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Spanischer Supercup:TV-Sender verzichten auf Übertragung

Als hätten sie die Argumentationsmuster des FC Bayern in Sachen Katar plagiiert, spricht Spaniens Verband davon, sich in Saudi-Arabien einbringen und dabei "helfen" zu wollen, "das Land zu transformieren". Erster Erfolg: Frauen dürften ins Stadion, sogar in Kleidung ihrer Wahl. Vorausgesetzt natürlich, sie sitzen nicht gerade wie al-Hatloul ein, weil sie glatt noch weitergehende Rechte gefordert hatte - und dafür nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wie eben Amnesty gefoltert und sexuell misshandelt wurde. Und dennoch: Rubiales schaffte es sogar, den neuen Supercup umzutiteln; "Cup der Gleichheit" nennt er ihn. Der "Gleichheit" zwischen Mann und Frau, wohlgemerkt.

Gleichwohl: Auch in Spanien regte sich Kritik an der Vergabe des Turniers, unter anderem von Vero Boquete, der berühmtesten Frauen-Fußballnationalspielerin des Landes. Man belohne Unterdrücker, statt sie zu strafen, klagte sie. Deutlich zurückhaltender war die Politik, vielleicht auch wegen milliardenschwerer Aufträge in der Wüste; vor ein paar Jahren wurden Mekka und Medina mit spanischen Hochgeschwindigkeitszügen verbunden. "Ich habe keine Meinung, ich bin Basketballer", sagte jedenfalls der am Dienstag neuerlich zum Ministerpräsidenten gewählte Sozialist Pedro Sánchez, als er auf den Supercup angesprochen wurde.

Auch Valencia protestiert - aber nicht wegen der Menschenrechte

An anderer Stelle tat man sich schwerer, den neuen Höchststand an offiziell bestätigten Hinrichtungen seit 24 Jahren (187 in 2019) oder die bestialische Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi auszublenden. Der Staatssender RTVE verzichtete unter ausdrücklichem Verweis auf die Menschenrechte auf die Übertragung des Supercups, musste sich aber vom saudischen Botschafter in Madrid Heuchelei vorwerfen lassen. Die Rallye Dakar, die nun auch in Saudi-Arabien stattfindet, wird kommentarlos gesendet, höhnte er. Nachdem sich Privatsender der RTVE-Position angeschlossen hatten, drohte Rubiales wiederum dem Staatssender mit einem Rechtsstreit. RTVE habe "aus essenziell politischen Gründen" auf die Übertragung verzichtet und damit "offenkundig eine Verzerrung des Wettbewerbs" herbeigeführt, Spaniens Verband gehe Geld verloren.

Es ist übrigens nicht der einzige Rechtsstreit, der droht. Auch der teilnehmende Klub FC Valencia erwägt Rechtsschritte gegen den Verband. Denn die Teilnahmeprämien wurden so gestaffelt, dass der FC Barcelona und Real Madrid je 6,8 Millionen Euro erhalten - 4,3 Millionen Euro mehr als Valencia. In der Stadt regten sich Stimmen, die wegen des Prinzips einen Boykott forderten. Also wegen des Prinzips der Gleichbehandlung der Klubs, nicht wegen der Menschenrechte, versteht sich. Ohne Cup-Sieger Valencia hätte ein Supercup keinen Sinn gehabt, ob in Spanien oder in Saudi-Arabien. Doch siehe: Am Ende waren dem FC Valencia 2,5 Millionen Euro Prämie dann doch wichtiger als das Prinzip. Und als al-Hathlou sowieso.

© SZ vom 08.01.2020/sonn
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