Sommermärchen-Affäre Anklage gegen Niersbach und Zwanziger

Wolfgang Niersbach.

(Foto: Michael Probst/AP)

Verdacht auf schwere Steuerhinterziehung: Ehemalige DFB-Chefs werden beschuldigt, eine Millionenzahlung unkorrekt behandelt zu haben.

Die früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger müssen sich in der "Sommermärchen"-Affäre vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erhob bereits Mitte Mai Anklage wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung - im Kern geht es um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die 2005 nach Ansicht der Ermittler aufgrund eines privaten Deals von Franz Beckenbauer geflossen sind.

"Es wird sich herausstellen, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind", sagte Niersbach. Zwanziger wies den Vorgang als "blinden Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken", zurück. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen", sagte Zwanziger.

Angeklagt sind auch der damalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und laut der Bild der Ex-Generalsekretär des Weltverbandes Fifa, Urs Linsi. Über die Fifa war die Millionenzahlung 2005, die der DFB in seiner Steuererklärung für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, abgewickelt worden. Empfänger war der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus.

Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer maßgeblich beteiligt war, an den ehemaligen Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam in Katar geflossen. Seit dem Ausbruch der Affäre im Herbst 2015 kursieren verschiedene Theorien, warum Bin Hammam das Geld bekam. Dass damit nachträglich Stimmen für die Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland bezahlt wurden, wies der 69-Jährige zurück ("Es war nicht für die WM").

Diverse Erkenntnisse der Ermittler legen den Verdacht nahe, dass die Millionen-Zahlung im Kontext eines Geschäftes mit TV-Rechten zu sehen ist. So hielt etwa eine Bankberaterin von Louis-Dreyfus in einem internen Dokument fest, ihr Klient habe das Geld einem Freund geliehen, um Rechte aus dem Nachlass des insolventen TV-Rechte-Konzerns Kirch zu erwerben. Zudem stellte sich heraus, dass Beckenbauer sowie sein langjähriger Adlatus Fedor Radmann in den Jahren nach dem Kredit insgesamt 7,1 Millionen Franken von bin Hammam bzw. Louis-Dreyfus erhielten.

Schmidts Anwälte sagten, "es gab kein Privatdarlehen an Herrn Beckenbauer". Dies sei "eine Erfindung der Steuerfahndung". Schmidt selbst fühlt sich durch die Anklage verletzt: "Die fast zweieinhalbjährigen Ermittlungen, die Durchsuchung meines Hauses und die ständige Berichterstattung über das Verfahren haben bei meiner Familie und mir Spuren hinterlassen."

Das Finanzamt Frankfurt hatte im Oktober 2017 entschieden, dass die 6,7 Millionen vom DFB an Louis-Dreyfus steuerlich "unzutreffend" behandelt wurden - und verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro. Der DFB, der seine Führungsspitze komplett ausgetauscht hat, beharrt darauf, die Zahlung sei betrieblich veranlasst gewesen.