Süddeutsche Zeitung

Spanien:Barca-Fußballer lehnen Gehaltskürzungen ab

Die von der Vereinsführung des FC Barcelona angemahnten Gehaltskürzungen haben beim Meister der spanischen Liga zu einem Konflikt geführt. Medienberichten vom Freitag zufolge lehnten es die Fußballprofis vorerst ab, auf Einnahmen zu verzichten. Der Klub teilte in der Nacht auf Freitag mit, dass man nun gedenke, bei den spanischen Behörden Kurzarbeit für die weit über 1 000 Mitarbeiter umfassende Belegschaft des Klubs zu beantragen. Das gelte dann auch für die Fußballer, die Basket- und Handballer sowie die ebenfalls professionellen Rollhockeyspieler.

Die Zeitung El País schrieb unter Berufung auf Vereinsquellen, dass der FC Barcelona wegen der Corona-Krise mit einem Einnahmeverlust von 140 Millionen Euro rechne. Der mit Abstand größte Teil der Ausgaben - knapp über 60 Prozent oder 542 Millionen Euro per annum - fließe auf die Konten von Lionel Messi, Gerard Piqué, Sergi Busquets, Marc-André ter Stegen und Co. Die Gehälter des "Bodenpersonals" von Barça belaufen sich auf etwa 37 Millionen Euro jährlich.

Die Vereinsführung hatte eine gütliche Einigung mit den Profis angestrebt. Angeblich hatte Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu den Mannschaftsrat aufgefordert, auf 30 Prozent der Einnahmen zu verzichten. Dies sei auch angelehnt gewesen an den 20-prozentigen Gehaltsverzicht beim FC Bayern. Barcelonas Team habe nach Rücksprache mit der Spielergewerkschaft AFE eine zehnprozentige Kürzung vorgeschlagen. Das käme für Barça einer Einsparung von rund 54 Millionen Euro gleich. Ein Geringverdiener des ersten Fußball-Teams streicht jährlich immerhin 1,5 Millionen netto ein.

Die Anwendung der Kurzarbeiterreglen Spaniens würde es dem Verein erlauben, für die Dauer des faktischen Betätigungsverbots - in Spanien ist der Alarmzustand verhängt worden - eine 70-prozentige Kürzung der Tagessätze durchzusetzen. Nach Berechnungen von El País würde sich die Einsparung auf 31,6 Millionen Euro monatlich belaufen. Zurzeit ist auch in Spanien völlig unklar, wann wieder Fußball gearbeitet werden kann.

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Quelle:
SZ vom 28.03.2020
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