Fußball-WM Spanien holt Hierro als Lopetegui-Nachfolger

  • Einen Tag vor dem WM-Start trennt sich Spanien von Nationalcoach Julen Lopetegui.
  • Der Verband spricht von einem nötigen Schritt - und ernennt den bisherigen Sportdirektor Fernando Hierro zum Nachfolger.
  • Am Dienstag war bekannt geworden, dass Lopetegui demnächst Real Madrid trainiert. Der Verband hatte von all dem nichts gewusst.
Von Jonas Beckenkamp

Wie man Weltmeister wird, wissen sie in Spanien spätestens seit dem Jahr 2010. Damals gewannen Xavi, Iniesta & Co. in Südafrika erstmals den Titel - es war der große Triumph einer Spielidee, eines Teams, das damals einfach mal dran war. Die Frage ist, ob die Spanier jetzt, acht Jahre danach, noch einmal eine Chance auf das große Ding haben. Nach aktueller Lage könnte es schwierig werden, denn just einen Tag vor dem Start der WM in Russland stand die Nationalelf kurzfristig ohne Coach da.

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Der spanische Fußballverband hat sich an diesem Mittwoch völlig unvermittelt von seinem Nationaltrainer Julen Lopetegui getrennt - und versucht es nun ersatzweise mit dem bisherigen Sportdirektor Fernando Hierro als Trainer. Natürlich passiert so eine Volte nicht ohne Grund - und die Erklärung für den radikalen Schritt folgte prompt. Erst tags zuvor war der Wechsel Lopeteguis zu Real Madrid nach der Weltmeisterschaft in Russland bekanntgegeben worden. Den Alleingang des 51-jährigen Coaches, der früher Ersatzkeeper beim FC Barcelona war, fanden die Verbands-Offiziellen offenbar derart empörend, dass sie ihn jetzt nach Hause schickten.

"Wir suchen einen Trainer - von jetzt an"

"Wir stecken in einer komplizierten Situation, die komplizierteste, die man sich vorstellen kann", sagte Verbandschef Rubiales im WM-Quartier des früheren Welt- und Europameisters in Krasnodar. Die Verbandsseite war von Lopetegui dem Anschein nach überhaupt nicht über seine Abschlussverhandlungen mit Real informiert. Das Problem sei, dass man komplett außen vor geblieben sei und so etwas könne man nicht so einfach zulassen, erklärte Verbandspräsident Luis Rubiales vor zahlreichen staunenden Reportern: "Lopetegui ist ein tadelloser Profi, aber es geht hier auch um die Form, wie es passierte!"

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Als Kandidat für das Amt galt auch U21-Trainer Albert Celades, auch ein früherer Barça-Mann und Weggefährte Lopeteguis, der ursprünglich aus dem Baskenland stammt. Den Job bekommt nun aber Hierro, 50, ein ehemals wuchtiger Verteidiger bei Real Madrid. Früher war bekannt für seine Kopfbälle und harten Freistöße, doch nach seinem Karriereende zog es ihn in die Welt der Funktionäre. Seit 2007 arbeitet er für den nationalen Fußballverband Spaniens, wo er jetzt vor der riesigen Aufgabe steht, die Selección ohne große Trainer-Erfahrung auf Kurs zu bringen. Bislang hatte der Andalusier lediglich als Co-Trainer von Real Madrid (unter Carlo Ancelotti) sowie bei Real Oviedo als Chefcoach gewirkt.

Dieser Verband erhob derweil in Person von Luis Rubiales in der ganzen Sache deftige Vorwürfe gegen Real Madrid, den Verein, der Lopetegui so kurzfristig vor dem Turnier in Russland bezirzt und verpflichtet hatte. "Wir hatten überhaupt keine Information über das", sagte Rubiales, der seinen ehemaligen Coach zumindest etwas in Schutz nahm. "Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären." Der Verband RFEF war am Dienstag von der Ankündigung des spanischen Rekordmeisters und Champions-League-Siegers offenbar überrumpelt worden. Und sah sich zu dem Wechsel gezwungen, obwohl die Spieler laut Medienberichten gerne mit Lopetegui in die WM gegangen wären. Für die Verantwortlichen war der Affront aber zu groß: Einen Nationaltrainer, der sich insgeheim um größere Aufgaben kümmert, das wollte man nicht tolerieren.

Erst 50 Minuten nach der Real-Mitteilung über das bevorstehende Lopetegui-Engagement ab August hatte der Verband RFEF mit einer dürren Presseerklärung reagiert, in der er die Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag bestätigte. Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung "akzeptiert", sagte Rubiales, der damit wohl dem Willen des Mannschaftskerns um Sergio Ramos, Andres Iniesta und Pique entgegen wirkte. "Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen." Nach vorne, das ist bei den Spaniern dann wohl eher nicht der nächste WM-Titel.

(Mit Material von dpa)

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