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Skifahrer Stefan Luitz:Er hat den Glauben daran bewahrt, nach all den Missgeschicken irgendwann entschädigt zu werden

Es dauerte dann bis zum folgenden März, ehe der Internationale Sportgerichtshof den Spruch revidierte: Bei konkurrierenden Rechtsansichten gelte das Regelwerk der Wada, so das grobe Urteil. Luitz' Saison war da bereits von weiteren Verletzungen zerfurcht, aber immerhin: "Ich glaube, mich kann so schnell nichts mehr aus der Fassung bringen", sagte er vor einem Jahr im Sölden, beim Auftakt der folgenden Saison.

Luitz musste dann aber erst einmal feststellen, dass er doch noch einige Altlasten mit sich herumschleppte: "Ich hatte nach all den Sachen zuvor einen Schritt zurück gemacht", erinnert er sich heute. Er wirkte verunsichert, im Rennen, wo er seine Linie runder anlegte als sonst, aber auch mental. In drei seiner ersten vier Weltcups erreichte er nicht mal den zweiten Lauf. Erst im Parallel-Riesenslalom von Alta Badia, wo er Zweiter wurde, "hab ich den Stefan wieder ein bisschen fahren lassen", sagt er. Dann wurde die Alpin-Saison Anfang März vorzeitig beendet - wegen Corona.

Das muss man Luitz zugutehalten: dass er am Ende doch immer den Glauben daran bewahrt hat, nach all den Missgeschicken irgendwann gebührend entschädigt zu werden. Er nutzte die verlängerte Vorbereitung, um zur frecheren Linie zurückzufinden: Dabei steuert der Fahrer direkter auf die Tore zu, was mehr Kraft erfordert und stärker auf Bänder und Knochen drückt, im Erfolgsfall aber schneller ist. Die Trainingseindrücke, bestätigt Christian Schwaiger, der Cheftrainer der DSV-Männer, seien zuletzt sehr erbaulich ausgefallen. Luitz hat auch einige Einheiten im Super-G absolviert, dem schnellen Hybrid aus Abfahrt und Riesenslalom; auch, um die frechere Linie für den Riesenslalom zu schärfen.

Oder bahnt sich da sogar ein Zweitgewerbe für die sportliche Zukunft an? "Vielleicht", sagt Luitz. An ein, zwei Super-G-Weltcups wolle er sich in diesem Winter schon heranwagen.

Luitz, das ist wohl eine der besten Nachrichten für den DSV, wirkt durchaus bereit für die Rolle einer Führungskraft, auch in der Öffentlichkeit. Zwar hat sich in Alexander Schmid zuletzt eine weitere Stammkraft an die Weltspitze im Riesenslalom herangepirscht, auch die Nachschubrouten werden wieder zuverlässiger beliefert - dank Fabian Gratz, 22, vom SC Altenau zum Beispiel, der in Sölden den dritten deutschen Startplatz ergattert hat. Aber noch ist das Technik-Ressort, das vor gar nicht langer Zeit ein Prunkstück im DSV war, eine ganz schöne Baustelle. Neben Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Viktoria Rebensburg traten zuletzt viele weitere Stammkräfte zurück, Dominik Stehle, Benedikt Staubitzer und Christina Ackermann etwa. "Felix und Fritz sind zwei Granaten, da habe ich mich immer etwas verstecken können", sagt Luitz, "jetzt liegt der Fokus ein bisschen mehr auf einem selbst. Ich will aber einfach schauen, dass ich mein Ding durchziehe."

Und wenn es nicht gleich klappt? Der neue, alte Stefan Luitz wird auch damit umgehen können.

© SZ vom 16.10.2020/sonn
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