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Formel-3-Fahrerin Sophia Flörsch:Sie ist gleich zur Unfallstelle gegangen

Für sie wird Macau wieder zu einem Höhepunkt. Weil es für sie der endgültige Beweis ist, dass sie sich zurückgekämpft hat. Vier Tage nach der Operation damals konnte sie nur wenige Schritte laufen, einen Monat später mit leichtem Training beginnen, im März kehrte sie ins Auto zurück und arbeitete von da an im Kraftraum und auf der Strecke, als sei nichts gewesen. Im September lief sie in Berlin ihren ersten Marathon. "Wieder zu fahren hat sich angefühlt, als würde ich nach Hause kommen", sagt Flörsch, "und ich glaube, ich habe damit vielen gezeigt, dass ich wirklich über den Unfall hinweg bin."

Sie hat zwei Sichtweisen darauf: Mental haben sie die Erlebnisse stärker gemacht, "sportlich aber hat das meine Karriere zurückgeworfen. Ich musste mich von Null heranarbeiten und konnte nicht in der Formel-3-Meisterschaft fahren, weil ich die Vorbereitungstests verpasst habe. Eine Teilnahme hätte so keinen Sinn gemacht." Wer in die Formel 1 will, hat keine Zeit zu verlieren, da ist Flörsch ganz pragmatisch.

2020 soll wieder alles nach Plan laufen. Mit HWA und potenziellen Sponsoren laufen noch Gespräche, entscheiden wird sich ihre Zukunft wohl bis Anfang Januar. Aber erst einmal fokussiert sich Flörsch auf Macau. Sie wird die Ärzte besuchen, die sie vor einer Querschnittslähmung bewahrt und ihr die Fortsetzung ihrer Motorsportkarriere ermöglicht haben. Das ist Flörsch wichtig. Und dann will sie am Rennwochenende gute Leistungen zeigen. Vier Deutsche werden in Macau starten, darunter auch David Schumacher, der Neffe des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher. Unter 33 Piloten ist Flörsch die einzige Frau. Sie sagt, auf der Strecke wolle sie allein durch Schnelligkeit herausstechen und nicht als diejenige wahrgenommen werden, die dort vor einem Jahr diesen schlimmen Unfall hatte.

Als sie am Montag in Macau ankam, ist sie gleich zur Unfallstelle gegangen. Sie hat das mit ihrem Handy gefilmt, auf dem Video schwenkt sie nach links zur Geraden und dann nach rechts zu der Stelle, wo sie mit ihrem Wagen eingeschlagen ist. Sie kann inzwischen mit Humor darauf zurückblicken. Sophia Flörsch hat das Video mit dem Satz kommentiert: "Hier habe ich letztes Jahr versucht zu fliegen." Bei diesem einen Versuch würde sie es gerne belassen.

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