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Skurrile Vorschläge von Uefa-Boss Platini:Mit Billigfliegern durch ganz Europa

Die Fußball-EM 2020 auf dem ganzen Kontinent, mit Flugzeugen von Stadion zu Stadion? Uefa-Präsident Michel Platini lenkt mit einem seltsamen Vorschlag von seiner eigenen dubiosen Rolle ab. Es ist erstaunlich, wie sehr der Führungsstil Platinis mittlerweile dem von Fifa-Präsident Sepp Blatter gleicht.

Eigentlich war Michel Platini gekommen, um Bilanz zu ziehen. Das ist gewissermaßen die Pflicht des Uefa-Präsidenten am Vorabend eines EM-Finales. Es ist bisweilen eine mühsame Pflicht. Es hilft daher, wenn man eine paar Scherze einstreut. Michel Platini feixte also auf dem Pressepodium in Kiew, schnitt Grimassen, zwinkerte den Journalisten zu. Er habe in den letzten Wochen "viel Wodka getrunken", witzelte er, "das ist hier so ein lokales alkoholisches Getränk". Zwischendurch richtete der Chef des europäischen Fußball-Verbandes dann auch die unvermeidlichen Worte an die Ausrichter Polen und Ukraine: dass diese EM, die erste in Osteuropa, das tollste Turnier gewesen sei, das es je gab.

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Skurrile Vorschläge: Michel Platini (rechts) und Wiktor Janukowitsch.

(Foto: dapd)

In irgendeiner Kategorie sind Turniere ja immer die tollsten. Diese EM also war es in den Kategorien "Einzigartigkeit" und "Einfluss auf die Menschen": Nie zuvor habe die kontinentale Fußballparty "ein so wichtiges Erbe hinter- lassen", sagte Platini, er meinte damit den Stolz der Gastgeber ebenso wie die neuen Stadien und Flughäfen.

Das Problem war nun: Wenn etwas im Großen und Ganzen in Ordnung war, ist es schnell erzählt. Es wäre also noch eine Menge Zeit gewesen in dieser Abschluss-Pressekonferenz, um über die wirklich spannenden Dinge zu sprechen. Etwa: Ob die Uefa ihre EM-Turniere auch weiterhin vergeben wird, ohne sich für demokratische Standards in Ausrichterländern wie der Ukraine zu scheren.

Oder: Wo bei den Stadionbauten in Kiew oder Lemberg das ganze Geld versickert ist. Solche Fragen hatten Platini schon seit Wochen die Laune verdorben. Was also tun? Den Visionär geben, wenn es in der Gegenwart ungemütlich wird - niemand hat das so perfektioniert wie Platinis Ziehvater Sepp Blatter, der Patron des Weltverbandes Fifa. Und Michel Platini hat offenbar gut zugeschaut.

"Als erstes möchte ich Ihnen eine Idee mitteilen", sagte er. Eine Idee? Ja, eine Idee! "Eine, die mir schon vor einer Weile gekommen ist, und die heute im Exekutivkomitee viel Zustimmung fand." Wie wäre es, so lautet die Idee, "wenn wir die EM 2020 nicht in einem Land oder in zwei Ländern veranstalten würden - sondern in ganz Europa?" Die Journalisten schienen auch das zunächst für einen Scherz zu halten. "Ja, das dachte ich mir", freute sich Platini, "dass da erst mal die Köpfe nach oben gehen." Er meint es allerdings ernst.

Polen, die Ukraine, das war nun also schon wieder Vergangenheit. Es ging jetzt um die Idee. Wie soll so ein Turnier aussehen? "Wir spielen in zwölf Städten in zwölf verschiedenen Ländern", erläuterte Platini, "dann muss jedes Land nur noch ein Stadion und einen Flughafen bauen. Ich glaube, das ist eine großartige Idee während der Wirtschaftskrise." Und die Fans müssen zwischen Lissabon, Cardiff und Tiflis hin und herreisen?

"Es gibt Low-Cost-Airlines, das ist doch heute kein Problem mehr." Frage um Frage bezog sich nun auf die Idee, und irgendwann gab Platini auf jeden Versuch, die Idee als Schnaps- oder wenigstens Wodka-Idee zu entlarven, nur noch diese Antwort: "Leute, es ist nur ein Vorschlag! Wir werden das diskutieren!" Erst im Mai 2014 wird die endgültige Entscheidung fallen: "Vielleicht lassen wir es ja am Ende auch bleiben!"

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