Skifliegen:Kraft voraus

Lesezeit: 1 min

Der Österreicher Stefan Kraft beweist beim Skifliegen in Vikersund, wie weit es einen Menschen auf zwei Skiern tragen kann. (Foto: imago/GEPA pictures)

Kurz vor Ende der Saison nähert sich der Österreicher Stefan Kraft dem Gesamtsieg - und stellt beim Skifliegen einen Weltrekord auf.

Von Volker Kreisl

Stefan Kraft kann, anders als die meisten übrigen Wintersportler, noch nicht nach Hause fahren und den Urlaub antreten nach diesem Sonntag. Die Skispringer begehen ihr Weltcupfinale erst am kommenden Wochenende in Planica in Slowenien. Kraft, 23, bleibt also noch in seinem Konzentrationstunnel, trotzdem steht es so gut wie fest, dass der Bischofshofener der große Saisonsieger werden wird. Dass er auch die restlichen Flüge im März weit herunterbringt, und wie in Vikersund nach Worten ringt: "Unglaublich, a Wahnsinn, Adrenalin pur."

Im ersten Saisondrittel hatte Kraft Stück für Stück sein Flugsystem aufgebaut, nach einem Rückschlag war er schnell wieder auf der Höhe gewesen, und danach bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr zu stoppen. Der Rückschlag, das war ein Magen-Darm-Virus und ein Windspringen in Innsbruck mitsamt Tournee-Niederlage, die Rückkehr aufs Podest gelang dann bereits in der Woche darauf in Wisla/Polen. Seitdem springt er immer genauer, bis zuletzt erlaubte er sich kaum Schwächen. Seine Konkurrenten absolvierten persönliche Bestleistungen und wussten doch: Kraft sitzt oben und springt noch.

Je länger diese Saison dauert, desto wohler scheint er sich in der Luft zu fühlen. Gewonnen hat er bislang sechsmal, seit Ende Januar war er immer auf dem Treppchen, und gegenüber seinem zuletzt härtesten Gegner Andreas Wellinger (Ruhpolding) hat er mehr Punkte, weil er schon vor Weihnachten passabel flog. Beide Einzeltitel bei der WM in Lahti gingen an ihn, am Sonntag auch noch die Raw-Air-Wertung, also die Norwegen-Tournee, weil Wellinger am Sonntag in seinem letzten Sprung als Führender Wind-Pech hatte.

Das mit dem Adrenalin und dem Wahnsinn hatte Kraft in Vikersund nach dem Teamspringen gesagt, da war er besonders aus dem Häuschen, nach seinem Weltrekord von 253,5 Meter. Diese für Oberschenkel und Knie schon riskante Weite hatte er gerade noch gestanden, besser gesagt tief, aber regelgerecht gehockt. Also auch den Weltrekord noch - Robert Johansson muss es die ganze Zeit befürchtet haben. Der Norweger hatte zuvor die Bestmarke auf 252 Meter verbessert, aber er wurde halt nur Weltrekordler für ein paar Minuten. Denn oben saß noch Kraft.

© SZ vom 20.03.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: