Skicrosser Andreas Schauer Beinahe hätte eine Krankheit die Karriere gekostet

"Es gibt ein, zwei Nationen, die sehr aggressiv fahren", sagt Schauer. "Vor allem das, was die Franzosen manchmal veranstalten, ist einfach nur gefährlich", sagt er. Tatsächlich bleibt es im Skicross nicht bei Prellungen, verschobenen Wirbeln und blauen Flecken. Schauers Lenggrieser Weltcup-Kollegin Heidi Zacher bekam dies 2012 zu spüren. Beim Weltcup im österreichischen St. Johann verhakte sie sich in einem Sprung mit einer französischen Kontrahentin und stürzte so schwer, dass sie sich den Unterschenkel brach. Für sie war die Saison beendet. "So etwas will keiner", sagt Schauer. Und dennoch knallt es oft, in jener Sportart, die im Fachjargon als "Vierer-Gladiatorenkampf" bezeichnet wird. Schauer selbst blieb bisher von schlimmeren Verletzungen verschont. Stattdessen hätte ihn jedoch eine Krankheit fast die Karriere gekostet.

Wie praktisch jeder im oberbayerischen Wintersport-Ort Lenggries rutschte Schauer bereits als kleiner Bub auf Skiern die Hänge hinab. Der Deutsche Skiverband berief das 14-jährige Talent schließlich in jenen Auswahlkader, den auch die Alpinrennfahrer Felix Neureuther und Viktoria Rebensburg einst durchliefen. Kurze Zeit später, mit 16, raffte Schauer jedoch das Pfeiffersche Drüsenfieber nieder. "Ich konnte eineinhalb Jahre keinen Sport mehr machen", sagt Schauer.

Zu viel Zeit, um danach wieder den Anschluss zu finden und zu jenen wenigen zu gehören, die es tatsächlich in die alpine Weltspitze schaffen. "Ich hatte damals eigentlich schon damit abgeschlossen", sagt Schauer. Seine Konzentration galt längst einer völlig anderen Berufs-Bewerbung. Einer, bei der die Erfolgsaussichten allerdings ähnlich mager sind wie im Skisport.

Die nächste Mission heißt WM-Medaille

Es ist freilich eine treffende Parallele zum Skicross, dass sich der damals 20-Jährige schon 2006 in drei höchst schwierigen Einstellungsrunden bei der Lufthansa durchsetzte und schließlich seine Pilotenlizenz überreicht bekam. "Und das, obwohl ich in der Schule eigentlich kein Überflieger war", sagt Schauer. Erst zwei Jahre nach seinem Abitur nahm ihn ein Spezl schließlich probehalber zur deutschen Skicross-Meisterschaft mit. "Der Speed und der Adrenalinkick, das hat mir sofort getaugt", sagt Schauer heute. Seitdem steuert er nicht mehr nur europäische Flughäfen an, sondern macht Reisen in die Skigebiete dieser Welt.

In einer Woche in der Steiermark beginnt die Mission WM-Medaille. Dann steigt Schauer vor dem Teamhotel aus. Er wird dann nicht mit dem Flugzeug anreisen, sagt Schauer: "Sondern mit dem Mannschaftsbus."