Vierschanzentournee:Die Österreicher schwächeln weiter

Klar, sagte er später, bei der Landung sei er etwas in Rücklage gekommen, aber der Sprung habe sich "supergut angefühlt". Und sein Coach, Bundestrainer Stefan Horngacher, war erfreut: "Es war sehr schwer, heute hier zu springen, Karl hat einen tollen Wettkampf gezeigt." Nun geht es weiter nach Innsbruck, und womöglich hat Geiger nun sogar den einleuchtenderen Aufwärtstrend. Er ist Kobayashi näher gekommen, und er kehrt auf die Bergiselschanze zurück, dorthin, wo er vor neun Monaten hinter Teamkollege Markus Eisenbichler WM-Silber gewonnen hatte.

Eisenbichler wurde diesmal Zehnter, und weil sich der 20-jährige Oberaudorfer Constantin Schmid zudem auf Platz sieben setzte, kamen abermals drei DSV-Springer unter die besten Zehn. Weniger gut lief es bei dem zweiten Verband, der bei diesem Skisprung-Höhepunkt Heimwettkämpfe veranstaltet, bei den Österreichern.

Kraft verliert den Anschluss zur Spitze

Schon in den vergangenen Tournee-Ausgaben war Garmisch-Partenkirchen für das Team des Österreichischen Skiverbandes ein Ort schwerer Niederlagen, die Mannschaft schwächelte, und dann verlor 2018 und 2019 sogar der letzte starke Springer an dieser Schanze sein Duell und schied vorzeitig aus: Stefan Kraft. In abgeschwächter Form hielt dieser Fluch nun auch am Neujahrstag 2020 an. Kraft kam zwar in den zweiten Durchgang, aber die wohl letzten Hoffnungen darauf, dass ein ÖSV-Mann noch um den Gesamtsieg mit-springt, wenn die zweite Tourneehälfte in Innsbruck anbricht, waren am Ende trotzdem verflogen.

Im ersten Durchgang gelang Kraft abermals kein guter Absprung, er verfehlte den Druckpunkt, und danach halfen ihm all seine Flugkünste nichts mehr, er kam nur auf 129 Meter - noch kürzer war's im zweiten Durchgang. Als Gesamt-Fünfter mit 33,6 Punkten Rückstand hat er den Anschluss an die Spitze verloren. Und weil Krafts Kollege Philipp Aschenwald ebenfalls instabil vom Schanzentisch wegkam und zudem ein Päckchen Rückenwind auf den Buckel bekam, rutschte er auf Rang 15 ab. Außerdem war das ganze Team wegen eines Infekts angeschlagen, und so bleibt den ÖSV-Springern abermals nichts anderes übrig, als diese Olympiaschanze schnellstens zu verdrängen.

Anders diesmal die Deutschen. Das Geheimnis, um in einem Tour-Sport erfolgreich zu sein, egal ob Radfahren, Langlaufen oder Skispringen, liegt ja auch darin, den inneren Schwung gemeinsam zur nächsten Station mitzunehmen. Bei der ersten Überfahrt der Tournee, beim langen Transfer von Oberstdorf nach Garmisch-Partenkirchen, sind schon manche Teams im Schnee stecken geblieben, was besonders unangenehm ist, wenn noch schnell in der Nacht aufgebrochen wurde und die Skispringer auf der Rückbank eines Kleinbusses im Dunkeln den Stau absitzen. Diesmal aber hatte alles gepasst: Am Morgen des ersten Ruhetags setzte man gemütlich über, genoss in Partenkirchen das Montags-Training und die Qualifikation am Dienstag und setzte sich am Silvesterabend ans Lagerfeuer, natürlich diszipliniert und nicht zu lange, weil am Neujahrsmorgen das nächste große Fliegen begann.

„Im Hotelflur“

Der Cheftrainer der norwegischen Skispringer, der Österreicher Alexander Stöckl, hat die Garmischer Organisatoren scharf kritisiert. "Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war es", schrieb Stöckl bei Twitter: "Vorspringer schlafen im Hotelflur, keine Container für kleine Nationen. Ich bin nicht amüsiert." Der norwegischen Zeitung VG berichtete Stöckl, dass andere Gäste nachts in seiner Unterkunft über einen im Flur schlafenden Vorspringer hätten steigen müssen, um zum Gemeinschaftsbad zu kommen. "Das ist ein Skandal und wenig professionell." Auch Vorspringer Ole Henning Holt, 52, der die Nacht nach eigenen Angaben auf dem Boden verbrachte, fand deutliche Worte. "Ich bin ein einfacher Mann, und wenn alles warm und trocken und relativ sauber ist, ist es in Ordnung. Aber es ist klar, dass das hier nicht gut ist. Immerhin bin ich hier, um einen Job zu machen." dpa, sid

© SZ vom 02.01.2020
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