bedeckt München 20°

Skispringen:Deutschlands Frauen fliegen allen davon

Nordische Ski-WM Seefeld

Die Gold-Springerinnen: Juliane Seyfarth (l), Carina Vogt (2 v.l.) und Ramona Straub (r) freuen sich mit Katharina Althaus.

(Foto: dpa)
  • Die deutschen Skispringerinnen haben den ersten Teamwettkampf bei einer Nordischen Ski-WM überhaupt gewonnen.
  • Zweiter wurde Österreich. Dritter Norwegen. Viele andere Nationen haben beim Frauen-Springen noch großen Nachholbedarf.
  • Hier geht es zu allen Ergebnissen der Skisprung-WM.

Es war wie nach jedem großen Finale. Die Springerinnen, die auf dem Podest landeten, warfen die Arme in die Luft und schlugen dann die Hände vor die Skibrille. Fernsehteams kreuzten im Zielraum und führten Interviews mit glücklichen Sportlerinnen oder auch deren Eltern. Und von den mehreren tausend Zuschauern blieben genug da, um noch bei der Zeremonie für die Besten dabei zu sein, jenen, die sich zuvor gegenseitig vor Freude in den Schnee geschubst hatten.

Es ging ja nicht nur um irgendeinen WM-Team-Sieg, sondern um den, der in den Statistiken irgendwann ganz oben stehen wird: den ersten WM-Titel im Teamspringen der Frauen. Und es ging um noch mehr, nämlich zu zeigen, dass der Sprungsport der Frauen sich immer mehr entwickelt und auch als Team-Wettkampf reif für die große Bühne ist. Manche hatten gefürchtet, dass es noch zu wenige ausgeglichene Frauen-Skisprung-Teams gibt. Fraglich war auch, ob alle Mannschaften sich rechtzeitig auf diesen Termin einstellen konnten, denn der Österreichische Skiverband hatte die Aufnahme wegen nötiger Verbesserungen an der Anlage erst knapp fünf Wochen vor dem Wettkampf bestätigt.

Dann aber entwickelte sich überraschend ein abwechslungsreicher Wettstreit, der - anders als zwei Tage zuvor bei den Männern - bis zum letzten Sprung offen blieb, weshalb die Siegerinnen aus Deutschland sich dann vor Erleichterung besonders heftig in den Schnee schubsten.

Das deutsche Team hat schon sehr früh feste Strukturen geschaffen

Juliana Seyfarth aus Ruhla/Thüringen, Ramona Straub (Langenordnach/Schwarzwald), Carina Vogt (Degenfeld/Württemberg) und Katharina Althaus (Oberstdorf/Allgäu) galten als hohe Favoritinnen. Wie in den Jahren zuvor stellten sie in dieser Saison im Weltcup das stärkste Team, zuletzt lagen in der Gesamtwertung vier unter den besten zwölf Springerinnen, drei sogar unter den ersten Fünf. Der deutsche Verband hatte schon vor sieben Jahren Strukturen geschaffen, Sichtungstage angeboten, was sich in diesem Quartett aus lauter verschiedenen Wintersportregionen nun niederschlägt. Und doch mussten dieses am Ende um den Sieg zittern.

Immerhin, der Vorsprung wuchs zunächst, wenn auch nicht so deutlich wie erwartet. Knapp 20 Punkte waren es nach sechs von acht Sprüngen, und das meiste dafür hatte Ramona Straub beigetragen, mit zwei tadellosen Flügen, mit denen sie an diesem Tag sogar Einzelsiegerin geworden wäre. Die Japanerinnen waren früh zurückgefallen, auch weil ihre Weltcup-Rekordsiegerin Sara Takanashi instabil flog, Slowenien und Russland waren ebenfalls schon abgeschlagen.

Österreich und Norwegen schienen somit die Ränge zwei und drei unter sich auszumachen, Bundestrainer Andreas Bauer konnte den Rest scheinbar entspannt genießen, doch es war nicht der Tag von Carina Vogt, der Olympiasiegerin von 2014. Ihr siebter Flug geriet zu wackelig und viel zu kurz, rund neun Punkte Vorsprung blieben, anders ausgedrückt: viereinhalb Meter auf dieser Schanze.

Drei Weltklasseteams sind auf Dauer zu wenig für gute Wettbewerbe

Am Ende war es Bauers konstanteste Springerin, Olympia-Silbergewinnerin Katharina Althaus, die die Nerven behielt. Daniela Iraschko-Stolz, 35 und Österreichs Skisprung-Pionierin, hatte es als Schlussspringerin noch spannend gemacht. Doch Althaus wirkte als Letzte auf dem Balken sitzend weiterhin entspannt, sie blickte hinüber zu Bauer, und als der die Fahne abschwenkte, hockte sie sich ohne zu zögern in die Anlaufspur, erwischte einen pünktlichen Absprung und segelte anders als so viele andere an diesem Nachmittag stabil und mit genügend Körperspannung wie eine Bergdohle hinab.

"Es war nicht ganz leicht", sagte Althaus später, "zum ersten Mal hatte ich auch Verantwortung für das ganze Team." Am Ende war sie froh, dass die grüne Linie der Führenden, die diesmal den ersten WM-Sieg beim Frauen-Teamspringen markierte, unter ihr vorbei huschte, als sie noch weit oben in der Luft war. Insgesamt war es ein durchaus würdiger Auftakt für kommende Teamwettkämpfe, auch wenn sich alle im Klaren sein dürften, dass noch viel zu tun ist. Drei Weltklasseteams sind auf Dauer zu wenig für gute Wettbewerbe. Und tiefere Strukturen für das Frauen-Springen weisen die meisten anderen Nationen noch nicht auf, manche stehen sogar noch am Anfang. Polens Verband, bei den Männern eine Top-Nation, hat die Entwicklung bei den Frauen komplett verpasst.

Wintersport "Heute können wir es mal krachen lassen"

WM-Gold für deutsche Skispringer

"Heute können wir es mal krachen lassen"

Die deutschen Skispringer gewinnen mit großem Vorsprung den Teamwettbewerb der WM - und erinnern an die erfolgreichen Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald.