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WM-Affäre:Jede Menge Bezüge zwischen den damaligen Vorgängen und der Infront-Sphäre

Dabei gibt es jede Menge Bezüge zwischen den damaligen Vorgängen und der Infront-Sphäre. Schon auf den ersten Überweisungen von Beckenbauer und Schwan 2002 nach Katar stand als Verwendungszweck ein Erwerb von TV-Rechten an den Asienspielen 2006. Klingt unglaubwürdig, weil die Spiele niemals so viel wert waren. Aber: Die just im Entstehen begriffene Infront hatte mit den Asian Games zu tun. Nach SZ-Informationen hielt die Frankfurter Strafbehörde einem Zeugen vor, dass eine Infront-Tochter namens HBS die TV-Rechte an den Asienspielen besessen habe. Ein Infront-Sprecher teilt auf Anfrage mit, weder Infront noch HBS hätten "jemals Medien- oder Marketingrechte an den Asienspielen gehalten und/oder diese vermarktet". Die Firmentochter habe jedoch im Zuge eines Joint Ventures mit einer anderen Firma den Zuschlag für die Broadcast-Produktion erhalten.

Und es gibt mehr Überschneidungen. Noch im Herbst 2002 notierte Louis-Dreyfus, er wolle Scheich Kamel nicht unter den Infront-Eignern haben - es sei denn, Achtung: Radmann bestehe darauf. Pikanterweise waren Beckenbauers Intimus Radmann und die Deutschen dem Scheich und dessen operativem Arm Bin Hammam noch etwas schuldig. Die Araber waren bei der WM-Vergabe an Deutschland so hilfreich für die Deutschen gewesen, dass ihnen dafür zugesagt worden war, dass ihre ART-Firma Rechte an der EM 2004 erhielte. Radmann war auch damit betraut worden - aber das klappte nicht.

Nächste Schnittstelle: Zahlungen an Radmann. Im Oktober 2002 erhielt er aus Katar 1,7 Millionen Franken; laut Kundengeschichte seiner Bank sollen diese aus der Vermittlung von Übertragungsrechten gestammt haben. Und im März 2007 flossen 5,4 Millionen Franken von Louis-Dreyfus an Radmann. Dazu erklärte Radmann in der Vernehmung, das Geld sei für seine Beratungsleistungen bei der Infront-Gründung geflossen. Und: Er habe die Hälfte dieses Geldes an Beckenbauer weitergereicht, weil auch der an der Gründung beteiligt gewesen sei. Das allein ist schon bemerkenswert genug: Demnach wirkte das deutsche Spitzenduo in der WM-Organisation nebenbei ganz diskret bei der Gründung ausgerechnet jener Firma mit, deren zentrales Gut die Rechte an dieser Weltmeisterschaft 2006 waren.

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Wäre es bei dieser Vielzahl an Querverbindungen für die Justiz nicht das Mindeste gewesen, Infront eingehend zu befragen? Das geschah offenbar nicht. Die Agentur teilt der SZ mit: "Weder Infront noch HBS sind gemäß unserer Rechtsabteilung im Zusammenhang mit der genannten Ermittlung von einer Staats- oder einer Bundesanwaltschaft kontaktiert worden."

Einer der weltgrößten Rechtehändler, der trotz der vielen Berührungspunkte zur Sommermärchen-Affäre gar nicht befragt wird. Eine Schweizer Bankmanagerin, die den mutmaßlich entscheidenden Rechtedeal klar notiert hat, aber nicht einmal befragt wird, wie sie dazu kam. Und ein sachkundiger Topfunktionär in Doha, der trotz eines betont guten Verhältnisses zwischen Berner und Katarer Ermittlungsbehörden nie befragt wurde. Und der deshalb ganz locker in jede Kamera grinsen kann.

Die Berner Ermittler bieten gleich einen bunten Strauß an Motiven für die Geldschieberei an

So summieren sich die Fragen. Da passt, dass die Schweizer Bundesbehörde wegen ihres mysteriös engen Umgangs mit Fifa-Boss Gianni Infantino ohnehin massiv in der Kritik steht; Amtschef Michael Lauber soll nicht mehr wiedergewählt werden, das beschloss just am Mittwoch der vorschlagsberechtigte Parlamentsausschuss in Bern. Auch in der Sommermärchen-Ermittlung wird die BA ihrem schillernden Ruf gerecht und bietet gleich einen bunten Strauß an Motiven für die Geldschieberei an - darunter die reine Spekulation, die Millionen könnten ein Dankeschön an Bin Hammam im Kontext des Organisationszuschusses gewesen seien.

Die Frankfurter wiederum zielten bei ihrer Arbeit lange voll in Richtung TV-Rechte. Als 2018 eine Razzia bei einem Anwalt stattfand, wurde nach SZ-Informationen intern gar festgehalten, dass gemäß bisheriger Ermittlungen der Kredit für einen TV-Rechtedeal gewesen sei. Doch offenbar kamen die Ermittler nicht entscheidend weiter. Später wurden TV-Rechte nur noch als eine von mehreren Verwendungsoptionen genannt.

Die Behörden wollen sich auf Anfrage nicht zum Thema und zum Umgang mit der TV-Rechte-Spur äußern.

Was hingegen als gesichert gelten darf: dass Katar und auch manchen gut vernetzten deutschen Geschäftsleuten so ein spätes Gestochere in der Ursuppe von Infront nicht willkommen wäre. Das Gefühl herrscht auch in Kreisen des DFB vor, der ja nun durch Forensiker das Umfeld der Infront-Gründung beleuchten lässt: Je tiefer man vordringe, umso mehr Fragen stellten sich, heißt es beim Verband.

In Frankfurt kommt es wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung bald zur Hauptverhandlung. In Bern ist eine Anklage wegen Betrugsverdachts fertig. Angeklagt sind jeweils die Ex-DFB-Funktionäre Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt sowie der frühere Fifa-General Urs Linsi, weil sie in die Rückzahlung des Kredits involviert waren. Dass der Zweck weiter unklar ist, stört die Ermittler nicht. Die Frankfurter finden, dass die Kreditrückzahlung in jedem Fall ein Steuerdelikt war, weil es sich um ein Privatdarlehen an Beckenbauer gehandelt habe und die Millionenzahlung damit von den WM-Machern nicht als Betriebsausgabe hätte angesetzt werden dürfen. Die Berner finden, dass es in jedem Fall Betrug war, weil bei der Kreditrückzahlung die Aufsichtsgremien über den wahren Zweck der Millionen getäuscht worden seien.

Nur: Wäre nicht die Klärung des Verwendungszwecks zwingend notwendig, um den Fall wirklich bewerten zu können? Aus juristischer Perspektive, und auch angesichts des enormen Interesses einer Öffentlichkeit, die ein Recht darauf hat, zu erfahren, was Märchen und was Wahrheit ist.

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