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Ski-Weltcup in München:Toronto, Québec, New York

Die Zukunft des Wintersports liegt in der Großstadt: Alpine Skirennen wie der Weltcup-Slalom in München sind das Signal für einen Umbruch. Dabei geht es vornehmlich ums Geldverdienen.

München ist wunderschön in der Silvesternacht, wenn man auf dem Olympiaberg steht: Man kann die Raketen von dort oben sehen und die Stadt, wie sie im Lichtermeer glänzt. Wenn sich nun 2010 verabschiedet, war das wieder so, nur ein bisschen anders - auf dem Berg standen auch einige ernst dreinblickende Kleiderschränke, Sicherheitsmänner, die den Berg bewachen. Der Olympiaberg ist jetzt ja ein Ski-Weltcuphang, und die Kleiderschränke sollten freudetrunkene Bürger davon abhalten, den Berg hinunterzurutschen, vielmehr: die Ski-Weltcup-Piste.

Ski-World-Cup am Olympiaberg

Weltcup-Piste Mitten in der Stadt: München bereitet sich auf den Parallelslalom am Olympiaberg vor.

(Foto: dapd)

Am Sonntag wird dort ein echtes Weltcup-Rennen mit Weltcup-Punkten steigen, mit den besten 16 Fahrern der Welt. Es wird das erste Mal sein, dass der Skiweltverband Fis Punkte für ein Stadtrennen vergibt. München ist, so gesehen, ein Signal: ein Startsignal. Die Zukunft des Wintersports liegt in der Großstadt, so sehen es jedenfalls die Vermarkter.

Die Idee, Skirennen in der Stadt auszutragen, ist allerdings nicht neu. 1986 fuhren die Männer in Berlin (ja: Berlin), im selben Jahr wie auch 1987 in München, auch damals auf dem Olympiaberg. 1985 war Wien Austragungsort, 1987 Calgary, und zuletzt, 2009, trafen sich einmal die Männer und einmal die Frauen in Moskau. Alle diese Rennen aber waren Showwettkämpfe, die zwar das Publikum begeisterten - aber eben nur das Publikum.

Die Skirennläufer mussten einige Strapazen auf sich nehmen: Im Dezember 1986 standen sie am Sonntag um sechs Uhr morgens in Bad Gastein auf, fuhren dort einen Weltcup-Slalom, wurden mit dem Bus nach Salzburg gefahren, um von dort per Hubschrauber nach München zu fliegen, wo um 19 Uhr das Showrennen beginnen sollte. "Ich will versuchen, die Idee, in die Großstädte zu gehen, durchzusetzen", das sagte damals Heinz Krecek, seinerzeit bei der Fis zuständig für den Frauen-Weltcup. Gegner dieser Idee aber fürchteten um die Seriosität des Sports.

"Der Ski-Weltcup ist die konservativste Gesellschaft, die ich kenne", das sagt heute Günter Hujara, Fis-Rennchef für der Männer. Es dauerte bis zum Fis-Kongress im Mai dieses Jahres in Antalya, ehe beschlossen wurde, das "City- Event" fest in den Weltcup-Kalender aufzunehmen. Bis 2015 ist es nun dort verankert, immer am 2. Januar, München ist der erste Austragungsort. Für die Jahre danach gibt es schon einige andere Bewerber, Hujara spricht von "rund zehn Großstädten aus Nordamerika, Asien und Zentraleuropa", die Absichtserklärungen an die Fis abgegeben hätten. Darunter sollen Toronto, Québec und New York sein - "das sind Namen, mit denen man arbeiten kann", sagt Hujara.

Darin sehen die Vermarkter des Wintersports das größte Problem. Kitzbühel, Wengen, das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding - das sind Selbstläufer, zu denen Zehntausende kommen. Ansonsten aber spielt sich Wintersport in verschneiten Dörfern ab, oft sind mehr Fernsehkameras da als Zuschauer.

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