Southamptons neuer Coach Hütte für den Hasen

Der FC Southampton? Als ihn die Anfrage des Premier-League-Klubs erreichte, hat Ralph Hasenhüttl als erstes an die "Titanic" gedacht. Nun punktet er mit Humor.

Von Sven Haist, Southampton

Vorfreude auf seine Trainertätigkeit beim FC Southampton ließ sich Ralph Hasenhüttl zunächst nicht anmerken. Mit konzentriertem Gesichtsausdruck verfolgte Hasenhüttl im Sakko neben den Klubbossen die Auswärtsniederlage seiner neuen Mannschaft gegen Tottenham Hotspur auf der Ehrentribüne des Wembley. Frohsinn stellte sich bei ihm am Mittwochabend erst ein, als das Spiel nach drei Gegentoren und einem quasi mit Abpfiff erzielten Treffer für Southampton vorüber war. Denn Hasenhüttl dürfte während des Spiels die Erkenntnis gewonnen haben, dass er dem in Abstiegsnot geratenen Verein tatsächlich weiterhelfen kann. Nach nur einem Erfolg aus 15 Ligaspielen, der mittlerweile schon drei Monate her ist, sehnen sich die Spieler bei Southampton nach Energie - und davon besitzt Hasenhüttl wahrlich genug.

Als erster österreichischer Trainer in der Premier League erschien der in Graz geborene Hasenhüttl, 51, dann am Donnerstag um 13.25 Uhr Ortszeit zu seiner Vorstellung. Mit einem schwungvollen "Hello" begann der Steirer im schwarzen Pullover seine Ausführungen am klubeigenen Staplewood Campus. "Für mich ist es eine Freude, hier zu sitzen vor zehn Kameras und so vielen Medien. Ich bin stolz, dass der Klub sich für mich entschieden hat und habe keine Angst vor der Herausforderung. Mein Ziel ist es, mir einen Namen in der Premier League zu machen", sagte Hasenhüttl.

Überzeugte bei seiner Vorstellung in Southampton mit Selbstironie: Ralph Hasenhüttl.

(Foto: Julian Finney/Getty Images)

Dieses Ziel hatte er schon erreicht, bevor er sich zum ersten Mal in der Hafenstadt am Ärmelkanal präsentierte. Allerdings auf eine Weise, die ihm nicht so recht gefiel. Zu Wochenbeginn sorgte nämlich Jürgen Klopp in Liverpool dafür, dass sein Trainerkollege in aller Munde ist. Auf Nachfrage brachte Klopp den österreichischen Nachnamen seines Kollegen der englischen Öffentlichkeit näher: "Hase is the rabbit and Hüttl means nothing." Diese kleine Gemeinheit, dass "Hüttl" nichts weiter bedeute, ließ Hasenhüttl nicht auf sich sitzen: Mit einem lässigen Seitenhieb an Klopp gewann er gleich mal die Empathie seiner Zuhörer. "Ich habe über seine Erklärung gelacht, weil sie ja nicht stimmt. Sein Deutsch scheint nicht mehr so gut zu sein, mittlerweile spricht er besser Englisch", sagte Hasenhüttl. Mit "Hüttl" sei schließlich "hut" gemeint, Hütte, entsprechend laute die Übersetzung seines Namens: "a small hut for a rabbit".

Die Anleitung zur Aussprache lieferte Hasenhüttl mit, indem er die Silben in einer Deutlichkeit betonte, dass einem das Ha-sen-hü-ttl nicht mehr aus dem Kopf geht. Spätestens jetzt war Ralph Hasenhüttl reif für die Insel. Wenn die englische Fußballszene bis hierhin nämlich auf ihn zu sprechen kam, ging er aufgrund seines ähnlichen Spielstils und Auftretens als "Alpen-Klopp" durch. "Seine Art hat mich beeinflusst, aber den Vergleich mag ich nicht so sehr. Ich habe einen eigenen Namen und eine eigene Persönlichkeit", sagte Hasenhüttl. Während seiner Karriere als Stürmer bot sich ihm in Probetrainings beim FC Chelsea und den Bolton Wanderers zweimal die Möglichkeit zu einem Wechsel, aber das Niveau sei zu hoch gewesen.

„Wie Bowling“: Liverpools Trainer Jürgen Klopp beklagt Härte in England

Liverpools Teammanager Jürgen Klopp hat sich nach dem 3:1-Erfolg in der Premier League beim FC Burnley über die harte Gangart des Gegners beschwert. "Burnley hatte den spezifischen Plan, wirklich körperlich gegen uns zu spielen", sagte der ehemalige Meistertrainer von Borussia Dortmund: "Das ist wie Bowling. Man bekommt den Ball, aber man trifft auch den Spieler. Das ist vier- oder fünfmal passiert." Opfer der harten Spielweise war Joe Gomez, der nach einem Tackling bereits nach 23 Minuten ausgewechselt werden musste. Eine Diagnose steht noch aus. "Joe ist verletzt - und womöglich nicht nur ein bisschen." Die Zeiten, in denen man meterlang rutschte, um den Ball zu gewinnen, "seien vorbei", sagte Klopp, der als Spieler nie zimperlich war: "Man kann aggressiv sein, das ist in Ordnung, das ist Teil des Fußballs. Aber man muss vorsichtig sein." Liverpool bleibt mit dem hart erkämpften Auswärtssieg erster Verfolger von Manchester City. Die Reds liegen mit 39 Zählern zwei Punkte hinter dem Tabellenführer zurück. sid

Nach seinem Abschied im Sommer bei RB Leipzig hatte Hasenhüttl den Schritt in die Premier League anvisiert. Im Gegensatz zu unwahren Gerüchten um eine Tätigkeit beim FC Arsenal beobachtete ihn Southampton seit seinem Aufstieg mit Ingolstadt in die Bundesliga vor drei Jahren. "Die Geschichte und die Vorgehensweise des Klubs passt zu mir", sagte Hasenhüttl, "für die besten sechs Vereine in England bin ich nicht bekannt genug. Ich kann nicht sagen, dass ich die Champions League gewonnen habe, und die Zweitligameisterschaft mit Ingolstadt gilt bei diesen Klubs nicht als Qualitätsmerkmal."

Der drittletzte Tabellenplatz mit den viertwenigsten Toren und den viertmeisten Gegentreffern bietet Hasenhüttl die Chance, den Klub zu revitalisieren. Lediglich eine Trainingseinheit am Freitag bleibt ihm vor dem Kellerduell bei Cardiff City. Im Gegensatz zu manchem Konkurrenzklub steht ihm ein Team zur Verfügung, dessen Stärke im Spiel mit dem Ball liegt. In der Offensive verfügt Southampton über handlungsschnelle Spieler, die es Hasenhüttl ermöglichen sollten, das frühe Attackieren umzusetzen. "Wir wollen niemanden überladen mit Informationen, aber so schnell wie möglich unten rauskommen. Mir ist es wichtig, die Spieler mitzunehmen. Wenn einem das jedoch zu viel Arbeit ist, wird er hinten herunterfallen."

Über Unterhaching, Aalen, Ingolstadt und Leipzig hat sich Hasenhüttl durch die deutschen Profiligen gearbeitet. In Southampton erhält er nun die Chance, sich in der Premier League zu beweisen. "Bei der ersten Kontaktaufnahme habe ich an die Titanic gedacht, die von hier aus losfuhr. Ich hoffe, dass ich nicht auf einen Eisberg pralle."