Snooker-Profi Ronnie O'Sullivan:Stinkstiefel mit Knöchelbruch

YORK Nov 27 2014 Ronnie O Sullivan of England competes during the Snooker UK Championship 2014

Schmerzverzerrt in York: Ronnie O'Sullivan beim UK Championship.

(Foto: imago sportfotodienst)

Er spielt unter Schmerzen, aufgeben kommt nicht in Frage. Ronnie O'Sullivan will trotz seines Knöchelbruchs eines der wichtigsten Snooker-Turniere gewinnen. Mit den Organisatoren anlegen kann er sich auch lädiert.

Von Carsten Eberts

Wer professionell Snooker spielt, ist sich seiner Haltung bewusst. Zum Tisch wird geschritten, nicht geschlurft. Wer einen Stoß macht, der denkt nicht nur an Queue, bunte Bälle und eine sichere Ablage, sondern auch an seine Hemdfalten. Und wem ein besonders formidabler Lochversuch gelingt, der darf kurz jubeln - dann aber schnell zurück in die Gentleman-Haltung. Deshalb ist Ronnie O'Sullivans Auftritt beim UK Championship, einem der wichtigsten Turniere des Snooker-Jahres, eine Schau.

Der Gang des 38-Jährigen ist wenig herrschaftlich, er humpelt. Steht sein Gegner am Tisch, kann es vorkommen, dass der Brite sich in seinen Ledersessel lümmelt und das linke Bein hochlegt. Das hat weniger mit Missbilligung seiner Widersacher zu tun, was O'Sullivan in früheren Jahren häufiger vorgeworfen wurde. Der stilprägende Snooker-Spieler der vergangenen zwei Dekaden hat sich beim Joggen den Knöchel gebrochen. Spielen will er trotzdem.

Die Entscheidung, in York anzutreten, sei schwierig gewesen, erzählt er. Wenige Tage vor Turnierbeginn twitterte O'Sullivan ein Foto mit einem dicken Ei rund um seinen linken Fuß:

In den ersten beiden Runden quälte er sich, hatte Schmerzen. Nach dem holprigen Sieg zum Auftakt gegen den unbekannten Daniel Wells erwog O'Sullivan noch auf der Pressekonferenz, nicht weiter anzutreten. Erst seit der dritten Runde spielt er verbessert, dank neuer Schuhe und der Arbeit der Physios. "Ich kann laufen, ohne das Gefühl zu haben, vorne über zu fallen", erklärte O'Sullivan. Auch sein mentales Training habe sich ausgezahlt. Er fühle sich wieder "wie ein Mensch".

Ärger mit den Tischen

Seinen Knöchel als Ausrede zu nehmen, käme O'Sullivan ohnehin nicht in den Sinn. Einst spielte der Rechtshänder ganze Frames mit links, nur um seine Gegner zu demütigen. Nun will er eben mit gebrochenem Knöchel siegen. Lieber legte er sich mit den Organisatoren an, das geht auch lädiert. In York beklagte er den "schockierenden" Zustand der Tische, weil die Bälle oft versprangen. Hier zu spielen sei, als würde man Roger Federer in Wimbledon vom Centre Court auf Platz 13 schicken, wo er vor drei Männern und einem Hund antreten müsse, stinkstiefelte O'Sullivan. Die Wucht seiner Worte verfehlte die Wirkung nicht: Über Nacht wurden die Tische neu bespannt, O'Sullivan dankte den Technikern persönlich.

In der zweiten Runde, beim 6:2 gegen Ben Woollaston, spielte er das 766. Century Break seiner Karriere, also 100 Punkte oder mehr in einer einzigen Aufnahme. Damit liegt er in der ewigen Rangliste nur noch neun Punkte hinter Stephen Hendry. Spätestens Anfang 2015 könnte die Marke fallen. Zunächst will O'Sullivan aber mit gebrochenem Knöchel zum fünften Mal das UK Championship gewinnen. Er sagt: "Solange ich nicht umknicke, ist alles gut."

© Süddeutsche.de/jbe/rus
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