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Ski alpin:Ein Trainer der Schweden wird in Sölden positiv auf das Virus getestet

Vielleicht haben sie sich auch deshalb auf ein abgespecktes Programm besonnen, notgedrungen: Die Tournee durch Nordamerika, die sonst im November und Dezember steigt, wurde abgesagt, wie die Sommercamps in Südamerika und Neuseeland, wobei fast alle Nationen zuletzt in Europa prächtig trainieren konnten. Bis auf einen Halt in China - ein Testlauf für die Winterspiele 2022 - reist der Tross exklusiv durch Europa. 38 Weltcups, 34 bei den Frauen, das ist erst mal der Plan. Technik- und Speedfahrer sind dabei getrennt unterwegs, Zuschauer nicht zugelassen, zumindest nicht in diesem Jahr - das trifft vor allem die Budgets der lokalen Ausrichter. Peter Schröcksnadel, der mächtige Chef des österreichischen Skiverbandes, plädierte zuletzt schon wieder für eine Öffnung: Im Skisport konsumiere das Publikum doch eh "fast keinen Alkohol", Kitzbühel und Schladming ausgenommen, sagte er der Agentur APA. Schön, dass manche sich ihren Humor so sehr bewahren.

Auch sonst ist die Ungewissheit ein treuer Begleiter: Profis und Betreuer ziehen ständig vom Rennen zum Training und zum nächsten Rennen durch diverse Länder, oft ändern sich Wetter und Reisepläne spontan - diesmal kommen die sich ständig drehenden Reisebeschränkungen hinzu. Was heißt das für die Athleten? Oder für den in Österreich ansässigen Servicemann aus Slowenien, der nach Bulgarien reist? Im DSV rechnen sie damit, dass sie alle Athleten alle drei Tage testen werden, von unterwegs, weshalb sie gerade ein Netzwerk mit Laboren in Europa aufbauen, um die Proben schnell auszuwerten. 1,2 Millionen Euro kalkulieren sie nur dafür ein.

Und noch eine Sache macht ihnen große Sorgen: der Unterbau, auch wenn die Fis die Vorschriften für die zweit- und drittklassigen Rennen zuletzt gelockert hat. Jedoch: Viele deutsche Nachwuchsathleten können derzeit nicht einfach in Nachbarländer reisen, zum Trainieren und für die Rennen - sie müssten danach tagelang in Quarantäne, und da würden viele Schulen die Vorschriften derzeit sehr penibel auslegen, heißt es, sogar die Partnerschulen des Sports. Alles irgendwo nachvollziehbar.

Andererseits: Andere Länder, sagt Wolfgang Maier im Gespräch, fänden derzeit praktikablere Lösungen. Derzeit habe er die Sorge, dass die Zwölf- bis 16-Jährigen in diesem Winter "fast gar nicht in den Schnee kommen". Für die Weltlage mag das verschmerzbar klingen, für einen Skiverband, der streng an Resultaten gemessen wird, steht da schnell mal eine Generation auf dem Spiel.

Wie lange dieser Winter gut gehen wird mit einem Tross, der noch immer wie ein Wanderzirkus über einen Kontinent zieht? Zumal in einer Saison, in der im Februar in Cortina d'Ampezzo auch noch eine alpine WM ansteht, ein überlebenswichtiges Event für den Weltverband? In den Hygienespielregeln der Fis ist haargenau festgezurrt, wer im Catering-Bereich wem die Sandwichs anreichen soll und wer im Fall eines Positivtests wann und wie informiert wird - aber ab wann ist ein Event in Gefahr? Eine Saison? Das ist völlig ungewiss. Am Freitag bestätigte der schwedische Verband, dass Männer-Trainer Ola Masdal in Sölden positiv auf das Virus getestet wurde, er befinde sich vor Ort in Quarantäne.

Sicher ist erst mal nur eines: dass vor allem jene Athleten im Vorteil sein werden, die auch im Ungewissen ihre Leichtigkeit bewahren. "Wenn man schlecht fährt", scherzte der deutsche Riesenslalom-Experte Stefan Luitz jetzt, "ist man vielleicht auch froh, dass keine Zuschauer vor Ort sind." Alles eine Frage der Perspektive.

© SZ vom 17.10.2020/chge
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