Snowboard:"Das ist vergleichbar mit einem Tag im Tiefschnee"

Leon Vockensperger, der Älteste aus Baurs Gruppe, findet: "Wenn du alle Tricks landest, aufs Podium kommst, die Arbeit von einem Winter sich in einem Lauf auszahlt - das ist vergleichbar mit einem Tag im Tiefschnee". Sein Vater Christian war einer der ersten bayerischen Snowboarder, wer damals kein Board hatte, band sich halt zwei Skier zusammen. "Ich will diesen Spirit auch ein bisschen hochhalten", sagt Leon, das Ungezähmte. Nicht der Beste im Wettkampf zu sein. Sondern "einfach ein guter Snowboarder", in allen Bereichen.

Den anderen Bereich, den besetzen vor allem die Kinder der alten Freigeister. Die dem Schnee hinterherpilgern, ihre Tricks in Filmen präsentieren und nicht immer viel übrig haben für die Kinder des Leistungssports. "Manchmal", sagt Johannes Höpfl, Deutschlands derzeit bester Freestyle-Snowboarder, "finde ich es schade, dass ich mich bei manchen lächerlich mache, wenn ich in den Kraftraum gehe." Wobei die Ablehnung ab und zu auf Gegenseitigkeit beruht. Die Frage sei halt, sagt David Benedek: "Wie kann man die Qualität des Snowboardens in einen Wettkampf einbinden? Vier standardisierte Drehungen, das ist toll. Aber das ist nur eine Facette." Die Faszination speise sich doch daraus, wie der Fahrer das Gelände nutze, wie er darin seine Tricks einbette. "Ein Wettkampf ist ein Korsett. Da musst du ganz viele Ausfransungen wegschneiden."

Manche Fahrer trainieren schon in sogenannten Trockenparks

Vielleicht geht es ja gar nicht so sehr darum, welche Schiene das Snowboarden besser abbildet. Vielleicht muss man beide zusammen sehen. Dann würde Snowboard das einlösen, was es damals versprach: Mach, was du willst, im Wettkampf, im Freien. Oder wie die NZZ einmal schrieb: "Erst jetzt ist die Freiheit nicht mehr nur ein Traum, sondern Realität."

"Du kannst den guten alten Zeiten hinterherweinen", sagt Benedikt Baur, "oder du kannst versuchen, die neuen Zeiten zu gestalten." Der Sport entwickle sich nun mal immer weiter, mittlerweile gebe es nicht mehr nur Trampolinhallen, sondern Trockenparks in Kanada, Japan und mittlerweile auch in Stuttgart (wo die Deutschen trainieren); mit schneeähnlichen Matten und Kickern, die einen fast vollwertigen Funpark ersetzen. Kann sein, sagt Baur, dass der Olympiasieger 2018 in der Trampolinhalle geformt wurde. Kann auch sein, dass der Olympiasieger von 2022 gerade im Trockenpark ausgebildet wird.

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