Zehn Monate nachdem die Anzugschummeleien der norwegischen Skispringer bei der Weltmeisterschaft in Trondheim aufflogen, hat der Weltverband Fis die verantwortlichen Trainer zur Rechenschaft gezogen. Der damalige Cheftrainer Magnus Brevig, Assistenztrainer Thomas Lobben und Servicemann Adrian Livelten wurden für jeweils 18 Monate gesperrt. Außerdem müssen sie sich an den Verfahrenskosten beteiligen und jeweils 5000 Schweizer Franken (5400 Euro) zahlen.
Die Ethikkommission des Weltverbands befand das Trio für schuldig, durch unerlaubte Schneiderarbeiten den WM-Wettkampf manipuliert und den Betrug verschleiert zu haben. In Trondheim waren die Sprunganzüge der norwegischen Athleten Johann André Forfang und Marius Lindvik vorsätzlich regelwidrig verändert worden, um bessere Flugeigenschaften zu erwirken. Der Nähmaschinenskandal der WM-Gastgebernation flog erst beim abschließenden Springen von der Großschanze auf, überschattete die Schlusstage der WM und erzürnte die internationale Konkurrenz. Das norwegische Team hatte die Manipulationen noch in Trondheim zugegeben. „Wir haben betrogen“, räumte Verbandssportchef Jan Erik Aalbu damals bei einer Pressekonferenz ein. Die Hauptschuld wurde jedoch dem später entlassenen Cheftrainer Brevig angelastet.

Gespräch zu Norwegens Skisprung-Affäre:„Das ist unglaublich geschickt gemacht. Aber verboten!“
Der frühere Bundestrainer Werner Schuster spricht über den norwegischen Manipulationsskandal und erklärt, warum die Nähmaschine für Skispringer den gleichen Zweck hat wie das Wachs für Langläufer. Und er macht konkrete Vorschläge für die Zukunft.
Im Gegensatz zu den Trainern kamen Olympiasieger Lindvik und Kollege Forfang mit einer milden Strafe davon. Die Athleten einigten sich schon im August mit der Fis auf einen Vergleich: Nach einer Dreimonatssperre durften sie zu Beginn der Olympiasaison auf die Schanzen zurück und springen seitdem wieder im Weltcup. Die Ethikkommission glaubte ihnen, dass sie keine „tatsächliche Kenntnis von den Manipulationen“ hatte. Wohl aber räumten beide ein, dass sie die nächtlichen Schneiderarbeiten an ihren Anzügen hätten prüfen oder hinterfragen müssen.
Im Falle des früheren Trainers Brevig und seiner Kollegen sieht das Urteil nun vor, dass die 18-monatige Suspendierung seit dem 8. Januar gilt. Davon werden die seit dem 12. März 2025 verbüßten Zeiten einer vorläufigen Sperre abgezogen.
Der Weltverband Fis hat nach dem Betrugsskandal die Regeln massiv verschärft
Aufgeflogen war der Skandal im März durch ein anonymes, durch ein Fenster gefilmtes Video, das, im Beisein Brevigs, nächtliche Näharbeiten an WM-Anzügen zeigte, die bereits mit Kontrollchips des Weltverbands Fis versehen waren. In den Anzügen war im Bereich des Schritts regelwidrig ein steifes Band vernäht worden. Durch diesen illegalen Trick vergrößert sich die Flugfläche. Lindvig und Forfang wurden nach dem WM-Springen disqualifiziert.
Die Ethik- und Compliance-Abteilung des Skiweltverbands (IECO) hatte die Machenschaften bei der WM mehrere Monate untersucht und Zeugen gehört. Im August übernahm die Ethikkommission. Verantwortlich für das Prozedere war ein in London ansässiges unabhängiges Schiedsgericht namens Sport Resolutions unter Vorsitz des britischen Anwalts Michael Beloff. Dem 31-seitigen Schiedsgerichtsurteil ist zu entnehmen, dass Brevig zur Strafmilderung unter anderem vorgebracht habe, das norwegische Team habe unter großem kommerziellem Druck gestanden, im Wettkampf gut abzuschneiden. Außerdem habe es den Verdacht gegeben, dass auch andere Nationen mit dem Material experimentierten. Dies könne „das Motiv erklären aber nicht den Regelbruch rechtfertigen“, heißt es im Urteil.
Im Bemühen, die Glaubwürdigkeit des Wettkampfs wiederherzustellen, hat der Weltverband Fis nach dem Betrugsskandal die Regeln massiv verschärft. Die Neuerungen betreffen Anzugschnitt und -form. Auch wurden die Kontrollen vor und nach jedem Springen verschärft und mehr Möglichkeiten zur Sanktion bei Regelverletzungen geschaffen.

