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Ski-WM:Romed Baumann rast überraschend zu Silber

Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen

Überraschend zu Silber gerast: Romed Baumann.

(Foto: dpa)

Der Skifahrer holt beim Super-G in Cortina d'Ampezzo überraschend eine Medaille für das deutsche Team. Bei den Frauen gewinnt Lara Gut-Behrami endlich Gold.

Romed Baumann hat bei der alpinen Ski-WM in Cortina d'Ampezzo überraschend Silber im Super-G gewonnen. In einem spektakulären Rennen lag der gebürtige Österreicher, der seit zwei Jahren für den Deutschen Skiverband (DSV) fährt, nur 0,07 Sekunden hinter dem favorisierten Österreicher Vincent Kriechmayr. Bronze gewann Alexis Pinturault (+0,38).

"Es ist heute alles so locker von der Hand gegangen, ich hab gar nicht geschnauft im Ziel, es ist unglaublich", sagte der 35 Jahre alte Baumann, der auf der neuen Piste Vertigine seine ganze Routine ausspielte.

Für den DSV war es die erste WM-Medaille seit Slalom-Bronze von Felix Neureuther 2017 in St. Moritz/Schweiz. Im Super-G der Männer hatte bislang nur 1987 der spätere Olympiasieger Markus Wasmeier als Dritter in Crans-Montana/Schweiz auf dem WM-Podest gestanden. Baumann hatte zuvor für Österreich Bronze im Teamwettbewerb (2011 in Garmisch-Partenkirchen) und in der Super-Kombination (2013 in Schladming) gewonnen.

Lara Gut-Behrami holt ihr erstes Gold

Bei den Frauen ging die WM-Goldmedaille erstmals an die Lara Gut-Behrami, doch sie redete den Wert dieses Sieges erstmal klein. "Ich habe so viel erreicht in meinem Leben, dass es nicht an einer Medaille hängt", betonte die 29 Jahre alte Schweizerin und ergänzte nach ihrem Erfolg im Super-G: Eine Karriere solle bitte schön "nicht nur an einer Goldmedaille gemessen" werden.

Und doch: Es war Gold erwartet worden von Lara Gut-Behrami, wieder mal, und vor allem in der Ski-Nation Schweiz. Doch diesmal ging die große Favoritin, Siegerin der vier vorherigen Weltcup-Super-G, die Sache locker an. "Ich wusste zum ersten Mal", sagte sie, "dass mein Leben sich nicht ändern würde, wenn ich nicht Gold gewinne." Diesmal aber gewann sie - vor der Teamkollegin Corinne Suter (+0,34 Sekunden), der Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin aus den USA (+0,47) und Tschechiens Olympiasiegerin Ester Ledecka (+0,53).

"Sie hat ihre Lockerheit zurückbekommen", sagte deshalb auch Kira Weidle (Starnberg), die auf der Olimpia delle Tofane nach einer fehlerhaften Fahrt Rang 19 belegte (+1,93), über die Siegerin des Tages. Gut-Behrami, die erste Schweizer Weltmeisterin seit Sonja Nef 2001 (Riesenslalom), profitierte aber auch von einem haarsträubenden Fehler von Shiffrin: Die Amerikanerin war in ihrem ersten Super-G seit mehr als einem Jahr auf dem Weg zu einer überragenden Bestzeit, ehe sie fast ein Tor verpasste. "Es ist so, wie es ist", sagte Shiffrin und versicherte, Bronze sei "wirklich großartig."

Shiffrin ist dem Erwartungsdruck mit ihren zwei Olympiasiegen und fünf WM-Titeln längst gerecht geworden. Bei Gut-Behrami dauerte es etwas länger. Bei der WM 2009 in Val d'Isere war ihr Stern aufgegangen, sie gewann Silber in Abfahrt und Super-Kombination. Der Weg zu Olympia- oder WM-Gold schien vorgezeichnet, doch Gut-Behrami konnte ihn nicht zu Ende gehen: Sie gewann eine weitere silberne Medaille sowie drei bronzene, eine davon im Super-G bei der Heim-WM 2017 in St. Moritz - danach riss das Kreuzband.

Das größte Kunststück von Gut-Behrami, seit 2018 mit dem Fußballprofi Valon Behrami verheiratet, ist es, sich vom permanenten öffentlichen und auch eigenen Druck gelöst zu haben. "Ich habe probiert", sagte sie, "die Erwartungshaltung wegzuschieben." Es ist ihr gelungen.

© SZ/sid/bek
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