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Social Media bei Olympia:Seltsame Auslegung der Regeln

Die deutsche Sporthilfe hat errechnet, dass Sportler, die keinen Platz in einer Fördergruppe von Bund oder Polizei ergattern, im Schnitt 59,8 Stunden pro Woche arbeiten und 626 Euro im Monat verdienen, netto. Da klingt es ganz schön zynisch, wenn das IOC schreibt, dass man mit der Regel 40 eine "Überkommerzialisierung" der Spiele verhindern möchte. Und dass der Fokus "auf den Leistungen der Athleten" bleiben soll.

"Das ist ein weitgehender Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit"

"Lächerlich", sagt Sportrechtler Orth, "da geht es darum, dass das IOC seine wirtschaftlichen Interessen sichert." Die Olympischen Spiele seien nun mal die "einzige vermögenswerte Positionierung eines Athleten gegenüber einem Sponsor", ergänzt er, der größte Anreiz. "Wenn das IOC so agiert, wie es hier agiert, dann nimmt es dem Athleten diese Chance. Das ist ein sehr weitgehender Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit", sagt Orth. Und das werde auch nicht dadurch aufgewogen, dass das IOC seine Sponsoren schützen muss. Sprich: Wer es auf einen Rechtsstreit ankommen lässt, hätte laut Orth gute Chancen.

Der DOSB weist darauf hin, dass Nicht-IOC-Sponsoren erstmals eine Ausnahme beantragen können, sie dürften dann während der Spiele mit ihrem Athleten werben. Nur halt nicht mit dem Thema Olympia. "Sehr limitiert", findet Pflieger. Seine Sponsoren haben sich um eine Ausnahme bemüht, ein Antrag wurde bewilligt, es handelt sich um einen Ausrüster des DOSB. "Alle anderen Anträge wurden meines Wissens nach abgelehnt", sagt Pflieger.

Dadurch, dass man die Spiele ausrichte, biete man den Athleten ja erst eine Bühne, schreibt der DOSB, "ohne diese Bühnen würde es Athleten sehr schwer fallen, überhaupt wahrgenommen zu werden". Das kann man so sehen. Man kann es aber auch wie Pflieger sehen, der sagt: "Diese ganze Kommerzialisierungsmaschine des IOC ist doch nur möglich, weil es uns Athleten gibt. Ohne Athleten gibt es keine Spiele."

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Beim Thema Staatsdoping in Russland, das ist der Eindruck, drückt das IOC beide Augen zu, obwohl sein Präsident Thomas Bach "härteste Sanktionen" versprochen hatte. Man darf gespannt sein, wie viel Milde das IOC in den kommenden Wochen bei Regel 40 walten lässt.

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