In Gallarate werden sie sich vermutlich noch lange von diesem Tag erzählen, aber eher nicht wegen der Flamme. Das olympische Feuer, es wurde auf den letzten Metern seiner langen Tour durch Italien auch einmal quer durch die historische Kleinstadt außerhalb von Mailand getragen, vorbei an all den Denkmälern. In Gallarate kann man sich eine wundervolle Basilika ansehen, ein modernes Kunstmuseum oder die Crocetta, eine Säule, 1694 vom berühmten Cesare Visconti erbaut. Oder man macht es wie Snoop Dogg, der Flammenträger in Gallarate. Und holt sich einen Burger auf der örtlichen Fast-Food-Meile.
„Snoop Dogg bei McDonalds in Gallarate, jetzt habe ich alles gesehen“, so lautete rasch der Titel eines Videos bei Instagram, in dem einer der bedeutendsten amerikanischen Rapper in einem gigantischen, weißen Pelzmantel mit einer kleinen, braunen Tüte in der Hand zu sehen ist. Wobei: Ein Frevel wäre es, in Snoop Dogg heutzutage nur noch einen Rapper zu sehen.
Offiziell ist er als Ehrentrainer des US-Teams in Mailand, in Wahrheit ist er längst ein fester Bestandteil der olympischen Bewegung geworden. Ein Botschafter des Friedensgedankens („Peace and Love“ für alle, so das Statement mit Fackel in der Hand) und natürlich: ein wandelndes Internet-Meme, wo immer er hingeht. Snoop Dogg mit Eiskunstläufer Ilia Malinin, der vor ihm einen Rückwärtssalto trainiert. Snoop Dogg, wie er auf einer Eisbearbeitungsmaschine mitfährt. Snoop Dogg, wie er mit zwei italienischen Hunden kuschelt, die ihm in einem Restaurant begegnet sind und „aussehen wie ich“.
Mailand ist die Steigerung von Paris 2024, wo Snoop Dogg bereits bei den Reitbewerben als Kommentator und als wandelnder Show-Act auftrat. Aber geht das alles weit genug? Können Olympische Spiele überhaupt noch ohne eine Snoop-Dogg-Zeremonie beginnen? Ist es nicht Zeit, sich von „Citius, Altius, Fortius“ („Schneller, Höher, Stärker“) zu verabschieden? Wäre nicht „One, two, three and to the four, Snoop Doggy Dogg (...) is at the door“ die modernere Art und Weise, die Spiele zu eröffnen? Wer repräsentiert die Veranstaltung besser: der Geist des Olympiavaters Pierre de Coubertin oder ein Rapper von der amerikanischen Westküste mit einer Leidenschaft für tiefergelegte Autos und Marihuana?
In der Olympiastadt 2028, Los Angeles, Snoop Doggs Heimat, fällt die Antwort auf diese Frage vermutlich sehr eindeutig aus. Die Erkenntnis dieser Tage vor Beginn der Winterspiele in Norditalien aber: in Gallarate ebenfalls.
„Schnella Italia“ ist die Olympia-Kolumne der SZ-Sportredaktion. An dieser Stelle schreiben die Reporterinnen und Reporter der SZ über Kuriositäten und Beobachtungen am Rande der Winterspiele.

