Skispringen Hoffnung auf den Hexenkessel

Vor vier Jahren war Stefan Kraft noch Vierschanzentournee-Sieger, jetzt ist er vor allem frustriert.

(Foto: Daniel Karmann / dpa)

Österreichs Springer setzen nach der Niederlage in Garmisch auf Innsbrucks Schanze.

Von Volker Kreisl, Innsbruck

Am 2. Januar, wenn die Vierschanzentournee über die Berge nach Innsbruck kommt, nimmt diese Winterserie normalerweise Fahrt auf. Das liegt an der einmaligen, aber auch selektiven Schanze, zudem daran, dass sich die Führenden nun absetzen können, und natürlich daran, dass Innsbruck im Skisprungland Österreich liegt, womit großartige Stimmung garantiert wäre. In diesem Winter aber dürfte diese gedämpft sein. Denn für Österreichs Team geht es nach dem denkwürdigen Einbruch in Garmisch-Partenkirchen vor zwei Tagen nicht mehr um den Gesamtsieg, wohl nicht mal mehr ums Podest.

Trotz seines großartigen Starts in Oberstdorf ist auch der Weltmeister von 2017, Stefan Kraft, nicht mehr dabei, und sein missglückter Sprung im ersten Durchgang, durch den er früh ausgeschieden war, hinterließ womöglich auch Risse im Selbstwertgefühl mancher Teamkollegen. Ebenfalls fehlten im Finale ja der Tournee-Zweite von 2015, Michael Hayböck, Markus Schiffner und zwei weitere Springer. Manuel Fettner wurde 28., allein der 26-jährige Daniel Huber hielt sich noch ordentlich, mit Platz 15 und immerhin nur 22 Punkten Rückstand auf Gesamtrang drei.

Für den neuen Cheftrainer Andreas Felder hat sich allerdings gar nicht so viel geändert. Es geht gewiss darum, dieses niederschmetternde Resultat zu kontern, schon der Heimzuschauer in Innsbruck und Bischofshofen wegen, aber auch, damit sich das Selbstbewusstsein seiner Springer wieder aufrichtet. Doch kann im Skispringen ein neues Trainingssystem eine derartige Formkrise auch nicht abwenden, selbst wenn in sechs Wochen die Nordisch-WM im eigenen Land stattfindet, in diesem Fall in Seefeld/Tirol.

Felder zeigt daher das, was jeder Trainer der Öffentlichkeit in so einer Lage zeigt: Beharrlichkeit und Optimismus. "Wir werden jetzt analysieren, regenerieren und am Bergisel neu angreifen", sagte er. Und der immer noch beste Österreicher Stefan Kraft erklärte, die Bergisel-Schanze von Innsbruck sei ein cooler Hexenkessel: "Ich traue mir zu, da vorne mitzuspringen." Denn vielleicht hat er Garmisch dann schon verarbeitet: "Die Erfahrung dort macht mich hoffentlich besser."