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Snowboard:Tausendstelsekunden zum Glück

Konstantin Schad aus Rosenheim holt bei den X-Games abermals Bronze.

Er stand von Anfang an viel tiefer als alle anderen, fast schon geduckt. Konstantin Schad war fokussiert, angespannt. Er wusste ja schon, wie er sich in ein paar Sekunden im Ziel fühlen könnte - vor allem fühlen wollte: glücklich, erleichtert. 2014 hatte er das alles schon erlebt, als er bei den X-Games, den Olympischen Spielen für Extremsportler, die Bronzemedaille gewonnen hatte. Also streckte er die Arme weit aus am Start und hielt sich gut fest an den Pfosten vor ihm. Er wollte sich schneller als alle anderen von der Startrampe in die Strecke stürzen. Schad, 28, wusste, dass er druckvoll fahren musste gegen die starke Konkurrenz bei einem der wichtigsten Wettbewerbe in seiner Disziplin, dem Snowboardcross.

Im Prinzip war das eine gute Idee, sie umzusetzen gelang dem gebürtigen Rosenheimer am Sonntag im Finale allerdings nicht. Kurz nach dem Start war er Letzter. Eine Kurve, einen Hügel, einen Sprung nach dem anderen versuchte er in Aspen im US-Bundesstaat Colorado nach vorne zu kommen. Vergebens. Es schien, als würde es nichts werden mit diesem Gefühl, das er im Ziel wieder spüren wollte. Dann aber stürzte der Russe Nikolay Olyunin, und eine Kurve später übersah der Amerikaner Trevor Jacob Schad, der Rosenheimer überholte. Wenige Meter vor dem Ziel war er auf einmal Vierter, und dort half nur noch eins: ein Sturz ins Ziel.

Schad reagierte gerade noch schnell genug, und mit nur drei Tausendstelsekunden Vorsprung auf den Österreicher Alessandro Hämmerle holte er sich im Fotofinish Bronze. "Ich habe immer alles gegeben und bin am Ende belohnt worden. Es ist unfassbar, so abzuschneiden", sagte Schad im Ziel. Schneller als der einzige deutsche Starter des Cross-Wettbewerbs waren nur die beiden Australier Jarryd Hughes und Alex Pullin. Angesichts des schlechten Starts, der schwierigen Wetterbedingungen und Problemen mit dem Material war das am Ende aber egal. Nach engen Vorläufen war Schad einfach nur froh gewesen, es überhaupt bis ins Finale geschafft zu haben.

In jedem seiner Läufe musste Schad wegen seiner Ergebnisse aus der Qualifikation aus der schlechtesten Position ins Rennen gehen. Der finale Lauf am Sonntag war daher fast schon eine Kopie der vorherigen Durchgänge: Auch in diesen schaffte der mehrfache deutsche Meister erst im letzten Drittel den Anschluss an die Spitze und erreichte in knappen Entscheidungen jeweils als Dritter die nächste Runde. "Wir hatten Probleme mit dem Material, was man ja auch schon in der Qualifikation gesehen hat", sagte Schad. "Das Wetter hat einfach gesponnen, da kann man nichts machen. So musste ich immer cool bleiben, weil ich am Start von links außen nichts zu melden hatte."

Der Snowboarder Konstantin Schad, 28, bestreitet seit 2002 internationale Rennen. 2012 siegte er erstmals im Europacup. Nun gewann er bei den X-Games in Aspen Bronze.

(Foto: Kolvenbach/Imago)

Eine Woche zuvor sagte er noch: "Die anderen sind halt auch keine Trottel."

Erleichtert war Schad vor allem deshalb, weil er eine Woche zuvor - ausgerechnet beim Heim-Weltcup am Feldberg - das Finale bei den beiden Sprintrennen auf den Plätzen elf und 13 verpasst hatte. Seine Taktik war damals nicht aufgegangen, nicht zu Beginn, nicht nach den ersten Kurven, auch kurz vor dem Ziel nicht; der Oberbayer war das Rennen im Schwarzwald viel zu verbissen angegangen. Danach musste Schad erkennen: "Die anderen sind halt auch keine Trottel."

Er hat gelernt aus diesem Rennen, auch die gut einmonatige Wettkampfpause im FIS-Weltcup mit dem Gewinn seiner zweiten Bronzemedaille bei seiner vierten X-Games-Teilnahme hat er gut überbrückt. "Thank you Aspen!", twitterte Konstantin Schad nach dem Rennen. Dazu stellte er ein Foto von seinem Board und der rechteckigen Medaille. Das Gefühl von 2014, es war zurück.