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Spanien und Italien spielen Remis:Der Rasen war schuld

Prandelli dagegen vertraute zwei Stürmern, Antonio Cassano und Mario Balotelli, ebenfalls ungewöhnlich in den Zeiten des Ein-Mann-Sturms. Doch indem sie aus ihrer Defensive schnörkellos nach vorne spielten, ergaben sich häufig Überzahlsituationen. "Wir wollten nicht nur hinten drin stehen", sagte Prandelli, "die Mannschaft hat sich an meine Anweisungen gehalten, wir haben ein gutes Spiel gemacht." So parierte Casillas einen Freistoß von Andrea Pirlo (13.), wenige Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit wehrte er glänzend einen Kopfball von Cassano ab. Immer wieder wurde dabei offensichtlich, wie verwundbar die spanische Abwehrreihe ist, der ein wesentlicher Stabilisator fehlt: der ebenfalls verletzte Carlos Puyol.

Glossar zur Fußball-EM

#Langeweile #Saufen_mit_Wiese

In der zweiten Halbzeit spielten die Spanier weiter ohne Stürmer, aber sie erhöhten nun das Tempo. "In den zweiten 45 Minuten hat sich das Spiel geöffnet", sagte Vicente del Bosque.In der 50. Minute testete Fabregas mit einem Fernschuss erstmals, ob Buffon gut drauf war. Buffon war gut drauf: Er parierte sicher.

In der 57. Minute wurde dann ein Stürmer eingewechselt. Bei den Italienern. Für Balotteli kam Antonio Di Natale - und der Angreifer von Udinese Calcio traf mit der ersten Ballberührung. Andrea Pirlo legte vor, Di Natale spitzelte den Ball ins lange Eck, so einfach kann das mit dem Toreschießen sein (60.).

Einfach ist aber nicht der Anspruch, den die Spanier an das Toreschießen stellen, schön soll es sein, elegant, majestätisch. Diese ästhetische Einzigartigkeit demonstrierten die Spieler des Turnier-Favoriten vier Minuten nach dem Rückstand. David Silva erhielt den Ball, um ihn herum standen nur blaue Verteidiger.

Silva schaute kurz auf, dann schnippelte er den Ball in den Strafraum, zwischen drei Italienern durch, in den Lauf von Fabregas, der etwas Außergewöhnliches machte: Er verwandelte eiskalt. "Was uns wirklich enttäuscht, ist die Tatsache, dass sie so schnell zum Ausgleich gekommen sind", ärgerte sich Prandelli.

In der 74. Minute wechselte del Bosque dann doch Torres ein. Und schon mit dem ersten Ballkontakt sorgte dieser für Gefahr und verwickelte Buffon in einen Zweikampf. Buffon siegte, aber er war ja auch gut drauf. Mit Torres hatten die Spanier nun vorne eine Anspielstation, der die müder und müder werdende Abwehr dauerhaft beschäftigte.

In der 85. Minute etwa sah Torres, dass Buffon zu weit vor dem Tor stand, er lupfte, schön und elegant - aber der Ball flog über die Latte. Und so scheiterte der Favorit scheiterte am Anspruch an die eigene Schönheit. "Das war ein schweres Spiel gegen den schwersten Gruppengegner", sagte Fabregas, "das Remis ist nicht schlecht, mit zwei Siegen können wir immer noch Gruppensieger werden. An einem guten Tag sind wir nicht zu schlagen." Del Bosque sagte dagegen: "Ob das 1:1 ein gutes Ergebnis ist, wird sich in den nächsten Spielen zeigen."

Den Schuldigen für das Unentschieden hatten die Spanier schon während der Partie gefunden, sie legten auch gleich Protest beim vierten Offiziellen ein: Der Rasen sei zu hoch, zu stumpf, zu trocken gewesen.