben als je zuvor", schreibt der Chefredakteur des Sportblattes AS, und fügt an: "Nun können Leute kommen und behaupten, dass es Vereine einfacher haben, gute Fußballer unter Vertrag zu nehmen, wenn sie ihre Steuern ans Finanzamt nicht zahlen. Leider ist dieser Vorwurf berechtigt."

Hannover 96 hätte zum Beispiel über Wettbewerbsverzerrung klagen können, gilt doch Viertelfinal-Bezwinger Atletico Madrid mit 200 Millionen Euro als größter Steuersünder der Primera División. Und als sie dort 2011 den Stürmer Sergio Agüero für 45 Millionen Euro an Manchester City verkauften, haben sie nicht etwa ihre Steuern zurückgezahlt, sondern gegen 40 Millionen den Stürmer Falcao verpflichtet, der in Hannover das 2:1 besiegelte. Lässt man das Geld einmal kurz weg: Sie können wirklich prima kicken, dort unten. Aber die Rechnung, die der Kontinent zusammen zahlt, wird durch dieses Vergnügen nicht entlastet.

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