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Sonntagsabendspiel:An Wirkung verloren

Wolfsburg und Leverkusen trennen sich torlos. Bei den sonst so offensivstarken Gästen merkt man deutlich, dass sie in Kai Havertz und Kevin Volland zwei starke Angreifer verloren haben. Trainer Bosz zeigt freilich schon, mit wem er die Lücken schließen will.

Der VfL Wolfsburg ist mit einem Unentschieden in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Zum Abschluss des ersten Spieltags holten die Niedersachsen am Sonntagabend ein 0:0 gegen Bayer Leverkusen. Für die Mannschaft von Oliver Glasner wäre bei der Rückkehr der ersten 500 Fans in die Arena sogar mehr drin gewesen, denn der VfL hatte in dem zähen Spiel die besseren Chancen. Leverkusen war dagegen anzumerken, dass das Team im Sommer seinen Topspieler Kai Havertz (zum FC Chelsea) und seinen besten Stürmer Kevin Volland (zu AS Monaco) verlor. Die traditionell offensivstarken Leverkusener waren diesmal nur sehr harmlos.

Das Spiel in Wolfsburg zeigte auf, welche Lücke der Nationalspieler Havertz im Leverkusener Spiel hinterlassen hat - und wie Trainer Peter Bosz sie langfristig zu schließen gedenkt. Der Niederländer vertraut im Mittelfeld dem erst 17-Jährigen Florian Wirtz, der seit Anfang Juni der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte ist und der in der 25. Minute nach einem Doppelpass mit Moussa Diaby auch die erste Chance der Partie hatte. Wirtz stand bereits vor einer Woche im DFB-Pokal gegen Eintracht Norderstedt (7:0) in der Startelf und verdrängte mit Nadiem Amiri und dem Argentinier Exequil Palacios zwei Spieler auf die Bank, die in der vergangenen Saison in Erwartung eines Havertz-Verkaufs für zusammen knapp 30 Millionen Euro verpflichtet worden waren. Doch so auffällig der 17-Jährige am Sonntag auch spielte: Mit Havertz und Volland verlor die Offensive enorm an Wirkung. Die besseren Chancen hatte der VfL.

In der 32. Minute schoss Maximilian Arnold einen Eckball direkt auf das Tor und traf mit dieser frechen Variante nur den Pfosten. Kurz kamen Verteidiger John Anthony Brooks und Torjäger Wout Weghorst im Strafraum jeweils frei zum Abschluss. Doch Brooks köpfelte aus sechs Metern über das Tor (33.), während Weghorst aus elf Metern wenigstens am Leverkusener Torwart Lukas Hradecky scheiterte (42.). Der Niederländer könnte bereits der nächste Topspieler werden, der die Bundesliga Richtung England verlässt. Denn am Sonntag berichtete die Tageszeitung De Telegraaf von einem Interesse von Tottenham Hotspur am 28 Jahre alten Mittelstürmer.

Da die bundesweit einheitlichen Regeln zur Fan-Rückkehr in die Stadien in Niedersachsen erst mit einer Woche Verspätung gelten, saßen gegen Leverkusen nur 500 Zuschauer in der Arena. Sie sahen in der zweiten Halbzeit zwar erneut eine optisch überlegene Bayer-Elf. Doch bissiger war die Heimelf. In der 57. Minute traf Admir Mehmedi sogar ins Tor, aber sein Vorlagengeber Joao Victor hatte bei dem Konter im Abseits gestanden.

© SZ vom 21.09.2020 / dpa
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