Anzugskandal bei Nordischer Ski-WMMaterialchef will Kontrollen wie am Flughafen

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Andreas Bauer fordert weitreichende Maßnahmen.
Andreas Bauer fordert weitreichende Maßnahmen. (Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Andreas Bauer ist Chef der Fis-Materialkommission und hat einen Betrug wie durch die Norweger „in meinen 50 Jahren im Skispringen noch nie erlebt“. Er fordert zukünftig den Einsatz von moderner Technik.

Der Eklat um manipulierte Anzüge bei Norwegens Skispringern kann zu einem Vertrauensverlust für die gesamte Sportart führen – diesem sollte der Weltverband Fis mit modernen Maßnahmen entgegenwirken. So sieht es Andreas Bauer, Chef der Fis-Materialkommission und bei der skandalträchtigen WM als Jury-Mitglied dabei. „Was die Norweger in Trondheim gemacht haben, habe ich in meinen 50 Jahren im Skispringen noch nie erlebt“, sagte Bauer im Interview mit der Allgäuer Zeitung sowie den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung: „Das ist eine ganz andere Dimension.“

Am Samstag war der Skandal durch belastende Videos aufgekommen, sie zeigten die Arbeit an den Anzügen. Die Prüfer hätten in den Anzügen der Norweger Marius Lindvik und Johann Andre Forfang dann „ein eingenähtes, starres Band“ entdeckt, „dies macht den Anzug steifer und fester. Dadurch verbessern sich die Flugeigenschaften“, sagte Fis-Funktionär Bauer. Von außen sei es nicht zu erkennen gewesen.

Am Sonntag gab Norwegens Sportdirektor Jan-Erik Aalbu den Betrug zu, beteuerte aber – ebenso wie Lindvik und Forfang –, nichts davon gewusst zu haben. Trainer Magnus Brevig wurde inzwischen suspendiert, wie auch Assistenzcoach Thomas Lobben und Anzugschneider Adrian Livelten. „Was wir getan haben, ist, die Anzüge so zu manipulieren oder zu modifizieren, dass sie gegen die Regeln verstoßen“, sagte Brevig, „es war eine bewusste Handlung, und folglich ist es Betrug.“

Bauer sieht eine „von langer Hand geplante, systematische Manipulation“. Die Fis müsse das Material daher künftig intensiver und zeitgemäßer untersuchen. „Bisher wird alles händisch überprüft, menschliche Messungenauigkeiten sind nicht auszuschließen“, sagte Bauer: „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich auf die moderne Technik umsteigen und wie am Flughafen 3D-Scanner nutzen. Wir können die Körpermaße der Springer scannen und sie anschließend in den Anzügen scannen.“ Mit der modernen Technik werden wir es schaffen, Betrügereien dieser Art künftig zu verhindern.“

„Es war eine bewusste Handlung, und folglich ist es Betrug.“

Noch bis Ende März läuft der Weltcup, es seien Schnellmaßnahmen möglich. „Mein Vorschlag: Wir lassen pro Springer nur noch einen Anzug zu und prüfen diesen auf Herz und Nieren“, sagte Bauer: „30 Minuten vor Wettkampfbeginn werden die Anzüge ausgegeben und unmittelbar nach dem Springen wieder in die Obhut der Fis eingezogen. So können keinerlei Veränderungen vorgenommen werden. Das müssten aber höhere Fis-Instanzen noch beschließen.“

Die Fis hat unterdessen Untersuchungen eingeleitet, schon an diesem Mittwoch sollen erste Ergebnisse präsentiert werden. Der Weltverband nannte den Vorgang „eine ernste Angelegenheit“. Fis- Generalsekretär Michel Vion kündigte an, dass man jeden Stein umdrehen werde, um Respekt und Fairness sicherzustellen. „Und wenn wir zum Schluss kommen, dass die Ausrüstungsvorschriften drastisch geändert werden müssen, werden wir dies tun.“

Der norwegische Skiverband kündigte zugleich an, dass seine Springer um die zuletzt disqualifizierten Marius Lindvik und Johann André Forfang an diesem Donnerstag beim Weltcup am Holmenkollen in Oslo an den Start gehen. Das wiederum stößt dem deutschen Olympiasieger Andreas Wellinger mächtig auf. „Ich habe eigentlich wenig Lust, einem Norweger auf der Schanze zu begegnen“, sagte der 29-Jährige bei Servus TV: „Nicht weil einer explizit persönlich etwas dafür kann, sondern weil diese Manipulation von A bis Z so übers Ziel geschossen ist.“ Er wisse „aus der Erfahrung aus den letzten zwölf Jahren, wo ich jetzt dabei bin: Wenn Änderungen am Anzug stattfinden, dann stehe ich da drinnen und ich merke, dass der anders ist und frage nach, was da geändert wurde“. Für ihn sei die Manipulation der Anzüge eine „Verarsche“ für alle anderen Springer, betonte Wellinger, der bei der WM auf der Normalschanze Silber hinter Lindvik gewonnen hatte.

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SZ PlusVon Barbara Klimke

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