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Snooker:Des Meisters neue Kleider

Williams

Nackt in der Pressekonferenz: Mark Williams.

(Foto: Richard Sellers/PA Wire/dpa)

Mark Williams, 43, gewinnt die Snooker-Weltmeisterschaft - und strippt. Der Waliser hatte ebendas vor dem Turnier für den unwahrscheinlichen Fall eines Happy-Ends angekündigt.

Von Carsten Scheele, Sheffield/München

In keinem anderen Sport sind die Sportler so piekfein gekleidet wie im Snooker, doch nun schritt der Weltmeister, nur ein Badetuch um seine Hüften geschlungen, zur Pressekonferenz. Der Waliser hatte nach seinem 18:16-Finalsieg über John Higgins eine Wette einzulösen: Er werde seine Interviews nackig geben, wenn er den Titel holt, hatte Williams versprochen. Lustig, dachten alle, denn Williams, 43, letztmals Weltmeister vor 15 Jahren, konnte eine solche Aussage ziemlich gefahrlos treffen. Wenn die Dinge normal laufen.

Doch die Dinge liefen nicht normal in den vergangenen zwei Wochen in Sheffield, überhaupt nicht. Und so stand Williams am späten Montagabend mit feucht glänzenden Augen vor dem silbrigen Siegerpokal. Links neben ihm seine Frau Joanne, vor ihm seine drei Söhne Connor, Kian und Joel. Bei seinem bis dahin letzten WM-Sieg 2003 waren die drei noch nicht einmal geboren. "Das ist eine unglaubliche Geschichte", raunte Williams, "aber sie ist wahr."

Williams ist ein Original dieser Sportart. Er stammt aus Cwm, das zu Ebbw Vale gehört, einer früheren Kohlestadt in Südwales. Als Jugendlicher hatte er als Amateurboxer versucht, sein Geld zu verdienen, bis er zu kräftig eins auf die Rübe bekam. Über einige Umwege landete er beim Snooker. 1992 wurde Williams Profi und sollte etwa zehn Jahre später zum besten Spieler der Welt aufsteigen. Anfang der 2000er Jahre war der Linkshänder kaum zu besiegen, sein Spitzname "The Welsh Potting Machine" stammt aus dieser Zeit. 2000 und 2003 wurde er überlegen Weltmeister. Später ging es bergab. Nur noch selten konnte Williams sein begnadetes Lochspiel über längere Distanzen beweisen. Es gab Tage, da beging er Fehler wie ein Amateur. Das Karriereende schien nah zu sein: Bei der WM 2017 war er sogar in der Qualifikation gescheitert - Williams verfolgte die Spiele von seinem Wohnwagen aus.

Doch nun diese Wiederauferstehung im Crucible, der legendären Snookerhalle im Zentrum von Sheffield. Im hochklassigen Finale war Williams früh enteilt, Higgins glich nach 10:15-Rückstand zum 15:15 aus, die Partie schien zu kippen. Doch Williams trat an den Tisch und zauberte, als kenne er das Wörtchen Druck gar nicht. "Er hatte das Match im Griff, er war so ruhig", lobte ihn Rekordweltmeister Stephen Hendry in der BBC. Großen Anteil daran hat auch sein neuer Trainer Steve Feeney, der Williams gezeigt hat, dass Snooker wieder Spaß machen kann. Als ihn während des Finals der Hunger überkam, fragte Williams einen Zuschauer, ob er etwas von seinem Knabberzeug abhaben dürfe - er durfte.

Vor allem spielte der Waliser aber gnadenlos gute Bälle. Er lochte die extremsten Kugeln, auch im Finale, in höchster Bedrängnis, als er eine rote Kugel aus dem Pulk aus ganz schwierigem Winkel in die Mitteltasche plumpsen ließ. Zu WM-Beginn war ihm bereits der Stoß des Turniers gelungen, als er mit dem weißen Spielball über Bande und den ganzen Tisch Grün lochte - mit der Besonderheit, dass Williams dies "blind" tat, weil er Grün anvisierte, nicht Weiß. "Ich dachte, meine Zeit wäre vorbei", sagte Williams, "jetzt spiele ich hier das beste Zeug seit Jahren." Mit 43 ist Williams der älteste Weltmeister seit Ray Reardon im Jahr 1978, der damals knapp 46 Jahre alt war.

Mark Williams wollte sich übrigens gar nicht erst auf eine Diskussion einlassen, weshalb er sich nicht ganz nackt, sondern mit Badetuch in die Pressekonferenz gesetzt hatte. Auf Nachfrage zog er das Tuch weg und versprach: "Wenn ich nächstes Jahr gewinne, mache ich es wieder.

© SZ vom 09.05.2018

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