Skifahrer Feller:"Schaut in die Glotz'n"

Lesezeit: 3 min

03.01.2020, Hochstein, Lienz, AUT, OeSV, Training Slalom, im Bild Manuel Feller (AUT) // Manuel Feller of Austria during; Manuel Feller

Wilde Haare, wilder Stil: Manuel Feller, Elfter in Hinterstoder.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Österreichs kuriose Alpin-Debatte: Manuel Feller, an dem die Nation festmacht, dass die Weltspitze für die eigenen Rennläufer nach dem Karriereende von Marcel Hirscher weit entfernt ist, wehrt sich gegen seine Kritiker.

Von Felix Haselsteiner

Der Präsident des österreichischen Skiverbands hat sich in seiner langen Amtszeit bereits zu vielen Dingen geäußert. Peter Schröcksnadel sprach einst kryptisch über Frauen und Männer ("Die Sprache der Frau ist eine andere Sprache, als die des Mannes"), sehr zurückhaltend über Doping ("Austria is a too small country to make good doping") und mehr als kritisch zum Klimawandel ("Ich lasse mich nicht gern verarschen, auch nicht von der ganzen Klimawelt"). Es dauerte jedoch bis in den Februar 2020, bis Schröcksnadel sich auch zum Thema Rap-Musik äußerte, einem Thema, das im Skisport auch lange keine Rolle gespielt hatte.

Dann jedoch veröffentlichte am 31. Januar der ÖSV-Rennläufer Manuel Feller auf Instagram ein Video, in dem er folgende Sequenz vortrug: "Sitzt auf der Couch/der Möchtegern-Trainer/schaut in die Glotz'n und denkt sich/des dad i gern kenna". Feller unterlegte seinen Rap mit einem modernen Beat, hatte einen hervorragend gereimten Text verfasst und hielt sich an den Ablauf eines klassischen Raps (Intro, Part, Hook, Part, Hook, Outro).

"Künstlerisch", stellte daher auch Schröcksnadel fest, sei Fellers Darbietung "gar nicht schlecht" gewesen. Sich via Rap an die kritischen Kritiker zu wenden, sei legitim. Probleme sah nicht nur der Präsident in dem Mittelfinger und der expliziten Beleidigung, die Feller am Ende des Videos äußerte: "Den letzten Satz hätte er weglassen können." Feller selbst sieht dies im Nachhinein auch so, er entschuldigte sich mehrmals für den Ausrutscher, der seine eigentliche Botschaft etwas in Vergessenheit geraten ließ: Feller hatte sich eloquent rappend an Österreichs unendlich viele Experten und Skifans gewandt, die ihn und das ÖSV-Technikteam aktuell so lautstark kritisieren wie selten zuvor.

"Wenn ich Manuel Feller zuschaue, kommen mir die Tränen."

Der elfte Platz, den Feller vorigen Sonntag im Heimrennen in Hinterstoder einfuhr, war das drittbeste Riesentorlauf-Resultat eines Österreichers in dieser Saison, womit über die Tiefe der Krise, in der sich die ÖSV-Techniker befinden, fast alles gesagt wäre. "Das war ein wichtiger Schritt", sagte Feller nach dem Rennen. Bergauf ging es in Hinterstoder tatsächlich, gemessen jedoch an dem schlechtesten Weltcupresultat in der Geschichte der stolzen Skination: Anfang Februar war Feller als 28. in Garmisch-Partenkirchen bester Österreicher gewesen. Dass die Weltspitze nach dem Karriereende von Marcel Hirscher in weite Ferne entrückt ist, machen viele in Österreich besonders an Feller fest, teilweise in unpassendem Ton: "Wenn ich Manuel Feller zuschaue, kommen mir die Tränen, weil er technisch derart schlecht Ski fährt", sagte Anfang Februar zum Beispiel Christian Mayer, Riesentorlauf-Weltcupsieger in der Saison 1993/94.

Der harsche Ton Feller gegenüber aus dem Lager der Gurus und Experten hat sich in dieser Saison verschärft. Der 27-Jährige Tiroler aus Fieberbrunn gab jahrelang neben den erfolgreichen, braven Arbeitern wie Hirscher oder Mario Matt den Paradiesvogel. Er erschien mit einem grün angemalten Schnauzbart zum Slalom in Kitzbühel, äußerte sich auf Instagram in einer Videoserie namens "Felli speaks his mind" immer wieder zu Kritik von Fans und Medien. Mit seiner authentischen, geradlinigen Art wurde er zum Publikumsliebling. Mit wilden Haaren, wildem Stil und meist zu viel Risiko wand sich Feller durch die Tore, die Slalom-Silbermedaille bei der WM 2017 bewies, dass er nicht nur zu den interessantesten Charakteren, sondern auch zu den besten Skifahrern zählt.

Nach Hirschers Abschied rückte er ins Rampenlicht - und Österreich prüft seine Resultate. Die sind nicht immer Weltspitze, die Kritik vergisst aber häufig, dass Feller Anfang Dezember erneut einen Bandscheibenvorfall erlitt. Bereits 2014 stand Fellers Karriere in Frage, diesmal entschied er sich für ein Blitzcomeback fast ohne Aufbautraining: "Das führt dazu, dass ich nicht jeden einzelnen Schwung bis auf die letzte Rille durchziehen kann", so Feller: "Wahrscheinlich wird es erst mit dem Training über den Sommer so, dass ich die Kondition habe, die ich brauche."

ÖSV-Techniktrainer Marko Pfeifer sagte schon im Januar: "Manuel sollte vor allem im Riesentorlauf der Leistungsträger sein, das Manko ist aber sein Körper." Pfeifer sieht die Krise als Folge davon, dass Hirscher "als Schutzschild" weggefallen sei, aber: "Wenn das Team die aktuelle Kritik überwindet, wird es viel stärker zurückkommen."

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