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Ski-Weltcup in München:Der Markt verlangt: Spektakel!

Geld lässt sich so nur bedingt verdienen - genau darum aber geht es im Sport heutzutage. Hujara sieht darin auch eine Voraussetzung, der immer lauter werdenden Forderung nach weniger Rennen nachzukommen: "Die Athleten leben davon, und wir würden ihnen gerne weniger Rennen mit mehr Preisgeld anbieten, aber das geht nur, wenn der Markt uns das Geld gibt." Der Markt für mehr Geld liegt nicht in verschneiten Dörfern.

Die Kritiker, die Heinz Krecek in den Achtzigern bremsten, gibt es auch heute noch. Besonders die sportliche Qualität wird in Frage gestellt, in München fahren die Athleten eine 200 Meter lange Piste mit 20 Toren hinunter, im Parallelslalom, Mann gegen Mann und Frau gegen Frau, die Laufzeit beträgt weniger als 30 Sekunden, etwa die Hälfte der Zeit bei einem Weltcup-Slalom. "Als ich davon gehört habe", sagt Didier Cuche, der 36-jährige Schweizer, der seit 17 Jahren im Weltcup fährt, "war ich nicht so begeistert." Der Kalender ist auch so voll genug, findet Cuche. Allerdings: "Wenn so etwas gut ankommt, muss man den Schritt machen", da brauche man auch nicht über den sportlichen Wert diskutieren, der sei nicht immer im Vordergrund.

Cuche spricht wie viele seiner Kollegen: Wenn Wintersport in der Stadt funktioniert, wie beim Biathlon auf Schalke, dann, bitteschön, soll es so sein. Sport ist heute ein hartes Konkurrenzfeld, das Geld wird auf einige Wenige verteilt, und wenn der Wintersport dabei sein will, dann muss er dem Markt geben, was er will. Und er will: Spektakel.

Das ist aufwendig und teuer, in Moskau kostete allein die Startrampe zehn Millionen Euro, in München verschlingt das Rennen "einen hohen sechsstelligen Betrag", wie es von der Olympiapark GmbH heißt; bezahlt vom Olympiapark, der Stadt und der Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2018 in München. Doch der Aufwand lohnt sich wohl: Im Vorverkauf wurden mehr als 10.000 Tickets abgesetzt.

Das Spektakel, sagt Marc Girardelli, 47, ist aber nicht das vordergründige Argument für die Stadtrennen. Sondern: "Es geht darum, dass die Läufer nah sind." Der Sport wird am Stadtberg greifbar, Girardelli findet das "toll". Der gebürtige Österreicher war in den Achtzigern und Neunzigern einer der besten Skirennläufer der Welt, er ist auch bei ein paar Stadtrennen gestartet, etwa in Wien. Er hat sich gefreut, als die Fis das Stadtrennen in ihren Kalender aufnahm, "man hat die Fis ja seit Jahren bekniet", aber die Fis, fügt er an, "war noch nie sehr entschlussfreudig".

Girardelli hat Erfahrung mit Wintersport in der Stadt: Er hat die Skihalle in Bottrop gebaut, und als der damalige Schalke-Manager Rudi Assauer 2001 zu ihm kam, um zu fragen, wie man die Arena außerhalb des Fußballs füllen könnte, da schlug er vor, Biathlon zu holen. Beim Deutschen Skiverband, erzählt Girardelli, hätten sie ihn belächelt, "eine Mickey- Maus-Veranstaltung, haben sie gesagt". Nun: 2009 kamen 50.000 Menschen zum Biathlon auf Schalke.

Der Wintersport ist im Wandel, er muss sich ändern, um zu bestehen, so sehen das nicht nur Girardelli und Hujara. Den Spagat zu halten zwischen Moderne und Tradition, das ist der Anspruch, dem es zu folgen gilt. Girardellis Forderung, künftig mehrere Stadtrennen auszutragen, sogar gleichzeitig, "wie beim Tennis", schließlich hätten Slalomläufer viele Leerzeiten im Jahr, wird deshalb vorerst keine Berücksichtigung finden.

"Mehr Stadtrennen geht derzeit nicht", sagt Hujara, Betonung aber auf: derzeit. Auch in Sachen Disziplinen ist ein Umbruch nicht ausgeschlossen. Cuche etwa stellt fest, dass die Leute "immer weniger den Unterschied zwischen Abfahrt und Super-G bemerken", eine Reform sei da dringend einmal nötig.

Um Geld zu verdienen, sagt Cuche allerdings auch, gebe es am Ende doch nur eine Möglichkeit: "Man muss schnell fahren." Egal, wo.